„Die Kunst der Improvisation“, so lautete der Titel des Auftaktkonzerts der zweiten Saison des „Hilzinger Barocksommers“. Und es war eine wahre Kunst, die der Freiburger Münsterorganist Jörg Josef Schwab auf der sensationellen Orgel der barocken Hilzinger St. Peter und Paul-Kirche hören ließ. Schwab gelang eine großartige Leistung musikalischer Übersicht und druckreifer, spontan improvisierter Musik. Die Formen der Improvisationen waren vorab festgelegt, Wünsche für Improvisationsthemen, also die melodischen Leitmotive, konnten von den Zuhörern bis kurz vor Konzertbeginn geäußert werden.

Schwab begann das Konzert mit einem Concerto im barocken Stil. Dem energiegeladenen Allegro zu Beginn folgte ein unaufgeregt in sich ruhendes Largo. Den Abschluss des Concertos bildete die Fuge. Hier überzeugte Schwab vor allem durch Klarheit bei den Themeneinsätzen und hohe Musikalität trotz Einhaltung der strengen Regeln dieser Form. Schwab gelang aus dem Kopf heraus etwas, womit so mancher Komponist auf dem Papier so seine Schwierigkeiten gehabt haben oder haben dürfte. Es folgten drei Choralbearbeitungen über von den Zuhörern vorgeschlagene Themen. Begonnen wurde mit der Fronleicham-Sequenz „Lobe Zion deinen Hirten“, wobei Schwab die Anfänge der Choralzeilen erweiterte, ohne sie zu stark zu verfremden.

Ein Fietz-Klassiker ganz ohne Kitsch

Als zweiter Choral wurde der Cantus Firmus von „Mein' schönste Zier“ von Schwab gekonnt mit einem hohen Register im Pedal gespielt. Als letzter Choral folgte „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ in der bekannten Melodie von Siegfried Fietz. Schwabs Interpretation hatte Gott sei Dank so gar nichts von den üblichen, vor Tränen triefenden, kitschigen Versionen, wie sie oft genug zu hören sind. In beinahe schon an Pizzicato erinnerndes Staccatospiel mit Flötenregistern wurde die Melodie passend eingebettet und sorgte so für einen unerwartet fröhlichen Eindruck.

Eine Suite im Stil des französischen Barocks hatte den Choral „Dank sei dir Vater für das ew‘ge Leben“ als Thema. Dieser wurde vielseitig in die feststehenden Formen dieser Musik eingearbeitet. Sowohl die notwendige, gewissermaßen tänzerische Spielweise als auch die in Teilen höfische Galanterie fehlten nicht.

Mit Spannung wurde eine freie Meditation im Stil Olivier Messiaens erwartet. Wie würde der Choral „Großer Gott wir loben dich“ eingearbeitet? Wie passt Messiaens die Grenzen der traditionellen Tonalität sprengende Tonsprache auf das Barock-Instrument? Schwab meisterte die Herausforderung meisterhaft. Zu dieser musiktheoretischen und musikalischen Brillanz kam eine atemberaubende technische Meisterleistung, die die Meditation dauerhaft nachwirken ließ.

Das Badnerlied geht also auch anders

Den Abschluss bildete eine dreisätzige „Sommer-Sinfonie“. Thema der Introduktion war das Badnerlied. Schwab, trotz seines Namens und seiner Herkunft, spielte es majestätisch, aber auch äußerst passend mit humoristischen, die barocke Harmonik verlassenden Anklängen sehr überzeugend und zum allgemeinen Schmunzeln. Der Aria als zweitem Satz wurde als gelungener Ruhepol in der Abendstimmung „Du lässt, o Gott, den Tag nun enden“ zu Grunde gelegt. Schwabs träumerische Improvisation nahm Stimmung und Botschaft des Liedes in gelungener Art und Weise auf. Mit einem Fugato und einer gelungen brillanten Toccata über „Geh aus mein Herz und suche Freud“ wurden die Zuhörer schwungvoll in den Sommerabend entlassen, auch wenn es danach noch eine augenzwinkernde Zugabe gab.