Der zweite Hilzinger Barocksommer konnte an den Erfolg vom vergangenen Jahr anknüpfen. Die Konzertreihe fand erstmals 2017 statt und kam auf Anhieb beim Publikum an. Auch diesmal erfuhren die vier Konzerte in der Pfarrkirche St. Peter und Paul viel Zuspruch. Beim Abschlusskonzert mit dem Titel "Bach und seine Vorbilder" war Georg Koch an der Orgel zu hören. Der Bezirkskantor beeindruckte durch sein von Energie, Hingabe und Können geprägtes Spiel und sorgte mit seiner leidenschaftlichen Darbietung für ergreifende Momente.

Über Johann Sebastian Bach heißt es, beim Hören seiner Musik würden selbst nichtgläubige Menschen religiös. Georg Koch, der auch Initiator und Organisator des Barocksommers ist, hatte für das vierte und letzte Konzert Stücke von sieben der zahlreichen Komponisten ausgewählt, deren Musik Einfluss auf Bachs Werke hatte. Dieser hatte als junger Komponist anstrengende Reisen zu Fuß auf sich genommen, damit er die Musik seiner Vorbilder hören und später selbst spielen und in seinen Kompositionen weiterentwickeln konnte.

Das Publikum zeigt sich bei Barocksommer-Konzerten stets begeistert. Den Künstler spendet es zum Dank meist stehend Beifall. Bild: Karin Zöller
Das Publikum zeigt sich bei Barocksommer-Konzerten stets begeistert. Den Künstler spendet es zum Dank meist stehend Beifall. | Bild: Karin Zöller

Es waren zum Teil Stücke von enormer Klangfülle, ebenso gehörten leise Töne dazu. Zum fulminanten Auftakt spielte Koch das Werk "Toccata in d" von Dietrich Buxtehude. Der Lübecker Organist war ein großes Vorbild von Bach. Kochs intensives Spiel ließ so manchen Zuhörer aufhorchen. Etliche drehten sich nach hinten zur Empore um, um den Organisten, der mit der Musik tief verbunden zu sein schien, nicht nur hören, sondern auch sehen zu können. Höhepunkt war die grandiose Darbietung von Bachs Meisterwerk "Praeludium et Fuga in a", mit der Koch glänzte. Das Publikum war begeistert und belohnte den Kirchenmusiker mit nicht enden wollendem Applaus.

Der Freiburger Münsterorganist  Jörg Josef Schwab begeisterte sein Publikum beim "Hilzinger Barocksommer" mit kunstvollen und teils heiteren Improvisationen.  Bild: Veranstalter
Der Freiburger Münsterorganist Jörg Josef Schwab begeisterte sein Publikum beim "Hilzinger Barocksommer" mit kunstvollen und teils heiteren Improvisationen. | Bild: Veranstalter

Der Hilzinger Barocksommer 2018 hatte viel Abwechslung sowie ein musikalisch anspruchsvolles Programm zu bieten. Im wöchentlichen Wechsel bewiesen vier Organisten ihr herausragendes Können. Während der Freiburger Münsterorganist Jörg Josef Schwab mit der Kunst der Improvisation begeisterte, ließ Johannes Ebenbauer aus Wien die Klangvielfalt der Hilzinger Barockorgel erkennen.

Auf ganz andere Weise präsentierten sich Andrea Jäckle aus Hilzingen an der Orgel und Flötist Roland Müller aus dem schweizerischen Stein am Rhein: "1 + 1 = 3" lautete der Titel des Konzerts. Eine Ungleichung, die gleich zu Beginn von Andrea Jäckle aufgelöst wurde: "Wir musizieren zu zweit, spielen aber fast ausschließlich Triosonaten", erklärte die Organistin und verwies auf das äußerst anspruchsvolle Programm, das mehrere Stücke von Johann Sebastian Bach enthielt.

Bei den spieltechnisch sicherlich schwer zu bewältigenden Triosonaten ließen sich jedoch keinerlei Unsicherheiten erkennen – sie wurden von beiden Musikern mit Bravour gemeistert. Sowohl Andrea Jäckle als auch Roland Müller gelang es, selbst an schwierigen Stellen mit beeindruckender Leichtigkeit zu agieren. Außerdem war ihr gemeinsames Spiel sehr harmonisch und perfekt aufeinander abgestimmt.

Beim zweiten Konzert des Hilzinger Barocksommers beeindrucken Organistin Andrea Jäckle (links) und Flötist Roland Müller in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul durch herausragende Leistung. Das Publikum ist begeistert und spendet viel Beifall. Bild: Karin Zöller
Beim zweiten Konzert des Hilzinger Barocksommers beeindrucken Organistin Andrea Jäckle (links) und Flötist Roland Müller in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul durch herausragende Leistung. Das Publikum ist begeistert und spendet viel Beifall. | Bild: Karin Zöller

Zentrales Stück an diesem Abend war die "Sonata da Chiesa" von Frank Martin, dessen Stil einer Synthese aus der Zwölftontechnik und der traditionellen, klassisch-tonalen Musik entspricht. Das schwierige Werk wurde von den beiden Musikern ausgezeichnet dargeboten. Es war keine leichte Kost, die dem Publikum geboten wurde. Einerseits wurde die grandiose Leistung an Orgel und Flöte mit viel Lob und großem Respekt bedacht. Andererseits enthielt das Stück oftmals Dissonanzen und durchdringende Töne, die bei manchen Besuchern eine Herausforderung fürs Gehör darstellten. Mit heiteren, beschwingten und träumerischen Melodien von Bach sorgten Andrea Jäckle und Roland Müller für wohlklingenden Ausgleich und ernteten begeisterten Beifall.

Der Umtrunk auf dem Kirchplatz im Anschluss an die Konzerte ist beim Publikum des "Hilzinger Barocksommers" sehr beliebt. Hier haben die Besucher Gelegenheit, sich über das Musikerlebnis zu unterhalten. Bild: Karin Zöller
Der Umtrunk auf dem Kirchplatz im Anschluss an die Konzerte ist beim Publikum des "Hilzinger Barocksommers" sehr beliebt. Hier haben die Besucher Gelegenheit, sich über das Musikerlebnis zu unterhalten. | Bild: Karin Zöller

Der Barocksommer bietet nicht nur Musikgenuss, sondern wird von etlichen Besuchern auch genutzt, um den Alltag hinter sich zu lassen. Winfried Knapp schwärmt besonders von der abendlichen Sonneneinstrahlung. Dabei entstehe eine stimmungsvolle Atmosphäre, betont der Vorsitzende des Baufördervereins. Wie viele andere auch, lasse er während der Konzerte den Blick durch das Gotteshaus schweifen, um die prachtvolle Schönheit der Kirche bewusst wahrzunehmen, betont er.