Kurz verzieht Emily das Gesicht. Sie muss kurz blinzeln, die Nase kitzelt. „Nein, nein, es hat nicht weh getan, hat sich nur ein bisschen komisch angefühlt“, sagt die Fünftklässlerin. Sie habe das kleine Wattestäbchen kaum gespürt, versichert die Schülerin. Dann darf sie in den Bonbontopf greifen und geht in Richtung Klassenzimmer. Emily ist eine von rund 35 Schülern, die an diesem Tag in der Peter-Thumb-Schule in Hilzingen auf das Corona-Virus getestet wurden. Es ist die erste große Testaktion in der Schule, die von der Gemeinde organisiert wurde.

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Für Rektor Martin Trinkner bedeutet das einen weiteren Schritt in Richtung normalem Schulalltag. „Wir versuchen alles, damit wir der Pandemie Herr werden. Die Schnelltests sind ein wichtiger Baustein hin zu einer schnellen Rückkehr zum Präsenzunterricht“, betont er. Denn Präsenzunterricht mache allen mehr Spaß als Fernunterricht – Kinder, Eltern und Lehrern. Auch Bürgermeister Holger Mayer, der bei der Testaktion ebenfalls dabei war, sagt: „Testen und Impfen sind aktuell die einzigen Mittel, um die Infektionsketten zu durchbrechen.“ Auch wenn jemand symptomfrei sei, könne man durch Tests eine Corona-Erkrankung herausfinden.

Im Einsatz für einen normalen Schulalltag: Die freiwilligen Helfer des DRK Thorsten Singer, Kevin Becker und Julia Streidl (von links).
Im Einsatz für einen normalen Schulalltag: Die freiwilligen Helfer des DRK Thorsten Singer, Kevin Becker und Julia Streidl (von links). | Bild: Matthias Güntert

Als Thorsten Singer sein Angebot, gemeinsam mit den beiden anderen Freiwilligen Julia Streidl und Kevin Becker, ins Büro von Holger Mayer schickte, wusste er nicht, wie prompt der Bürgermeister reagieren würde. „Nicht einmal zehn Minuten danach klingelte mein Telefon und Holger Mayer war am anderen Ende“, berichtet Singer. Kurz danach war klar: Die drei Freiwilligen werden nur wenige Tage später an der Peter-Thumb-Schule als Tester fungieren. Erfahrungen haben sie, dies bringe die Arbeit beim DRK mit sich.

Bürgermeister Holger Mayer lobt den Einsatz der Freiwilligen

Für Bürgermeister Mayer ein echter Glücksgriff: „Dieses Engagement und die Bereitschaft zu helfen, ist einfach sensationell“, betont der Hilzinger Rathauschef. In einer Eltern-Umfrage habe die Gemeinde die Bereitschaft und den Wunsch nach den Schnelltests abgefragt. Laut Hauptamtsleiter Markus Wannenmacher seien alle Eltern der 520 Schüler angeschrieben worden. „Es gab viele Rückläufer, in denen der Wunsch nach den Test geäußert wurden“, sagte er. Etwa 300 Kinder befinden sich in der Gemeinschaftsschule aktuell im Präsenzunterricht.

Jessica, aus der Klasse 5c, wird vor dem Test von Julia Streidl aufgeklärt.
Jessica, aus der Klasse 5c, wird vor dem Test von Julia Streidl aufgeklärt. | Bild: Matthias Güntert

Nach 15 Minuten ist alles vorbei. Neben den 35 Schülern wurden auch ein Teil der Lehrer von den Freiwilligen getestet. Die Ergebnisse beruhigen Rektor Martin Trinkner: „Alle sind negativ, wir können beruhigt in den Schultag starten.“

Eine Woche Unterricht mit Maske

Neben dem neuen Unterrichtsinhalt Schnelltest gilt seit einer Woche an den Grundschulen in Singen und dem Hegau: Masken auf, auch im Unterricht. Wie fällt das Fazit nach neun Unterrichtstagen mit Mund- und Nasenschutz für Schüler und Lehrer aus? Rektor Martin Trinker zieht eine positive Bilanz: „Unsere Schüler gehen mit der neuen Situation ganz vorbildlich um.“ Für die Lehrkräfte gelte das Gleiche.

Maja (links) und Lena (rechts, die beide die sechste Klasse besuchen, warten darauf, dass auch sie getestet werden.
Maja (links) und Lena (rechts, die beide die sechste Klasse besuchen, warten darauf, dass auch sie getestet werden. | Bild: Matthias Güntert

Trinkner können auch nachvollziehen, wenn Eltern Bedenken äußern, wenn ihre Kinder den ganzen Schultag eine Maske tragen müssen. Aber er betont auch: „Wir tun wirklich alles dafür, um den Kindern den Alltag auch mit Masken so angenehm wie möglich zu machen.“ Das bedeutet: Dort, wo es der Sicherheitsabstand erlaube, gebe es auch Pausen vom Maskentragen.

Die Maske bringt mehr Sicherheit

Ein ähnliches Fazit zieht Schulleiterin Anja Abert von der Hebelschule in Gottmadigen. Sie berichtet davon, dass die ersten Tage mit Masken im Unterricht überwiegend gut waren. „Es mussten sich natürlich alle erst einmal daran gewöhnen, wir machen regelmäßige Maskenpausen im Freien“, sagt sie. Die Kinder hätten zu einem sehr großen Teil die erforderlichen Masken dabei: „Für die Kinder wird das Tragen der Maske immer selbstverständlicher. Die Maskenpflicht bringt für viele mehr Sicherheit und dadurch ein besseres Gefühl.“

Holger Laufer, Schulleiter der Engener Grundschule pflichtet seiner Gottmadinger Kollegin bei. „Die Schüler setzen dies bislang vorbildlich um, auch wenn es insbesondere für Ganztagskinder mit Unterricht bis 16 Uhr eine große Herausforderung und Belastung darstellt“, sagt er. Zu Essenspausen dürfen die Schüler die Masken abnehmen, während der Bewegungszeit draußen auf dem Schulgelände allerdings nicht. Gerade dies sei aber für Kinder nicht immer unbedingt nachvollziehbar.

Bürgermeisterin Seifried lobt Engagement der Pädagogen

Für Singens Bürgermeisterin Ute Seifried verlief die erste Grundschulwoche mit Maske gut. Die Schüler würden gut mit den Vorgaben zurecht kommen. Es seien eher die Eltern, die mit der Maskenpflicht Probleme hätten. „Einigen sind die jetzigen Maßnahmen zu wenig, anderen sind gerade die Masken zu viel.“ Und noch einen Punkt spricht Seifried an: Viele Eltern, aber auch Kinder und Lehrer seien das ewige Hin und Her der Bundes- und Landesregierung leid. „Eltern haben nichts mehr, worauf sie sich verlassen können“, sagt sie. Seifried hoffe, dass nach den Osterferien eine klare und auch dauerhafte Lösung präsentiert werde. Ein Lob sprach sie den Pädagogen aus. „Was in unseren Schulen und Kitas geleistet wurde im vergangenen Jahr, das ist enorm“, so Seifried weiter.

Maskenpflicht wird auch kritisch gesehen

Aber es gibt auch Kritik von den Schulleitern. So betont Anja Abert etwa, dass die Ankündigung sehr kurzfristig kam. „Der Unterricht ist jetzt schwieriger, da Mimik wegfällt und das Sprechen gerade für Lehrkräfte schwerer fällt“, so die Gottmadiger Schulleiterin. Besonders problematisch sei dies im Englischunterricht sowie für hörgeschädigte Kinder. Auch Holger Laufer kritisiert, dass die Artikulation durch die Masken eingeschränkt sei. Es sei gerade für Lehrer schwerer verständlich, wer gerade im Unterricht spreche.