Ingeborg Meier

Seit Ende 2015 ist die kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in der Gemeindeordnung Baden-Württemberg gesetzlich verankert: Kinder und Jugendliche müssen an den Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind. Eine aktive Beteiligung bietet nicht nur für die Kinder und jungen Leute, sondern auch für die Kommunen viele Chancen.

Kleinen Gemeinden fehlt Infrastruktur

Mit der Umsetzung tun sich aber insbesondere kleinere Gemeinden schwer. Ihnen fehlt oft die notwendige Infrastruktur und Personalstärke. Das soll sich jetzt ändern: Das als Bestandteil des Ideenwettbewerbs „Gemeinsam Schaffen“ vom Land geförderte Projekt des Vereins Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) Bodensee „Jugendliche und Erwachsene gemeinsam in Dialog bringen“ ist angelaufen. Es geht darum, mit den Jugendlichen für die teilnehmenden Gemeinden maßgeschneiderte Beteiligungsformate zu entwickeln.

Gruppengröße passt

In Hilzingen fand nun nach einem virtuellen Zoom-Meeting mit mehr als vierzig Schülern der erste Präsenz-Workshop statt. Der Anzahl der interessierten jungen Leute hatte sich dabei auf neun reduziert – eine Gruppengröße, in der sich gut arbeiten ließ, wie sich zeigte. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring Konstanz und dem Kreisjugendreferat Konstanz statt. Mit der Kreisjugendreferentin Waltraud Weber und der Bildungsreferentin waren neben der ILE-Regionalmanagerin Christine Derschka auch die Projektpartner vor Ort, die die jungen Leute begleiten und coachen werden. Moderiert wurde von Kommunalberater Udo Wenzel, dem als Experte der Titel eines „Beteiligungspapstes“ anhaftet.

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Wie auch bereits beim Zoom-Meeting von der ersten bis zur letzten Minute dabei war Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer. Der 30-Jährige ließ keinerlei Zweifel aufkommen, dass er zu hundert Prozent hinter der Absicht steht, die Jugendlichen in der Gemeinde mitreden und ihren Heimatort mitgestalten zu lassen.

Schulleiter sind begeistert

Vier Gemeinden wollen das Projekt durchziehen: Neben Hilzingen sind dies Gailingen, Tengen und Volkertshausen. Am gleichen Tag wie in Hilzingen wurde es auch in Gailingen ein Stück weiter auf den Weg gebracht. Dort trafen sich mit den ILE-Vertretern und ihren Kooperationspartnern der dortige Jugendausschuss und die Vertreter der örtlichen Vereine. Gailingen hat nur noch eine Grundschule vor Ort. Deshalb setzt man in der Hochrheingemeinde viel Hoffnung auf die in der Jugendarbeit erfahrenen Vereine – anders als in Hilzingen, wo die beiden Gemeinschaftsschulen stark eingebettet werden sollen. Die Voraussetzungen sind hier gut: Die Schulleiter Martin Trinkner und Siglinde Unger waren von Anfang an begeistert.

Und so waren die konkreten Ergebnisse des Hilzinger Workshops auch, dass nach den Sommerferien ein gemeinsames Coaching der beiden Schülermitverwaltungsgremien stattfinden soll. In dessen Rahmen soll weiter gedacht werden, welche Beteiligungsform hier nachhaltig aufgebaut werden könnte und insbesondere, wie sich eine Jugendvertretung gestalten könnte. Auf dem Workshop ging das Meinungsbild hin zu einem Jugendforum unter aktiver Mitwirken der Schülervertreter, aus dem heraus dann die Jugendvertreter gewählt würden. Eine Idee, die dem Moderator Udo Wenzel spontan zusagte: „Das wäre toll, wenn wir hier ein ganz neues Modell erarbeiten würden.“