Es gilt, eine Entscheidung zu treffen. "Jetzt geht es einen 90 Meter hohen Anstieg zum Gipfel hinauf", erklärt Walter Zepf den Wanderern, die an der Wegkreuzung neben den Beifuß-Büschen zu stehen gekommen sind. "Wem das zu steil ist, empfehle ich, hier zu warten, bis der Rest der Gruppe zurück ist", sagt der Wanderführer. So viel Fürsorge wäre gar nicht nötig gewesen. Keiner der 40 Teilnehmer der vierten SÜDKURIER-Wanderung 2018 hat vor, den Gipfel auszulassen. "Ein Indianer kennt keinen Schmerz", ruft ein Mann und die ganze Gruppe setzt sich gutgelaunt in Bewegung: Hinauf zum Hohenstoffeln.

Kein Wunder, schließlich besteht der Trupp aus erfahrenen Wanderfreunden. Alleine aus Tengen haben sich sieben ausgebildete Führer dem Zug angeschlossen. Bekleidet mit karierten Hemden, Windjacken und Westen haben sich die 40 Frauen und Männer vor knapp 45 Minuten auf den sieben Kilometer langen Rundweg gemacht. Während es nun dem Höhepunkt, dem 844 Meter hohen Gipfel des Hohenstoffeln, entgegengeht, tauscht man sich im hinteren Drittel des Trosses über Zubehör aus. Statt Papier-Taschentücher lieber Klopapier in den Marschrucksack packen, empfiehlt ein Teilnehmer. "Das wird von der Natur schneller abgebaut!" Seine Gesprächspartnerin schwört gerade im Winter auf Socken aus Lama-Wolle.

Vom Gipfel in den Kuhstall

Dass die Stimmung blendend ist, liegt daran, dass sich die Meisten kennen. Aber auch die angenehmen Nachmittagstemperaturen tragen ihren Teil dazu bei. In der Vorwoche hatten Niederschläge den SÜDKURIER-Lesern die Tour verhagelt, heute ist es zum Glück nur leicht bewölkt: Beste Ausgangsbedingungen für einen Gipfel-Schnappschuss. Am Gipfelkreuz werden die Wanderer von einem beeindruckenden Panorama begrüßt. "Eine Super-Sicht", sind sich alle einig. Der Hohenhewen, der Binninger Baggersee, die Aachquelle: In fast 900 Metern Höhe wirkt alles zum Greifen nahe.

Blick auf den Binninger Baggersee: Vom Gipfelkreuz des Hohenstoffeln bietet sich den Lesern eine herrliche Aussicht.
Blick auf den Binninger Baggersee: Vom Gipfelkreuz des Hohenstoffeln bietet sich den Lesern eine herrliche Aussicht. | Bild: Andrea Böger

Von nun an geht's bergab – allerdings nur, was das Terrain angeht. Denn auch der Abstieg, vorbei an Apfel- und Zwetschgenbäumen, Brombeerhecken und Weiden, ist malerisch. Am Hofgut Homboll in Weiterdingen, erwartet die Teilnehmer zum Abschluss eine spannende Führung. Milchbäuerin Doris Buhl gewährt einen Einblick in den Stall mit seinen 50 Milchkühen. Während sie den Melkprozess erklärt, scheut sie nicht davor zurück, auch die Herausforderungen und Probleme zu benennen, mit denen Landwirte täglich zu kämpfen haben. Die Veranstaltung endet stilecht in der Buhlschen Besenwirtschaft – bei Weißbrot, Wurst und Most.

Eine deftige Bauern-Mahlzeit in der Besenwirtschaft rundet die Wanderung ab.
Eine deftige Bauern-Mahlzeit in der Besenwirtschaft rundet die Wanderung ab. | Bild: Andrea Böger

Das macht diesen Berg so besonders

Der Hohenstoffeln ragt zwischen Binningen und Watterdingen aus der Landschaft hervor. Als einziger der Hegauvulkane hat er einen Doppelgipfel – die Südspitze ist 832 Meter hoch, der Nordgipfel 844 Meter

  • Verlorene Spitze: Ursprünglich hatte der Hohenstoffeln drei Gipfel. Der nördlichste von ihnen wurde jedoch abgetragen. Grund dafür ist, dass ab Beginn des 20. Jahrhunderts Basalt für den Straßen- und Eisenbahnbau am Hohenstoffeln abgebaut wurde. Über eine vier Kilometer lange Seilbahn wurde das Gestein zum Schotterwerk Mühlhausen transporiert. Zwischenzeitlich waren bis zu 400 Arbeiter im Basalt-Abbau beschäftigt.
  • Drei Burgen: Im Mittelalter ragten auf dem Berg drei Burgen in die Höhe: Vorder-, Mittel- und Hinterstoffeln. Es gibt Hinweise darauf, dass bereits in der Römerzeit eine Siedlung auf dem Gelände gegründet wurde.
  • Ein Naturschutzgebiet: Seit 1941 steht der Berg unter Naturschutz. Der Heimatdichter Ludwig Finckh stand dem NS-Regime nahe und konnte sich deshalb erfolgreich für den Stopp des Basaltbaus einsetzen. Tatsächlich wurde dieser ab 1939 eingestellt. Der ehemalige Steinbruch ist heute noch anhand von Abbauterrassen zu erkennen.
    Wanderführer Walter Zepf (links, mit grauer Jacke) macht die Teilnehmer auf die Spuren des Basaltabbaus aufmerksam.
    Wanderführer Walter Zepf (links, mit grauer Jacke) macht die Teilnehmer auf die Spuren des Basaltabbaus aufmerksam. | Bild: Kranz, Sinikka

Die letzte SÜDKURIER-Wanderung des Sommers führt am Freitag, 31. August, um den Worblinger Hardtberg, zum Brunnenhof der Familie Auer. Die Veranstaltung ist offen für alle Wanderfreunde. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Alten Rathaus in Worblingen.