Er ist weltweit bekannt und seine Forschungen über die Großhirnrinde sind heute noch maßgebend: Der Arzt und Forscher Korbinian Brodman wurde am 17. November 1868 in Liggersdorf geboren und starb am 22. August 1918 in München.

Obwohl er keine einfache Herkunft und Kindheit hatte, schlug er die Forscherlaufbahn ein. Brodmann war ein uneheliches Kind. "Deshalb gab ihm der Pfarrer seinen Vornamen nach dem Tagesheiligen", erklärt Jochen Goldt vom Verein "Hohenfels hat Zukunft", der sich im Liggersdorfer Rathaus um das Brodmann-Museum kümmert. Brodmann wuchs unehelich auf, doch seine Eltern heirateten schließlich. Brodmann besuchte nach der Volksschule Liggersdorf, wo er laut den Aufzeichnungen keine guten Noten gehabt habe, die Bürgerschule Überlingen und später die Gymnasien in Sigmaringen und Konstanz. "Nach dem Abitur war er nie wieder in Hohenfels", erzählt Goldt. "Wir vermuten, dass er hier sehr stigmatisiert wurde."

Ein Beispiel für die Brodmann-Areale im menschlichen Gehirn. Diese Zeichnungen fertigte Korbinian Brodmann an. Bild: Brodmann-Museum
Ein Beispiel für die Brodmann-Areale im menschlichen Gehirn. Diese Zeichnungen fertigte Korbinian Brodmann an. Bild: Brodmann-Museum | Bild: Brodmann-Museum

Brodmann studierte an verschiedenen Universitäten Medizin. Er arbeitete als Arzt und Forscher unter anderem in Jena, Berlin und Tübingen. "Es ist erstaunlich, was Brodmann in der Hirnforschung alles geleistet hat", sagt Goldt. Der Arzt habe viel publiziert und sein Hauptwerk "Vergleichende Lokalisationslehre der Großhirnrinde" sei heute weltweit bekannt. In Deutschland werde es nicht mehr verlegt, doch in der englischen Übersetzung wird es noch gedruckt. "Das zeigt, wie wichtig seine Aussagen heute noch für die Wissenschaft sind", folgert Goldt. Brodmann erforschte die zwei bis vier Millimeter dicke Großhirnrinde und stellte fest, dass diese bei Säugetieren und Menschen identisch ist. Deshalb forschte er an Tiergehirnen. Brodmann entdeckte, dass die Struktur der Hirnrinde unterschiedlich ist und teilte diese in 52 Bereiche ein, die heute Brodmann-Areale genannt werden. Was genau in welchem ist, konnte er aufgrund seines plötzlichen, frühen Todes im Alter von 50 Jahren nicht mehr erforschen. Er starb etwa acht Monate nach der Geburt seiner Tochter Ilse an einer Blutvergiftung. "Heute weiß man, was in welchem Areal passiert", sagt Goldt.

Korbinian Brodmann mit seiner Tochter Ilse. Er starb noch vor ihrem ersten Geburtstag. Bild: Brodmann-Museum
Korbinian Brodmann mit seiner Tochter Ilse. Er starb noch vor ihrem ersten Geburtstag. Bild: Brodmann-Museum | Bild: Brodmann-Museum

Das Korbinian-Brodmann-Museum im Liggerdorfer Rathaus existiert seit 2009. Es wurde mit fachlicher Unterstützung einer Museumsexpertin eingerichtet und eröffnet. Der ehemalige Hohenfelser Lehrer Hermann Strohmaier hörte bereits vor rund 35 Jahren von Korbinian Brodmann und seiner Bedeutung in der Forschung. Er recherchierte, wie Jochen Goldt erzählt, und richtete ein Brodmann-Gedächtnis-Zimmer in der Schule ein. Die Schule wurde später auch nach Brodmann benannt. Von Brodmanns Tochter Ilse, die 2004 verstorben ist, erhielt Strohmaier viele persönliche Gegenstände ihres Vaters. "Sie war dankbar, dass seiner Leistung und seines Lebens gedacht wird", sagt Goldt.

Das Gedenkzimmer sei dann irgendwann etwas eng geworden und Strohmaier sei auf den Verein zugekommen. Der frühere Bürgermeister Hans Veit habe dann die Idee gehabt, die freie Dachetage des Rathauses zum Museum zu machen. Hunderte von ehrenamtlichen Arbeitsstunden flossen in die Einrichtung, erzählt Goldt. Alles, was von Brodmann erhalten ist, ist im Museum zu sehen. Eine große Weltkarte zeigt seine Lebensstationen und Infotafeln erklären sein Leben, seine Arbeit und seine Familie samt Stammbaum. Es gibt zum Beispiel ein altes Mirkrotom, ein Gerät zur Herstellung von Hirnschnitten. Jetzt im Brodmann-Gedenkjahr hat das Museum außerdem noch Leihgaben vom Max-Planck-Institut.

Jochen Goldt vom Verein "Hohenfels hat Zukunft" führt Interessierte durch das Brodmann-Museum, das nur auf Anfrage öffnet. Bild: Ramona Löffler
Jochen Goldt vom Verein "Hohenfels hat Zukunft" führt Interessierte durch das Brodmann-Museum, das nur auf Anfrage öffnet. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Brodmann ist weltweit von so großer Bedeutung, dass sogar Anfragen aus Japan an das Museum kamen. Dort erschien dann ein Buch über Brodmann und seine Forschung. Die Gemeinde sei besonders stolz, dass der Pionier der Hirnforschung von hier stammt, so Goldt. "Wir sind dankbar, dass sich Herrmann Strohmaier ihm angenommen hat."