Der Anlass, dass der Ortsvorsteher von Weiterdingen Egon Schmieder den BUND-Kreisvorsitzenden Eberhard Koch zur Sitzung des Ortschaftsrats geladen hatte, war die alarmierende Schlagzeile im SÜDKURIER, dass gemäß einer Studie von Krefelder Forschern die Insektenpopulation innerhalb der vergangenen 30 Jahre in Teilen Nordwestdeutschlands um 75 Prozent zurückgegangen sei.

Da auch bei uns im Süden das Summen deutlich weniger geworden ist, folgte die entscheidende Frage: Was können Gemeinden und Bürger dagegen tun? Auf Bitten des Ortsvorstehers hatte der in Weiterdingen praktizierende Tierarzt Klaus Schriever das Thema zum Einstieg aufbereitet. Er mahnte eindringlich, dass sofortiges Handeln notwendig sei, denn Insekten stellten einen unentbehrlichen Pfeiler des Ökosystems dar, als Pflanzenbestäuber und zentrale Nahrungsquelle vieler anderer Tiere. Zwar lägen bezüglich der Ursachen des dramatischen Rückgangs der Insekten noch keine soliden Forschungsergebnisse vor, doch dass die landwirtschaftlichen Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden dafür zu großen Teilen verantwortlich seien, liege auf der Hand.

Der Kreisvorsitzende beim BUND, Eberhard Koch, machte dies am konkreten Beispiel der Schmetterlinge deutlich. Aufgrund der Stickstoffdüngung der Felder in Form von Gülle würden die Wiesen dichter, das Gras damit mehr, allerdings auf Kosten der Blumen und Kräuter. Die Wiesen könnten anstatt zweimal wie früher nun viermal im Jahr gemäht werden. Dadurch hätten die Schmetterlinge nicht mehr genügend Zeit, sich zu entwickeln und würden immer weniger.

Um die Kulturlandschaften zu schützen und zu entwickeln, die eine besondere Rolle für die biologische Vielfalt spielten, seien die Landschaftserhaltungsverbände gegründet worden, zum Beispiel der des Kreises Konstanz im Jahr 2012. "100 Landwirte sind inzwischen eingebunden und betreiben sogenannte extensive Grünlandwirtschaft, wofür sie auch finanzielle Unterstützung erhalten", berichtete er. Auf Rand- oder schwerer zu bewirtschaftenden Flächen würde nun nicht mehr gedüngt und nach altbäuerlicher Sitte nur ein- bis zweimal jährlich die Wiesen geschnitten oder von Nutztieren beweidet.

Koch sieht es als realistisches Ziel an, dass zukünftig wieder 15 Prozent der Flächen auf diese natürliche Weise bewirtschaftet würden. Eine Initiative von Nabu und einer Einzelhandelskette, die vorsieht, Blühflächen für Wildbienen anzulegen, mache Mut. Der BUND-Kreisvorsitzende warnte davor, konventionell wirtschaftende Bauern zu verurteilen, denn auch Biobauern müssten spritzen, und es sei nicht nachgewiesen, dass die von ihnen genutzten Mittel unschädlich seien. Koch sprach sich für die integrierte Produktion aus, die vorsieht, dass nur dann gespritzt werde, wenn es unvermeidbar sei.

Den Gemeinden riet er, auf öffentlichen Flächen wilde Flächen zum Beispiel an Straßenrändern und Böschungen stehen zu lassen. Auch Hauseigentümer dürften ihre Gärten nicht nur als "Abstandsflächen" betrachten, sondern könnten blühende Oasen anlegen, die Insekten und Kleintieren Lebensraum böten.

 

Zur Person

  • Eberhard Koch, BUND-Kreisvorsitzender, ist seit mehr als 30 Jahren beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland aktiv. Er gilt nicht nur als treibende Kraft zur Durchsetzung von Initiativen zum Wohle der Umwelt in unserer Region, sondern profilierte sich auch als Mittler unterschiedlicher Interessengruppen. Im Jahr 2010 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
  • Bund: Die Umweltorganisation setzt sich unter anderem für Biodiversität in Solarparks ein und unterstützt gemeinsam mit der Bodenseestiftung eine bienenfreundliche Gestaltung der Obstanlagen.