Die Polizeimeldung wirkt wie eine Wiederholung: „Zwei junge Katzen vergiftet – Polizei Gottmadingen bittet um Zeugenhinweise“. Zu Jahresbeginn wurden in einem Hilzinger Wohngebiet, genauer in der Maximilian-Gönner-Straße, zwei Katzen mit einer Chemikalie getötet. Das war vor wenigen Monaten sehr ähnlich, denn im Frühjahr 2020 starben zwei Katzen in der Karl-Geißler-Straße – und die liegt nur wenige Meter vom neuen Tatort entfernt.

Mehrere ähnliche Fälle

Hat es ein Serientäter in diesem Wohngebiet auf Katzen abgesehen? „Wir haben in dem Bereich in letzter Zeit einige ähnlich gelagerte Fälle festgestellt. Wir können einen Zusammenhang nicht ausschließen, aber auch nicht beweisen“, erklärt dazu Dieter Popp, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Ein Anwohner, der im vergangenen Jahr bereits eine Belohnung für den entscheidenden Hinweis zum Täter auslobte, schildert die Not: „Es hört einfach nicht auf.“

Die Vorgehensweise klingt ähnlich: Zwischen Ende Januar und Anfang Februar starben zwei junge Katzen an Nierenversagen, wie die Polizei mitteilt. Nach einer tierärztlichen Untersuchung stand fest, dass eine Chemikalie die Nieren geschädigt und damit den Tod verursacht hat. Deshalb wird nun ermittelt.

„Schon viele Katzen gestorben“

Für einen Familienvater ruft das Erinnerungen wach: Anfang des Jahres 2020 kam seine Freigänger-Katze Merlin damals nach Hause und zeigte auffälliges Verhalten, wankte und erbrach sich. Der Tierarzt habe nicht mehr helfen können. Zwei Jahre zuvor war bereits eine andere Katze auf ähnliche Weise gestorben. Der Mann, dessen Identität dem SÜDKURIER bekannt ist, fürchtet die Rache des Täters, wenn er mit seinem Namen an die Öffentlichkeit tritt.

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Denn er befürchtet, dass der Täter in der Nachbarschaft wohnt. „Hier scheint es jemanden zu geben, der Katzen nicht leiden kann. Denn hier sind schon so viele Katzen gestorben“, erklärt er. In Hilzingen gab es laut Angaben der Polizei in den vergangenen Jahren immer wieder solche Vergehen: 2017 waren es drei, 2018 zwei und nach einer Pause in 2019 im vergangenen Jahr wieder mindestens zwei Fälle.

Frostschutzmittel im Futternapf?

Nun traf es wieder zwei junge Katzen. Die Polizei schildert auf SÜDKURIER-Nachfrage, wie schwer die Ermittlungen in so einem Fall sind: Bei einer Freigänger-Katze lasse sich schwer nachvollziehen, wo sie sich vergiftet habe, erklärt Sprecher Dieter Popp. Das erschwere auch die Suche nach Zeugen, weshalb man sich wie schon im Vorjahr zu einem Zeugenaufruf entschieden habe. Anders als im vergangenen Jahr, wo die tödliche Chemikalie noch nicht kommuniziert wurde, nennt die Polizei nun Frostschutzmittel als das vom Täter verwendete Gift.

Sind Nachahmer nun kein Thema mehr? Doch, sagt Dieter Popp, aber von mehr Informationen zum Tatgeschehen erhoffe sich die Polizei auch mehr Hinweise. Vielleicht habe ja ein Zeuge beobachtet, wie jemand mit Frostschutzmittel hantiert hat und es womöglich in einen Futternapf füllte. „Wir gehen davon aus, dass Futter damit versetzt wird.“ Das führe dann zu einem Nierenversagen der Tiere.

Polizei ist auf Zeugen angewiesen

Die Ermittlungen im vergangenen Jahr seien leider zu keinem Ergebnis gekommen. „Wir haben keinen Ermittlungsansatz und sind mehr oder weniger darauf angewiesen, dass Zeugen sich mit ihren Beobachtungen bei uns melden.“ Auch um überhaupt Ermittlungen anzustoßen, braucht es aufmerksame Tierbesitzer: Ermittelt wird, wenn nachweislich eine Vergiftung vorliegt. Aber: „Die Polizei veranlasst in der Regel keine Obduktionen“, sagt Polizeisprecher Dieter Popp, denn das sei auch eine Kostenfrage.

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Mit präventiven Tipps, wie Katzenbesitzer ihre Tiere vor einer Vergiftung schützen könnten, tut Dieter Popp sich schwer. Bei anderen Tieren rate man in solchen Fällen, sie anzuleinen und auf das Futter zu achten. „Doch bei Katzen ist das immens schwer.“ Theoretisch könne es auch sein, dass eine Katze zufällig an Frostschutzmittel nippe. Das sei in den vorliegenden Fällen allerdings unwahrscheinlich. Wer eine Vergiftung seines Tieres vermute, solle sofort zum Tierarzt gehen.

Belohnung von 2000 Euro – ohne Erfolg

Der Familienvater ist nach den neuerlichen Vorfällen ernüchtert: Nachdem er eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt habe, sei nichts passiert. Er habe nichts mehr von der Polizei, mit der die Aktion abgestimmt war, gehört. Dabei war seine Katze im vergangenen Jahr nicht der einzige Fall: Eine Nachbarskatze aus der Hohenhöwenstraße war mit dem Leben davongekommen, nachdem jemand sie mit Unkrautvernichter eingesprüht hatte. Weil die Besitzer das Tier aber umgehend so oft gewaschen haben, bis kein Rest mehr im Fell war, überlebte es.

Für den Mann, der bereits zwei vergiftete Katzen beerdigen musste, bleibt die Hoffnung, den Täter mal auf frischer Tat zu ertappen. Damit das unnötige Leid der Tiere endlich ein Ende hat.