Wenn das 100. Jubiläum des Musikvereins (MV) Weiterdingen ansteht, scheuen die Vereinsmitglieder keine Mühen. Bisher als Acker genutzt wurde eine Fläche gleich neben der Wiesentalhalle. Flügelhornist Martin Beschle hat sie brach liegen lassen und im Herbst Klee eingesät. „Hier sollte das Festzelt stehen“, zeigt Sandra Schlatter auf die sattgrüne Wiese. An vier Tagen vom 30. April bis 3. Mai sollte gefeiert werden, durch die Corona-Krise wird daraus in diesem Jahr nichts.

„Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, auch die Bürger haben sich mit uns auf das Fest gefreut“, bedauert Vorsitzender Raphael Mayer die Absage. Die ganze Dorfgemeinschaft habe sich eingebracht, das 100. Jubiläum hätte gebührend gefeiert werden sollen. „Blasmusik mit einem großen Spektrum an Stilen kommt bei Zuhörern jeden Alters an und bringt bei Konzerten viele Menschen zusammen“, fügt Vizedirigentin Sandra Schlatter hinzu. Zudem hätte der Verein mit dem Jubiläumsfest auch das Bezirksmusikfest ausgerichtet.

Musik steht bei den Weiterdingern hoch im Kurs. Von 18 jungen Männern 1920 gegründet, spielen heute 62 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Andreas Jeck im Verein. Und das bei knapp 900 Einwohnern in dem Ortsteil von Hilzingen. Dazu gibt es eine Big Band und auch an Nachwuchs fehlt es nicht. Zu den rund 20 Jungmusikern bei den Aktiven kommen elf Kinder in der musikalischen Spielgruppe. Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel von Gründungsmitgliedern sind im Musikverein Weiterdingen vertreten.

In normalen Jahren gibt es 60 Termine

Aber im Moment läuft nichts. Clemens Leiber als zweiter Vorsitzender sagt: „Uns fehlt das Musizieren, die Gemeinschaft und der Austausch.“ Die Proben seien wie eine Auszeit aus dem Alltag. Die fehlt auch Raphael Mayer: „Mit Proben, Registerproben und Konzerten über das ganze Jahr gerechnet, verbringen die Musiker rund 60 Termine gemeinsam.“

Dazu kommt ein weiterer Aspekt. Zum Jubiläum wurde eigens eine Komposition in Auftrag gegeben. Es sollte etwas Besonderes und Eigenständiges sein. Der Gedanke war, in einem Musikstück Stile aus 100 Jahren Musikgeschichte zusammenzubringen. Neun Stücke hatte Dirigent Andras Jeck ausgesucht, das zehnte war eine Auftragskomposition, die den Titel „Stoffelmania“ trägt. Die konnte bisher wegen der Schutzmaßnahmen aber nur angeprobt werden.

Wiesentalhalle soll bis September saniert sein

„Die Organisation war schon eine große Aufgabe, aber das Ziel vor Augen, hat es auch Freude gemacht“, sagt Sandra Schlatter und hofft, dass zumindest der Festakt im Oktober in der Wiesentalhalle stattfinden kann. Denn bis zum September muss die Sanierung der Halle wie geplant abgeschlossen sein. Man fühle sich zurzeit wie in einer Warteschleife, hoffen alle darauf, dass ab dem 4. Mai wieder in Kleingruppen geprobt werden kann.

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