Es ist eine quicklebendige Gemeinde, was möglicherweise daran liegt, dass Hilzingen eine ganze Reihe von Besonderheiten aufweist, die dem Ort einen unverwechselbaren Charakter verleihen. Zum Beispiel der Ortsteil Duchtlingen, der im Ruf eines Kartoffeldorfs steht. Oder Binningen, wo es ein Fluggelände gibt, obwohl auch der Hauptort über einen Flugplatz verfügt. Hilzingen dürfte auch eine der wenigen Kommunen mit vergleichbarer Größenordnung sein, in dem man das Abitur ablegen kann.

Doch auch in der aktuellen Politik geht es hoch her. Das herausragende Thema von überregionaler Bedeutung ist dabei der geplante Kiesabbau im Gebiet Dellenhau, das an die Gemeinden Singen, Gottmadingen und Rielasingen-Worblingen grenzt. Zwar ist es in der Sache etwas ruhiger geworden, weil die rechtliche Bewertung des Verfahrens durch das Regierungspräsidium Freiburg aussteht, hinter den Kulissen allerdings wird reichlich Druck gemacht. Jüngstes Beispiel ist ein Schreiben des SPD-Ortsverbands an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, in dem in Kurzform die hinlänglich bekannten Argumente der Kiesabbau-Gegner aufgelistet werden.

Dellenhau als Dauerthema

Der Vorsitzende des Ortsvereins, Erich Schmidt, appelliert dabei an die politische Grundüberzeugung des Ministerpräsidenten mit Grünen-Parteibuch. "Sehr geehrter Herr Kretschmann", so schreibt der Hilzinger SPD-Chef, "in dieser Situation sind Sie als Politiker gefordert. Viele Bürger unserer Region haben Sie gewählt, weil Sie glaubwürdig für eine ökologische und nachhaltige Politik stehen." Als Eigentümer des Gebiets Dellenhau sieht Erich Schmidt das Land Baden-Württemberg in einer privilegierten Rolle. Es könne den Kiesabbau verhindern, indem es den bestehenden Vorvertrag kündigt.

Wie sehr das Thema die Menschen beherrscht, zeigen die Demonstrationen mit etlichen hundert Teilnehmern. Diskussionsbedarf besteht allerdings auch anderweitig. Die Sanierung des Ortskerns beziehungsweise der Hauptstraße verläuft nach Ansicht etlicher Gemeinderäte nur schleppend, wie sich der Rat überhaupt mehr Dampf im Rathaus wünscht. Dort muss sich Bürgermeister Rupert Metzler regelmäßig zu offenen Briefen der Bürgervertreter äußern, in dem ihm auch schon mal unverhohlen mit Dienstaufsichtsbeschwerden gedroht wird, weil angeblich zu viel auf dem Verwaltungsweg liegenbleibt.

Räte machen Druck

Und der Gemeinderat lässt nicht locker. Die Fraktion der SPD/UL macht in ihrer jüngsten Pressemitteilung auf die Notwendigkeit des Umbaus der Gemeinde auf barrierefreie Bushaltestellen aufmerksam und fordert außerdem den Ausbau der sozialen Infrastruktur vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Damit ältere Mitbürger – so schreibt die Fraktionssprecherin Andrea Baumann – möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können, soll beispielsweise eine Seniorenberatungsstelle geschaffen werden, die unter anderem beim Ausfüllen komplizierter und umfangreicher Anträge behilflich ist.

Die bisherigen Aktionen im Rahmen der Reihe "Der SÜDKURIER gibt einen aus" haben allerdings gezeigt, dass längst nicht nur Bedarf nach einer Aussprache zu bekannten Themen besteht. Die Redaktion schätzt zugleich Hinweise zu weniger dominanten Belangen, von denen man eben selten hinter dem Schreibtisch, sondern meist in der direkten Aussprache erfährt. Und selbstverständlich dient das Treffen am späten Nachmittag auch dazu, dass Redakteur Matthias Biehler Fragen zum Medienhaus SÜDKURIER und dessen Entwicklung beantwortet.