Der 21. November war gleich zweimal in ihrem Bestehen für die Randenbahn ein prägendes Datum. Am 21. November 1913 wurde die Randenbahnlinie von Singen nach Beuren am Ried eröffnet. Und am 21. November 1966, genau 53 Jahre später, fuhr auf ihren Gleisen der letzte Zug in den Bahnhof ein. Damit endete für den westlichen Hegau und auch den Randen eine Ära.

Auto verdrängt die Bahn

Offiziell stillgelegt worden war die Bahnlinie bereits am 24. September 1966. Damals war die Randenbahn schon längst unrentabel. Das Wirtschaftswunder der 60er Jahre hatte dafür gesorgt, dass man sich jetzt vielfach ein eigenes Auto leisten konnte. Weniger Menschen fuhren mit dem Zug. Der Güterverkehr verlagerte sich ebenfalls zunehmend auf die Straße. Bereits um 1960 waren die mit Dampfloks bespannten Personenzüge durch wirtschaftlichere Schienenbusse ersetzt worden. Der Fahrkartenverkauf hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf 10.000 Tickets reduziert. Das sei nur noch ein Drittel der Auslastung von 1950 gewesen, so Werner Wocher, Autor und wohl bester Kenner der Geschichte der Lokalbahn.

Die meisten Bahnhofsgebäude der Randenbahn stehen auch heute noch. Der ehemalige Bahnhof Hilzingen gehört der Gemeinde und wird von der Narrenzunft Pfiffikus genutzt.
Die meisten Bahnhofsgebäude der Randenbahn stehen auch heute noch. Der ehemalige Bahnhof Hilzingen gehört der Gemeinde und wird von der Narrenzunft Pfiffikus genutzt. | Bild: Ingeborg Meier

Zwischen September und November 1966 übernahmen Busse die Personenbeförderung zwischen Singen und Riedheim. Dann ging es von dort nach Beuren wegen des Ausbaus der Bundesstraße 314 erst einmal noch mit dem Schienenbus weiter. Ab dem 21. November dieses Jahres wurde dann die Personenbeförderung ausschließlich mit Omnibussen durchgeführt.

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53 Jahre hatte der von der Bevölkerung liebevoll Randenbähnle genannte Lokalzug die Weiler und Dörfer Twielfeld, Hilzingen, Riedheim, Storzeln, Binningen, Beuren und Büßlingen an den Verkehrsknoten Singen angebunden und dem ländlichen Hinterland somit neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet. Die Lagerhäuser der Badischen Landwirtschaftlichen Genossenschaft Karlsruhe, in Hilzingen und Beuren-Büßlingen waren nun durch Anschlussgleise an das Bahnnetz angebunden. Das Hartsteinwerk in Twielfeld hatte einen eigenen Haltepunkt. Die Randenbahn transportierte die sogenannte Vorzugsmilch mit Zeitersparnis in die Landeshauptstadt. Damals produzierte das Hofgut Storzeln, das sich im Besitz der Stadt Stuttgart befand, die Rohmilch in Fertigpackungen. Die Bahn hatte also eine gehörige Bedeutung.

Von großer Bedeutung war das Randenbähnle aber auch für die ländliche Bevölkerung. Die Arbeiterschaft fuhr mit ihr zu den Großbetrieben in Singen, und über Singen zu den Gottmadinger Betrieben. Die Kinder erhielten nun auch leichter Zugang zur höheren Bildung: Die Bahn machte für sie ab dann die weiterführenden Schulen und höheren Bildungseinrichtungen in den Städten Singen und Konstanz leichter erreichbar.

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Der Abriss und Rückbau der Randenbahn-Anlagen erfolgte dann ab dem Jahr 1967 zügig. Wer sich allerdings für die Bahnlinie interessiert, kann noch an vielen Stellen Überreste der Bahnlinie finden: beispielsweise Brücken und den Bahndamm. Ein Teil der Bahnhofsgebäude entlang der Gleise blieb ebenfalls bis heute erhalten.

Vier alte Anekdoten vom Randenbähnle

  1. Erinnerung an eine erste Fahrt: Werner Wocher, heute Co-Präsident des Vereins zum Erhalt der Schienenstrecke Singen-Etzwilen, fuhr erstmals mit der Randenbahn in der Nachkriegszeit, wie er selbst sagt. Der Singener Bub fuhr mit der Oma zum Hamstern aufs Land. Die Fahrt war für den Eisenbahn-Enthusiasten ein so unvergessliches Erlebnis, dass sich der Architekt und ehemalige Kantonsbaumeister-Stellvertreter von Schaffhausen nach seiner Pensionierung zehn Jahre lang auf Spurensuche zur Bahnlinie entlang der früheren Bahntraße und in Archiven gemacht hat. Was er dabei – auch in Gesprächen mit Zeitzeugen – an Fakten und Anekdoten zutage förderte, füllt heute zwei reich illustrierte, detailreiche Bücher. Und deren Lektüre ist nicht nur interessant, sondern auch oft sehr amüsant.
  2. Wettrennen um die beste Zeit: Sportlich ambitionierte Mitarbeiter von Maggi und Georg Fischer hätten immer mal wieder wissen wollen, wer schneller ist: Sie testeten das wohl auf dem Rad oder der Randenbahn. Das Wettrennen wurde von den im Zug mitfahrenden Kollegen stets mit Begeisterung verfolgt, wie Wocher sich gern erinnert: „Das war ein Riesenspaß für alle.“
  3. Es gab auch mal Extratouren: Wenn es wirklich dringlich war, fuhr der Lokführer auch schon mal eine Sonderfahrt, wie Bahn-Historiker Wocher ausgegraben hat. Zum Beispiel für eine Lehrerin, die andernfalls den pünktlichen Unterrichtsbeginn versäumt hätte. Sie wurde von Singen kommend bis nach Binningen gefahren, obwohl der Zug eigentlich nur bis Riedheim eingesetzt war.
  4. Die Sonderfahrt nach der Abschlussfahrt: Dass es nach der offiziell letzten Fahrt noch eine weitere Fahrt auf der Bahnlinie gab, weiß Egon Schmieder. Dem ehemaligen Lehrer an der Hilzinger Schule liegt dazu ein Aufsatz einer damals aus Riedheim kommenden Schülerin vor. Sie schilderte darin, dass der Zugführer nach der letzten Fahrt am 21. November auf einen Dämmerschoppen in den Riedheimer Freihof ging. Dort traf er auf die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die in der Gaststätte nach einer vorangegangen Feuerwehr-Probe ihre Kameradschaft pflegten. In weinseliger Laune beschloss man da, dass man jetzt doch auch noch gemeinsam mit dem Randenbähnle in das Beurener Gasthaus zum Kranz fahren könnte. Nach Mitternacht und mehreren weiteren Viertele trat man dann mit dem Bähnle gemeinsam wieder die Fahrt nach Riedheim an. Anzumerken sei noch, so die Schülerin in ihrem Aufsatz, dass am folgenden Morgen das Zügle auf einer Fahrt zwischen Singen und Böhringen bockig stehen geblieben sei. Das Zugpersonal hatte die Sonderfahrt nach Beuren nicht eingerechnet und zu wenig nachgetankt, und so blieb das Bähnle mit leerem Tank mitten auf der Strecke stehen.