Seit April führt die Grabungsfirma Archaeo-Task aus dem Engener Stadtteil Welschingen auf den Erschließungstraßen im zweiten Bauabschnitt des Neubaugebietes „Beim Steppbachwiesle“ in Hilzingen Ausgrabungen durch. „Wir haben es hier mit einer siedlungsgünstigen Lage an einem flachen, sonnigen Hang im Bereich guter Ackerböden und an einem ständig wasserführenden Bach zu tun“, erklärt Kreisarchäologe Jürgen Hald beim Pressetermin. Bereits min den Baggerschürfen 2014 konnten Siedlungsreste verschiedener vor- und frühgeschichtlicher Epochen, so wie Reste von menschlichen Bestattungen nachgewiesen werden.

Nach der archäologischen Untersuchung des ersten Bauabschnitts vor drei Jahren erfolgen die jetzigen Ausgrabungen unter Leitung von Andreas Gutekunst von Archaeo-Task in enger Abstimmung mit der Gemeinde Hilzingen. Die anschließenden Auswertungen und Dokumentationen werden meist von Universitäten durchgeführt. „Dieser Teil der Arbeit ist kostenintensiver“, wie Julia Goldhammer vom Landesamt für Denkmalpflege erläutert. Sie hat mit der Kreisarchäologie des Landratsamtes Konstanz die wissenschaftliche Betreuung übernommen.

Die bisher über 900 Befunde lassen auf eine erste Besiedelung in der späten Bronzezeit um 1000 v. Chr. und eine zweite um 500 v.Chr. durch frühe Kelten schließen. Die in diesem Jahr entdeckten Gräben und spätkeltische Funde wie Weinamphoren aus Südfrankreich deuten auf eine Viereckschanze. Dabei handelt es sich um etwa ein Hektar große, keltische Gutsanlagen, umgeben von einem Wall mit vorgelagertem Graben. Entdeckt wurde auch eine frühmittelalterliche Siedlung, die über 1000 Jahre nach den Kelten von Alamannen am Steppbachwiesle errichtet wurde.

Die Nachweise von bis zu zwölf Handwerkerhütten lassen den Schluss zu, dass ein aus mindestens zehn Gehöften bestehendes Dorf vom 4. bis zum 7. Jahrhundert am Steppbach stand. Die Siedlung dürfte – so Hald – eine der Keimzellen des heutigen Dorfes darstellen. Nachdem im ersten Bauabschnitt 30 Gräber der späten Bronzezeit – etwa in der Zeit von 1300 bis 850 v.Chr. – und der frühen Kelten bis etwa 300 vor Christus entdeckt wurden, konnten jetzt zwei weitere kleinere Gräbergruppen der Spätbronzezeit erfasst werden.

Aus dem Leichenbrand dieses Keramikgefässes, welches als Urne diente, können noch heute Alter und Geschlecht des verbrannten Toten festgestellt werden.
Aus dem Leichenbrand dieses Keramikgefässes, welches als Urne diente, können noch heute Alter und Geschlecht des verbrannten Toten festgestellt werden. | Bild: Elisabeth Stauder

Besonders beeindruckt hat sowohl die Archäologen, als auch Bürgermeister Rupert Metzler ein ungestörtes Grab mit Steinumrandung, in welches neben dem Leichenbrand auch zwei Keramikschälchen gelegt wurden. Außergewöhnlich ist die Nische am Grabende mit einem Gefäß. Form und Verzierung des aufwendig geschmückten Gefäßes lassen auf eine Bestattung etwa zwischen 1300 und 1100 v.Chr. schließen.

Nachdem die Funde teilweise nicht sehr tief lagen, geht Gutekunst davon aus, dass durch die verbesserten Techniken in der Landwirtschaft in den letzten 6o Jahren bereits vieles zerstört wurde. Die Ausgrabungen werden voraussichtlich Ende Juni beendet sein. Allerdings ist damit zu rechnen, dass noch einzelne Bauplätze untersucht werden müssen.