Anja Saßmannshausen hat es satt. Seit Monaten ist ihr Laden umzingelt von Bauzäunen, Erdlöchern, Sand und Staub. „Für mich stand nie zur Debatte, dass an der Hauptstraße etwas getan werden muss“, sagt die Inhaberin von „S‘Büchle“ über die Arbeiten im Zuge der Ortskernsanierung. „Aber wie sich die Situation an der Baustelle entwickelt hat, ist wirklich frustrierend.“

Seitdem sie ihr Geschäft nach der Lockdown-Pause im April wieder öffnen konnte, müsse sie jeden Morgen aufs Neue herausfinden, auf welchem Weg sie zum Eingang gelangt. Den Kunden gehe es nicht anders. „Viele wissen gar nicht, dass wir überhaupt offen haben“, beobachtet Anja Saßmannshausen. Diejenigen, die es schaffen, sich einen Weg zum Eingang zu bahnen, brächten Schmutz und Staub mit, sodass ständig geputzt werden muss. Alles andere als ideal. Dabei sei ihr etwas anderes versprochen worden, berichtet die Inhaberin.

„Vor etwa eineinhalb Jahren hat mit der damalige Bürgermeister zugesichert, dass die Hauptstraße schrittweise, Abschnitt für Abschnitt, saniert wird“, sagt Saßmannshausen. Es habe geheißen, dass der Eingang zu den Geschäften stets frei zugänglich bleibt. Ja sogar, dass mithilfe von Matten eine Art Teppich verlegt werde, der ein sicheres Überqueren der Baustelle ermöglicht. „Davon gibt es aber bis heute keine Spur“, sagt die Hilzingerin.

Freier Durchgang nur bis zur Apotheke?

Lediglich am Eingang der Baustelle finde sich ein Hinweis darauf, dass der Durchgang bis zur Apotheke möglich sei. Dahinter sind Passanten scheinbar auf sich gestellt. Nicht ungefährlich: „Der Fußweg über die Baustelle ist sehr abenteuerlich, bei jedem Schritt muss man auf Stolperfallen achten“, moniert Anja Saßmannshausen. Für ältere Kunden mit Rollatoren sei ihr Geschäft praktisch nicht mehr zu betreten.

Bild: Tesche, Sabine

Aber auch Jüngere haben ihre Probleme: „Eine befreundete Ladenbesitzerin musste bereits zum Arzt, nachdem sie auf der Baustelle gestürzt ist und sich die Rippen geprellt hat“, erzählt Saßmannshausen. „Es ist fast schon ein Wunder, dass die Briefträger und Lieferanten bis jetzt noch in kein Loch gefallen sind“, versucht sie sich an Galgenhumor. Schuld an dem Baustellen-Schlamassel trägt in ihren Augen die Gemeinde. „Ich sehe ständig die Chefs von Bauamt und Planungsbüro, wie sie die Baustelle inspizieren – aber bei mir im Geschäft kommt keiner vorbei.“

Kritikpunkt: Kommunikation

Weder sei sie bislang darüber informiert worden, ob die Arbeiten wirklich bis Mitte Oktober beendet sein werden, noch darüber, wie sie bis dahin ihren Müll entsorgen soll. „Kommunikation ist doch das A und O“, bemängelt sie. Ihr fehle es an Wertschätzung für die Ladenbesitzer, die die Hauptstraße mit ihren Geschäften ja überhaupt erst zum Anziehungspunkt machen.

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Bürgermeister Holger Mayer sieht das etwas anders. „Bei so gravierenden Problemen hätte mir gewünscht, dass Frau Saßmannshausen auf mich zukommt“, sagt Mayer. Er biete telefonische Sprechstunden an und habe stets ein offenes Ohr.

Bild: Gemeinde Hilzingen

„Natürlich klingele ich nicht bei jedem Bürger an der Haustür und frage nach, ob es Schwierigkeiten gibt. Aber erst im Juni war ich im Buchladen. Ich hätte mir gewünscht, da sie mir da bereits Bescheid gibt.“

Bürgermeister verteidigt Arbeitsweise

Was genau sein Amtsvorgänger Rupert Metzler im Vorfeld der Arbeiten versprochen habe, könne er nicht beurteilten. Aus seiner Sicht ergebe es wenig Sinn, die Baustelle abschnittsweise anzugehen. Mayer setzt auf eine gesamtheitliche Lösung.

„Generell sind wir uns alle einig, dass Baustellen immer Einschränkungen bedeuten. Wenn man Fortschritte erreichen möchte, muss man aber Bauarbeiten durchführen. Umso schöner wird es für alle, wenn die Hauptstraße in neuem Glanz erstrahlt“, gibt er sich optimistisch.

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Mayer sagt, dass er mit den Angrenzern im Dialog bleiben will. Ein Beispiel dafür, wie gut das funktionieren kann, sei der Austausch mit den Apothekeninhabern gewesen: „Am Freitag vor dem Pfingstwochenende wurde bei den Bauarbeiten die Internetleitung angerissen“, berichtet er. „Die Apotheke hat sich daraufhin gemeldet und wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sie noch über die Pfingstferien Internetzugang bekommt.“

Gibt es ein klärendes Gespräch?

Weil er sich statt ein Gegen- ein Miteinander wünsche, verspricht Mayer auch, Kontakt zu Anja Saßmannshausen aufzunehmen. „Schließlich geht es allen darum, die Bauarbeiten schnell über die Bühne zu bringen.“ Diese lägen übrigens im Zeitplan, berichtet der Bürgermeister. Bis Mitte Oktober sollen die Arbeiten an der Hauptstraße abgeschlossen sein.