Vor 50 Jahren wurde in Liggersdorf der neue Sportplatz eingeweiht. Ein Ereignis, das schon auf Kreisebene sicherlich ein kleines gewesen ist, für einen kleinen Ort wie es Liggersdorf damals war und auch heute noch ist, jedoch ein großes. Wie bei allen Ereignissen stehen einzelne dahinter, die durch ihre Initiative ein für die Gesamtheit wesentliches Ereignis anschieben. Im Fall Liggersdorf waren dies Männer wie Hermann Strohmaier, der frühere Leiter der örtlichen Schule, und unter anderem auch Begründer des Korbinian-Brodman-Museums. Neben Strohmaier war es vor allem auch Josef Gugelberger, der beim Entstehen des Sportgeländes, aber auch der Gründung des örtlichen Sportvereins (1965) maßgeblich beteiligt war. Andere wären ebenfalls zu nennen, zum Beispiel Hermann Schweikart sowie die Müller-Brüder Engelbert, Trudpert und Elmar.

Das vor 50 Jahren eingeweihte Liggersdorfer Sportgelände heute (während des Training einer Jugendmannschaft des Sportvereins Liggersdorf). Im Hintergrund das Clubheim, das erst in den 90er-Jahren errichtet wurde. Bild. Exner
Das vor 50 Jahren eingeweihte Liggersdorfer Sportgelände heute (während des Training einer Jugendmannschaft des Sportvereins Liggersdorf). Im Hintergrund das Clubheim, das erst in den 90er-Jahren errichtet wurde. Bild. Exner

Am Anfang stand eine Wiese, die sich genau dort befand, wo heute der Supermarkt Neukauf in Liggersdorf steht, erzählen die Zeitzeugen. Man spielte, so erinnern sich Gugelberger und Schweikart, auf allereinfachste Weise. Das Spielfeld war nur "eine Wiese mit zwei Toren", die freundlicherweise von Anton Martin zur Verfügung gestellt worden war. Wenn das Spiel vorüber war, wanderten die einheimischen Fußballer nach Hause, um zu duschen und sich umzuziehen. Die Gäste jedoch begaben sich zum "Bären", um dort im Hinterhof an einem Waschbecken mehr als provisorisch den Schweiß herunterzuspülen und sich umzuziehen. Das waren natürlich keine Zustände und so dachte man im 1965 gegründeten Sportverein von vornherein auch an ein ordentliches neues Sportgelände. Hierfür bot sich die ehemalige Kiesgrube von Adolf Müller an der Mindersdorfer Straße an. Man fackelte nicht lange, sondern ging die Sache mit Nachdruck an. Während man von 1965 bis 1968 auf der Wiese Martin mehr schlecht als recht kickte, planierte man mühselig den Boden der Kiesgrube, fuhr sogar, wie sich Engelbert Müller erinnert, mit Traktor und Anhänger Erde bis von Pfullendorf an, um Unebenheiten im Boden der ehemaligen Kiesgrube zu beheben. So entstanden rund 3000 freiwillige Arbeitsstunden. 1968 war endlich das große Ziel erreicht. Der Sportplatz war fertig.

Schwelgten beim SÜDKURIER-Gespräch in Erinnerungen: Hermann Strohmaier, Hermann Schweikart und Josef Gugelberger (v.l.), die bei der Gründung des Sportvereins Liggersdorf (1965) sowie dem Bau des vor 50 Jahren eingeweihten neuen Sportgeländes in Liggersdorf aktiv dabei waren. Bild: Exner
Schwelgten beim SÜDKURIER-Gespräch in Erinnerungen: Hermann Strohmaier, Hermann Schweikart und Josef Gugelberger (v.l.), die bei der Gründung des Sportvereins Liggersdorf (1965) sowie dem Bau des vor 50 Jahren eingeweihten neuen Sportgeländes in Liggersdorf aktiv dabei waren. Bild: Exner

Zur Eröffnung wurde er von dem aus Liggersdorf stammenden Vikar Alfons Haidlauf kirchlich gesegnet und dann begann ein Pokalturnier, an dem sich Vereine aus der ganzen Umgebung beteiligten. Am Abend der Pokalturniertage tanzte man unter freiem Himmel zu den Klängen der Hohenfelser Musikanten. Der SÜDKURIER berichtete am Montag nach dem Festwochenende: "Mit seinem satten grünen Rasen ist der Platz zu einem Schmuckstück der Gemeinde geworden, der von den Gastvereinen bewundert wird."

Aus lauter Begeisterung über den neuen Sportplatz liefen die Liggersdorfer Fußballer in den Monaten danach zur Höchstform auf und schlossen die erste Spielrunde auf dem neuen Platz gleich als Meister der C-Klasse ab, womit sie in die B-Klasse aufstiegen. Dabei kam ihnen allerdings zugute, dass der neue Platz noch recht klein war. So erinnerte sich Josef Gugelberger schmunzelnd: "Wenn ich einen Einwurf aufführte, dann war der Platz so eng, dass ich den Ball bequem bis vor das andere Tor werfen konnte. Und der Hering musste dann nur noch den Kopf hinhalten, um den Ball ins Tor zu befördern." Gerhard Hering, das sei hier angefügt, war der Längste in der damaligen Liggersdorfer Mannschaft.

Dem Sportverein Liggersdorf von Anfang an verbunden und damit auch aktiv an der Entstehung des vor 50 Jahren eingeweihten neuen Sportgeländes von Liggersdorf beteiligt: die drei Brüder Müller aus Liggersdorf (v.l.) Trudpert, Engelbert und Elmar. Bild Exner
Dem Sportverein Liggersdorf von Anfang an verbunden und damit auch aktiv an der Entstehung des vor 50 Jahren eingeweihten neuen Sportgeländes von Liggersdorf beteiligt: die drei Brüder Müller aus Liggersdorf (v.l.) Trudpert, Engelbert und Elmar. Bild Exner

Später war das nicht mehr möglich, denn der Sportplatz wurde auch auf eine ordentliche Länge gebracht. In den Jahren danach kam noch ein zweiter Platz hinzu, versehen mit Sprunggrube und 100-Meter-Laufbahn, vor allem im Interesse des Schulsports. Dafür gab es dann auch Zuschüsse vom Land und Kreis. Schließlich entstand noch ein Clubheim, womit sich auch alle Sorgen wegen des Duschens nach den Spielen endgültig erledigten.

Das vor 50 Jahren eingeweihte Liggersdorfer Sportgelände heute (während des Training einer Jugendmannschaft des Sportvereins Liggersdorf). Im Hintergrund die nach Mindersdorf führende Straße. Bild: Exner
Das vor 50 Jahren eingeweihte Liggersdorfer Sportgelände heute (während des Training einer Jugendmannschaft des Sportvereins Liggersdorf). Im Hintergrund die nach Mindersdorf führende Straße. Bild: Exner

Doch den ersten Sportplatz vor 50 Jahren mussten die Kicker aus Liggersdorf praktisch noch selber finanzieren. 11 238,10 D-Mark kostete er, wie die Schlussabrechnung ergab. Das Geld hierfür brachte man unter anderem über Schrottsammlungen auf, über Hausabbrüche im Auftrag der Gemeinde, über die Veranstaltung von Tanzabenden und auch über Theateraufführungen. An Letzteres konnten sich die Sportler zwar nicht mehr so recht erinnern, doch Hermann Strohmaier, der nicht nur örtlicher Schulleiter und Trainer der Mannnschaft war, sondern auch beim Dorftheater Regie führte, schleppte aus seinen Archivalien Textbücher so schöner Theaterstücke an wie "Der Glockenguss von Breslau" oder "Professor Kiechele in Nöten" und "Sylvesternacht". Das gemeinsame Theaterspiel bestätigte vor allem auch eins, was Strohmaier, Schweikart, Gugelberger sowie die drei Müller-Brüder einhellig betonten: "Die Kameradschaft bei den Liggersdorfer Fußballern war immer bestens!"