Morgens die Kirche auf- und abends abzuschließen, das hieß für Annelies Gnirß an 365 Tagen zweimal am Tag zur Kirche in die Zollstraße zu gehen und das fast 29 Jahre lang. Dabei war der Schließdienst nur eine von vielen Aufgaben, die Anneliese Gnirß als Mesnerin der Kirche St. Philippus und Jakobus in Schlatt am Randen zu erledigen hatte. „Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die Zahl der Gottesdienste, der Taufen, der Hochzeiten, der Beerdigungen zu ermitteln, die sie seit Ende 1991 vor und nachbereitet haben, die Zahl hätte eh nicht gestimmt,“ gab Pfarrer Thorsten Gompper bei ihrer Verabschiedung zu.

Besonders am Herzen lag der Mesnerin der Kirchenschmuck. Dafür war die Schlatter Kirche weithin bekannt. „Hierfür haben ich und meine Schwester viel Zeit benötigt, aber es hat uns Freude bereitet“ erzählt sie. „Die erforderlichen Blumen wuchsen alle in unserem Garten. Außer den Hortensien für den Maialtar mussten nur selten Blumen gekauft werden.“

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Erschwert wurde die Arbeit dadurch, dass es anfangs in der Schlatter Kirche keinen Wasseranschluss gab. Ein Umstand, mit dem sich Anneliese Gnirß anfangs nur schwer abfinden konnte, war in 2005 der Wechsel der Pfarrei als Filiale von Büßlingen nach Riedheim und somit zur Seelsorgeeinheit Hohenstoffeln-Hilzingen. Nach 14 Jahren Zusammenarbeit mit dem Büßlinger Pfarrer Dietmar Ott hatte sie es in Hilzingen noch mit weiteren vier Pfarrern zu tun. „Und jeder Chef, sprich Pfarrer, legt auf andere Dinge Wert“ blickt Anneliese Gnirß zurück. In ihre Mesnerzeit fiel die Innenrenovation der Kirche vor drei Jahren und die Turmsanierung 2003.

Stark engagierte sie sich bei den Sternsingern, indem sie für die Gewänder sorgte und über viele Jahre die Gruppe organisierte. „Sie haben sich um das Gotteshaus gesorgt und viel Zeit investiert“, hob Pfarrer Gompper bei seinen Dankesworten hervor. Neben einem Geschenk gab es lang anhaltenden Applaus der Gottesdienstbesucher. Anneliese Gnirß selbst offenbarte nach der Verabschiedung „30 Jahre hätte ich gern vollgemacht, aber meine Gesundheit lässt es nicht zu.“