Am Sonntag entscheidet sich, wer Hilzingens nächster Bürgermeister wird. Oder die nächste Bürgermeisterin. Denn neben Holger Mayer, Rüdiger Marx, Jochen Miklo und Norbert Schaible stehen am Sonntag, 2. Februar, mit Karin Chluba und Barbara Kissmehl auch zwei Frauen zur Wahl. Bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion in den Hegauhallen haben sich diese sechs Kandidaten den Fragen von SÜDKURIER-Redaktionsleiter Torsten Lucht und SÜDKURIER-Redakteur Matthias Biehler gestellt. Auch einige der 650 Besucher konnten Fragen stellen. Dirk Klein wird ebenfalls auf dem Stimmzettel stehen, sagte seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion aber eine Stunde vor Beginn aus gesundheitlichen Gründen ab. In der Diskussion derjenigen, die seit Wochen sehr aktiv Wahlkampf in Hilzingen betreiben, wurde klar: In vielen Punkten sind sich die Kandidaten einig.

Kommunikation ist wichtig

Sachlich, zielorientiert, ehrlich und transparent soll die Kommunikation in der Verwaltung, mit Gemeinderat und Bürgern sein. Das haben die Kandidaten mehrfach betont, auch auf dem Podium waren sie sich einig. Barbara Kissmehl sah sich als Gemeinderätin bisher als Kontrollinstanz und verteidigte, dass Diskussionen teilweise Geduld brauchten: Beschlussvorschläge hätten diese Bezeichnung teilweise nicht verdient gehabt, da müsse man künftig nachjustieren. Die Hilzingerin regte an, Prozesse künftig digital zu unterstützen und ein Ratsinformationssystem einzuführen. Jochen Miklo wünschte sich mehr Lobbyarbeit: Bei zu allgemeinen Vorschlägen sei es schwer für einen Gemeinderat, sich festzulegen.

Das könnte Sie auch interessieren

In Zukunft „Hilzingen first“?

Mit Blick auf die Zukunft fehlt der Gemeinde laut Jochen Miklo ein klares Profil. Seine klare Haltung: „Ich stehe für Bildung.“ Für Gemurmel sorgte seine Aussage, die fast an den US-Präsidenten erinnerte: „Wir müssen im Hegau nicht die Welt retten.“ Für Gewerbe und neue Arbeitsplätze stellte Miklo eine Erweiterung von Gewerbegebiet in Aussicht – auch wenn die Ökologie dann im Nachteil sei. „Wir müssen da auch bisschen auf uns schauen“, sagte er und verwies auf Klimasünder wie China oder Indien. Dem widersprach Barbara Kissmehl energisch: „Es kann uns nicht egal sein, was in einer globalisierten Welt passiert.“ Karin Chluba will verdichten statt neu versiegeln. Und Holger Mayer gab sich vermittelnd: Er wolle keine Themen gegeneinander ausspielen. Außerdem gebe der Gesetzgeber bereits viele Pflichtaufgaben mit.

Für was die Kandidaten stehen

Die Kandidaten taten sich schwer damit, hervorzustechen.

Karin Chluba positionierte sich als Verwaltungsfachfrau, die nach 15 Jahren in einer Behörde die Prozesse beherrsche – und keine unrealistischen Wünsche wecken wollte.

Barbara Kissmehl betonte ihre Wurzeln: „Ich bin Hilzingerin durch und durch und Verwaltungsbeamtin aus Beruf und Berufung.“ Bislang habe sie als Gemeinderätin mitreden können, jetzt wolle sie als Bürgermeisterin gestalten und einen Schwerpunkt auf Umwelt und Klimaschutz legen. Dabei gab sie sich kämpferisch und gut informiert.

Rüdiger Marx hingegen präsentierte sich als Praktiker mit teils unkonventionellen Vorschlägen – ein Tipi-Dorf, wie er es in Sauldorf leitet, brauche es hier aber gar nicht.

Holger Mayer zeigte sich volksnah und sorgte auch mal für Lacher. Ernst war es ihm damit: „Ich bin der Meinung, man muss Verwaltung können.“ Auf eine kritische Publikumsfrage, ob er das mit 29 Jahren wirklich beherrsche, reagierte er selbstsicher: „Wir Konstanzer Absolventen können Bürgermeister.“

Der 36 Jahre alte Familienvater Jochen Miklo setzt auf seine Erfahrungen als Leiter der Versorgungsassistenz am Kantonsspital St. Gallen. Aus seinen Ausführungen wurde deutlich: Er hat sich eingehend mit Hilzinger Projekten und ihren Zahlen beschäftigt. Nun brauche es eine klare Führung, um Projekte auch abzuschließen.

Und Norbert Schaible zeigte sich routiniert angesichts der vielen Vorstellungsgespräche im Wahlkampf, die zwischen wenigen Sekunden und 90 Minuten gedauert hätten. „Sie kennen jetzt fast alles von mir“, sagte der geschäftsführende Schulleiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Dellenhau kommt nicht in Frage

Kiesabbau oder Menschenwohl? Diese Gegenpole stellte Karin Chluba in den Raum. Sie würde sich für die Menschen entscheiden. Alle Kandidaten äußerten ihre Ablehnung zum geplanten Projekt am Dellenhau. Holger Mayer habe aber Bauchschmerzen, wie er sagte, denn noch sei nicht alles entschieden.

Gesamtelternbeiratsvorsitzende Karin Oßwald wollte wissen, wie das künftige Gemeindeoberhaupt mit ihnen zusammenarbeiten wird. Die Bewerber waren sich wieder einig: Einbeziehen ist wichtig.
Gesamtelternbeiratsvorsitzende Karin Oßwald wollte wissen, wie das künftige Gemeindeoberhaupt mit ihnen zusammenarbeiten wird. Die Bewerber waren sich wieder einig: Einbeziehen ist wichtig. | Bild: Tesche, Sabine

Was Besucher bewegt

Der scheidende Bürgermeister Rupert Metzler bescheinigte den Kandidaten großen Mut, bei der Persönlichkeitswahl anzutreten. Das Publikum zeigte sich bei einer kurzen Umfrage noch recht unentschieden und so wollten die Fragesteller des Abends meist Antworten von allen Kandidaten. Etwa ob der Schulhof der Peter-Thumb-Schule zum Parkplatz werden soll. Nein, betonten alle Bewerber. Barbara Kissmehl ordnete ein, dass es dabei um eine veraltete Planung gehe, als Plätze hinter dem Rathaus gestrichen werden sollten. Als Albert Holzer die Kandidaten nach dem Öffentlichen Personennahverkehr befragte, hielten alle ein Ein-Euro-Ticket wie in Radolfzell für eine gute Idee – bis auf Karin Chluba. Der ÖPNV werde über die Kreisumlage ohnehin mitfinanziert. Besser fände sie einen Bürgerbus wie in Rielasingen-Worblingen, doch der brauche auch das Engagement Ehrenamtlicher.

Der scheidende Bürgermeister Rupert Metzler bezeichnet die Kandidaten als mutig, weil sie sich der Persönlichkeitswahl am kommenden Sonntag stellen.
Der scheidende Bürgermeister Rupert Metzler bezeichnet die Kandidaten als mutig, weil sie sich der Persönlichkeitswahl am kommenden Sonntag stellen. | Bild: Tesche, Sabine

Schwimmbad ist eine Geldfrage

„In welchem Zustand sehen die Kandidaten das Schwimmbad in vier Jahren?“, lautete die Frage von SÜDKURIER-Redaktionsleiter Torsten Lucht. Miklo, Kissmehl, Schaible und Chluba sehen wenig Spielraum für eine rasche Sanierung, weil noch so viele andere Projekte anstehen. Und die Dorfmitte lasse wenig Spielraum. Marx machte dagegen einen unkonventionellen Vorschlag: Wenn man jedem Hilzinger eine Fliese verkaufe, wie eine Art Patenschaft, sei das eine gute schnelle Anschubfinanzierung. Holger Mayer würde zeitnah einen Förderantrag stellen: Weil der Landkreis Konstanz bislang bei Schwimmbadsanierungen kaum berücksichtigt worden sei, stünden die Chancen nun nicht schlecht.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Jugend und die Senioren

„Die Jugend ist so unterschiedlich wie die Senioren“, verwahrte sich Barbara Kissmehl vor Verallgemeinerungen. Dennoch waren sich alle einig, dass Jugendliche gehört werden sollen – nur wie? Kissmehl schlug ein Jugendforum vor. Chluba würde Jugendliche selbst fragen, ihre jugendliche Tochter sieht sie dabei als Joker. Schaible setzte eher auf eine professionelle Begleitung, damit Jugendliche nicht ausbrennen und weder Mut noch Engagement verlieren. Und der jüngste Kandidat? Holger Mayer will, wie Kissmehl auch, Vereine und deren Jugendarbeit unterstützen. Ein Pflegeheim für lebenslanges Wohnen in der Gemeinde sei hingegen schon angestoßen, betonten alle Kandidaten.

Hier finden Sie alle Artikel zur Bürgermeisterwahl.

Die Wahl und das Podium

  • Gewählt wird Hilzingens nächster Bürgermeister am Sonntag, 2. Februar, von 8 bis 18 Uhr in den Wahllokalen. Wahlberechtigt sind rund 7100 der 8800 Einwohner der Gemeinde. Voraussetzung ist, dass ein Wähler am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind, seit mindestens drei Monaten Ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde haben und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.Der amtierende Bürgermeister Rupert Metzler tritt nach einer Amtszeit nicht erneut an.
  • Wie wir berichten werden: Schon am Wahlabend berichten wir online über das Wahlergebnis und geben Ihnen Einschätzungen dazu. Die aktuelle Berichterstattung zur Wahl finden Sie dann an dieser Stelle oder in der SÜDKURIER Online App. Laden Sie unsere App herunter, wählen Sie in der App Hilzingen als Ihren Heimatort aus und erhalten Sie am Sonntagabend eine Pushmeldung, sobald das Wahlergebnis feststeht. Ab 20 Uhr soll es auch eine offizielle Bekanntgabe in den Hegauhallen geben.
  • Warum solche Veranstaltungen wichtig sind: Jörg-Peter Rau bezeichnete die Hilzinger Bürgermeisterwahl als ein Beispiel für Pressefreiheit, wie sie der SÜDKURIER aktuell in einer Serie aufgreift: „Wer auch immer von diesem Podium Ihr neuer Bürgermeister oder Ihre neue Bürgermeisterin wird – es ist wichtig für Sie und Ihr Gemeinwesen, dass eine neutrale Instanz hinschaut und das Handeln im Rathaus für Sie einordnet. Damit das möglich ist, braucht es eine wirtschaftliche Grundlage und gesellschaftlichen Rückhalt. Um beides bitte ich Sie heute Abend.“

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.