Die Weiterdinger fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Als die neuen Fahrpläne für den Busverkehr, die ab Januar gelten, veröffentlicht wurden, mussten sie feststellen, dass die Bushaltestelle „Stiergartenstraße" im Ort nicht mehr angefahren wird. Es ist die Haltestelle, die von fast allen Fahrgäste genutzt wird. Schüler und Grundschüler steigen dort ein, weil sie, im Gegensatz zur zweiten Haltestelle an der Landesstraße, sicher zu erreichen ist. „Wir waren gedanklich schon in der Winterpause, bis wir überraschend feststellen mussten, dass uns eine Bushaltestelle abhanden gekommen ist“, nennt Ortsvorsteher Egon Schmieder den Grund für eine außerplanmäßige Sitzung des Ortschaftsrat. Der Tagungsraum im Bürgerhaus ist voll mit Bürgern, die es nicht fassen können und wollen.

Bürger fühlen sich übergangen

Ortschaftsrätin Kerstin Küchler fasst die Ereignisse zusammen. Nach der Veröffentlichung der neuen Pläne habe man Kontakt mit dem Landratsamt und dem Bürgermeister aufgenommen. Vom Landratsamt kam die Auskunft, man solle einen geeigneten Punkt zur Überquerung der Straße finden. Die Gemeinde sei zuständig, wenn es um Verbesserungen der Sicherheit an der Bushaltestelle geht, so das Landratsamt. Auch vom Hilzinger Bürgermeister seien sie vertröstet worden. Bürgermeister Rupert Metzler erklärte, dass auch er von der Streichung nichts wusste.

Gefahr für die Schulkinder

Die Eltern sehen eine große Gefährdung ihrer Kinder an der verbleibenden Haltestelle an der Ortsdurchfahrt: Sie liegt hinter einer Kurve, weshalb die Straße schlecht einsehbar ist, die Autofahrer sind meist schneller unterwegs als die erlaubten 50 Stundenkilometer und es gibt keine Querungshilfe. Die Haltestelle im Ort dagegen ist sicher zu erreichen, sie ist außerdem überdacht und hat eine Sitzbank. „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas passiert?“, fragen die Eltern.

Änderung nicht mehr möglich

Egon Schmieder hat auch versucht, das Landratsamt von der Notwendigkeit der Haltestelle „Stiergartenstraße„ zu überzeugen. Ein Grund für die Streichung sei wohl gewesen, dass der Bus zu lang brauche, um die Schleife durchs Dorf zu fahren, die Haltestelle am Ortseingang dagegen, sei schneller zu erreichen. Eine Änderung sei wohl erst wieder mit einem Fahrplanwechsel in einem Jahr möglich, berichtet er.

Schülerin Felicia Magin sammelt Unterschriften gegen die Streichung der Haltestelle.
Schülerin Felicia Magin sammelt Unterschriften gegen die Streichung der Haltestelle. | Bild: Weiß, Jacqueline

Die Ortschaftsräte wollen das nicht akzeptieren. „Wir wollen das nicht. Man kann nicht sagen, dass der Nahverkehr gestärkt werden soll und dann Haltestellen streichen“, sagt Michael Albrecht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass es in anderen kleinen Gemeinden fünf Haltestellen gebe und in Weiterdingen nur noch eine, erklärt Ortschaftsrat Matthias Martin. Sie setzen alles daran, dass die Entscheidung noch einmal geprüft wird. In einem Schreiben an den Landrat zeigen sie auf, welche Bedeutung die Haltestelle für den Ortsteil hat. Außerdem sammelt die Schülerin Felicia Magin Unterschriften für den Erhalt der Haltestelle. „Die Stimmung im Dorf ist angesichts dieser Entscheidung schlecht. Es geht um die Sicherheit der Kinder“, erklärt Ortschaftsrätin Carmen Vossenkuhl. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Haltestelle für Jung und Alt erhalten bleibt“, bekräftigt Kerstin Küchler.

Die Ortschaftsrätinnen und Mütter Carmen Vossenkuhl und Kerstin Küchler fürchten um die Sicherheit der Kinder.
Die Ortschaftsrätinnen und Mütter Carmen Vossenkuhl und Kerstin Küchler fürchten um die Sicherheit der Kinder. | Bild: Weiß, Jacqueline

Auf SÜDKURIER-Nachfrage begründet Jens Bittermann, Pressesprecher des Landratsamts, die Streichung: „Zugunsten einer Beschleunigung der ehemaligen Linie 7352 und der Steigerung der Attraktivität der Gesamtlinie wird in Weiterdingen ab 1. Januar nur noch die Haltestelle Ortsausgang angefahren.“ Die Erreichbarkeit der Haltestelle Ortsausgang sei in die Planungen einbezogen worden und es habe eine frühzeitige Beteiligung der Gemeinde und der Schule gegeben. Nach Einschätzung des Landratsamts und der Polizei stelle der Weg zur Haltestelle Ortsausgang keine erhöhte Gefahr für Schulkinder dar. Auch in anderen Gemeinden müssten Schulkinder Ortsdurchfahrten queren. Ein Queren der Straße sei laut Einschätzung der Polizei bei der Einmündung Wiesentalstraße und Kosbühlstraße möglich. Die Haltestelle Ortsausgang läge mit rund 370 Meter zur Stiergartenstraße in zumutbarer Entfernung.

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.