Ein etwas längere Diskussion hat der Bebauungsplan Dietersberg in der jüngsten Ratssitzung ausgelöst. Eine Investorengruppe plant, auf dem 1,1 Hektar großen Areal des ehemaligen Brändle-Anwesens an der Deutwanger Straße in Mindersdorf eine „verdichtete Wohnbebauung mit günstigen und attraktiven Angeboten, insbesondere für junge Familien zu schaffen“, wie es in Sitzungsvorlage hieß. Die Idee mit kleinen Reihenhäusern, die in der Sitzung vorgestellt wurden, kam jedoch nicht gut an.

Die Gemeinde wollte den Paragrafen 13b des Baugesetzbuchs nutzen, um einen Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren aufzustellen. In diesem Verfahren muss lediglich eine öffentliche Auslegung erfolgen. Außerdem entfällt die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung.

„Interessant für Großstädter“

Gemeinderat Morten Wagner (FUW) sagte, dass eine derartige dichte Bebauung kaum zum Ortsbild von Mindersdorf passe: „Außerdem sind solche Wohneinheiten wohl eher interessant für Großstädter in einer Großstadt.“ Er bezweifelte, dass Menschen, die in den ländlichen Raum ziehen wollten, sich für ein derartiges Häuschen begeistern würden.

Die Gemeindeverwaltung empfahl, dass zu diesem auf der Gemarkung bis dato einzigartigem Vorhaben frühzeitig eine Ortsteilversammlung einberufen werden sollte. Hier könnten dann Anregungen erfasst und berücksichtigt werden.

Schmid: Zuerst eine Ortsteilversammlung

Gemeinderat Karl Schmid (FUW) regte an, zuerst diese Ortsteilversammlung abzuhalten und anschließend erst einen Beschluss über die Aufstellung eines Bebauungsplans zu fassen.

Bürgermeister Florian Zindeler wies allerdings darauf hin, dass das Verfahren nach Paragraf 13b nur noch bis zum 31. Dezember eingeleitet werden könne und somit die Zeit dränge. Laut SÜDKURIER-Informationen läuft die Planung für das Projekt bereits einige Jahre, doch es lagen scheinbar bislang noch nicht alle Zusagen von den Investoren vor.

Kritik: Zu wenig Informationen

Auch andere Gemeinderäte äußerten Bedenken wegen der Reihenfolge des Verfahrens und der kurzen Frist. Desweiteren wurde moniert, dass zu wenig Informationen vorhanden seien, da nicht klar dargelegt sei, wie viele Wohneinheiten auf dem Gebiet entstehen sollten und was mit dem alten Brändle-Haus geschehen solle.

Auch wie das Problem der Autostellplätze gelöst werden soll, blieb noch offen: Bei einer großen Dichte von relativ kleinen Häusern in einer Hanglage sei möglicherweise nicht genügend Platz für zwei Stellplätze pro Wohneinheit vorhanden, und Parken auf der Straße könnte Verkehrsprobleme verursachen.

Aufstellung des Plans beschlossen

Harald Benkler (BLH) stellte in Frage, ob die Gemeinde dann überhaupt noch Einfluss auf die Entwicklung auf dem Dietersberg nehmen könne, wenn das Plangebiet in einem beschleunigten Verfahren unter Einbeziehung von Außenbereichsflächen aufgestellt würde.

Auch andere Gemeinderäte schlugen vor, dass es besser sei, zuerst die Ortsteilversammlung abzuhalten und danach einen Beschluss zu fassen. Dem wurde aber aufgrund der kurzen Frist nicht stattgegeben.

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Gemeinderat Karlheinz Lehmann (FUW) sprach sich dafür aus, dass der Rat zunächst über die Fläche abstimmen sollte, um nicht das gesamte Vorhaben zu blockieren. Der Rat solle dann in einer späteren Sitzung über den Bebauungsplan diskutieren.

Schließlich stimmten zehn Gemeinderäte für die Aufstellung des Bebauungsplans. Es gab eine Gegenstimme und eine Enthaltung. Es soll eine Ortsteilversammlung geben.