Jeder will einen Arzt in der Nähe haben. Und gerade im ländlichen Raum ist die Versorgung mit Hausärzten ein wichtiges Thema für die Menschen. Doch eine Hausarztpraxis kann auch zum Politikum werden, wie ein Fall aus Hohenfels zeigt. Dort betreiben Marc Nagel und Iris Gatternig die Hausarztpraxis.

Die bestehenden Praxisräume liegen in einem Wohngebiet, was aufgrund des Autoverkehrs ungünstig sei, so Nagel. Und sie würden der Hausarztpraxis allmählich zu klein. Denn zunehmend kämen auch Patienten aus dem angrenzenden Landkreis Sigmaringen nach Hohenfels, sagt Marc Nagel. Den Anteil an Patienten aus dem Nachbarlandkreis, die er und seine Kollegin in der Praxis behandeln, schätzt er auf 30 bis 40 Prozent – mit steigender Tendenz, denn im angrenzenden Landkreis hätten zwei Hausärzte aufgehört.

Um dies zu bewältigen, plant die Praxis einen Neubau, mit der Möglichkeit, das Ärzte-Team zu vergrößern. Das Grundstück, das sich Nagel dafür wünscht, liegt im Gewerbegebiet Egelsee zwischen den Hohenfelser Ortsteilen Selgetsweiler und Kalkofen. Die Gemeinde Hohenfels sei dafür gewesen, dass die Hausärzte dort neu bauen können, sagt Nagel. Hohenfels‚ Bürgermeister Florian Zindeler bestätigt das: „Bei uns war das ein klares Ja.“ Man wolle die Arztpraxis unterstützen.

„Bei uns war das ein klares Ja.“ Florian Zindeler, Bürgermeister von Hohenfels, über die Haltung in seiner Gemeinde zu den Plänen
„Bei uns war das ein klares Ja.“ Florian Zindeler, Bürgermeister von Hohenfels, über die Haltung in seiner Gemeinde zu den Plänen | Bild: SK

Doch die Gemeinde Hohenfels entscheidet nicht allein über die Bauplatzvergabe im Egelsee. Denn das Gewerbegebiet wird interkommunal mit der Nachbargemeinde Herdwangen-Schönach betrieben. Ob ein Bauplatz verkauft wird, entscheidet daher der „Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Egelsee“, zu dessen Verbandsversammlung die Bürgermeister beider Gemeinden und jeweils zwei Gemeinderäte gehören. Beide Gemeinden hätten in dem Gremium je eine Stimme, erklärt Zindeler. Bei Stimmengleichheit gelte ein Antrag als abgelehnt.

In der Verbandsversammlung ist bei einer Abstimmung Ende Juli genau das passiert. Im Hintergrund stand offenbar die Sorge, dass eine vergrößerte Hohenfelser Praxis zu viele Patienten vom Arzt in Herdwangen-Schönach abziehen könnte. Dies lässt sich jedenfalls aus Äußerungen von Beteiligten herauslesen. Der Bürgermeister von Herdwangen-Schönach, Ralph Gerster, möchte sich zwar nicht allzu tief in die Karten schauen lassen, ehe das Verfahren abgeschlossen ist.

Er sagt aber offiziell, es gehe ihm um die ärztliche Versorgung in seiner Gemeinde, und zwar durch den in Herdwangen-Schönach ansässigen Arzt. Dies lasse er in die Entscheidungsfindung einfließen. Von den Hohenfelser Hausärzten hätte er sich zudem mehr Kommunikation über ihre Pläne gewünscht. Auch Zindeler sagt, er könne die Bedenken der Vertreter aus Herdwangen-Schönach teilweise nachvollziehen.

„Mir geht es um die ärztliche Versorgung in meiner Gemeinde.“ Ralph Gerster, Bürgermeister von Herdwangen-Schönach
„Mir geht es um die ärztliche Versorgung in meiner Gemeinde.“ Ralph Gerster, Bürgermeister von Herdwangen-Schönach | Bild: SK

Der Hausarzt von Herdwangen-Schönach, Raimund Zerm, teilt die Sorgen indes nicht: „Ich sehe keine Konkurrenzsituation, sondern eine Bereicherung des Angebots“, sagt er. Dies sei von Anfang an seine Position gewesen. Auch die gegenseitige Vertretung der Ärzte wäre mit einem Partner auf der anderen Seite der Kreisgrenze leicht zu organisieren.

Und wie geht es nun weiter? Die Gemeinde Hohenfels hätte sich im Fall des Falles bemüht, der Praxis ein anderes Grundstück zur Verfügung zu stellen, sagen Marc Nagel und Florian Zindeler, doch ein solcher Plan B könnte nun unnötig werden. Durch intensive Gespräche seien Bedenken ausgeräumt worden, sagt Zindeler. Mehrere Beteiligte sagen, das Bauvorhaben im Egelsee komme noch einmal auf die Tagesordnung des Zweckverbands und sei mittlerweile auf gutem Weg – auch wenn eine erneute Entscheidung der Verbandsversammlung über das Grundstück noch ausstehe, so Zindeler.