Gerade in der zu Ende gegangenen Fastenzeit wurden nur wenige Themen so intensiv diskutiert wie gesunde Ernährung. Zurzeit beschäftigen sich gleich drei Titel auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste damit und im Fernsehen präsentieren die Ernährungs-Docs allwöchentlich, wie eine Ernährungsumstellung Krankheiten nicht nur lindern, sondern sogar heilen kann. Immer mehr wissenschaftliche Studien weisen nach, welch enormem Einfluss die Ernährung auf unsere Gesundheit hat. Dabei wird dem Fasten, und insbesondere dem Heilfasten, eine immer größere Bedeutung beigemessen. Die damit verbundenen, inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteile sind zahlreich: Darmsanierung, Selbstreinigung der Zellen, Neuregulierung des Stoffwechsels, Stärkung des Immunsystems, Verzögerung der Alterungsprozesse, Gewichtsreduktion und schließlich der Impuls zur Ernährungsumstellung, um nur die wichtigsten zu nennen.

Der berühmte Apfel zum Fastenbrechen – die erste Mahlzeit nach einer Woche ohne Essen.
Der berühmte Apfel zum Fastenbrechen – die erste Mahlzeit nach einer Woche ohne Essen. | Bild: Sandra Baindl

Angesichts dieser Erkenntnisse lag ein Selbstversuch nahe. Während sich viele einer Fastengruppe anschließen oder das Thema sogar im Alleingang angehen, war mir von Anfang klar, dass ein Fastenversuch zu Hause zum Scheitern verurteilt sein würde. Denn hier nimmt die Frage meines Umfeldes, was es wann als Nächstes zu essen gibt, ganz besondere Bedeutung ein. Als ich darüber informierte, dass ich zum Fasten eine Woche in ein Hotel gehen würde, erntete ich mehrfach verwunderte Kommentare, warum ich denn fürs Nichtessen auch noch bezahlen wolle. Gleichzeitig berichtete mir eine erstaunlich große Anzahl an Personen von ihren mal mehr und mal mehr weniger erfolgreichen Fastenunternehmungen.

Meine Wahl fiel auf ein kleines Hotel in den Bergen, wo unter Anleitung einer ausgebildeten Fastenleiterin nach Buchinger gefastet wird. Den Fastenden wird dort gleich zu Beginn neben der Essensreduktion auch Fernseh- und Handyfasten nahegelegt. Um es kurz zu machen: Die Woche war im wahrsten Sinne des Wortes kein Zuckerschlecken. So wollte sich das berühmte Fastenhoch bei mir partout nicht einstellen. Und ohne fachkundige Unterstützung hätte ich meine Fastenkrise womöglich nicht überwunden. Ein Grund mehr, es als Fastenneuling erst einmal unter Anleitung zu versuchen! Nichtsdestotrotz möchte ich die Erfahrung keinesfalls missen. Neben ein paar Pfunden weniger war es für mich zum einen die Bestätigung, diese Herausforderung geschafft zu haben, und zum anderen der Einstieg in eine neue Form der Ernährung. Was gar nicht schwer war, denn wie viele andere hatte auch ich nach dem Fasten keinen Appetit mehr auf Süßes und Fettiges.

Conni Boosz aus Gottmadingen hat dank des Heilfastens ihre Migräne in den Griff bekommen. Seit sechs Jahren fastet sie in einer Gruppe.
Conni Boosz aus Gottmadingen hat dank des Heilfastens ihre Migräne in den Griff bekommen. Seit sechs Jahren fastet sie in einer Gruppe. | Bild: Sandra Baindl

So zahlreich wie die Fastenangebote im Hegau sind auch die Erfahrungen der Menschen im Hegau damit. So befolgte Conni Boosz aus Gottmadingen den Ratschlag einer Freundin, es zur Besserung ihrer Migräne doch mal mit Heilfasten zu probieren. Das Ergebnis: Nicht nur die Migräne hat sich gebessert, sondern auch ihren Heuschnupfen hatte sie fortan besser im Griff. Durch das Fasten fiel ihr auch auf, wie wenig sie zuvor getrunken hatte. Kaffee ist für sie inzwischen wirklich nur noch ein seltenes Genussmittel. Seit sechs Jahren fastet sie nun einmal im Jahr mit einer Gruppe. "Wenn ich gewusst hätte, wie gut mir das Fasten tut, hätte ich bestimmt schon viel früher damit angefangen", ist sie sich sicher.

Jana Rüb aus Stockach fastet seit drei zusammen mit ihrem Mann. Dabei orientiert sie sich an den orthodoxen Fastenregeln.
Jana Rüb aus Stockach fastet seit drei zusammen mit ihrem Mann. Dabei orientiert sie sich an den orthodoxen Fastenregeln. | Bild: Sandra Baindl

Für ein besonderes Fastenmodell hat sich Jana Rüb aus Stockach entschieden. Sie fastet seit drei Jahren zusammen mit ihrem Mann jeweils sechs Wochen lang zwischen Fasnacht und Ostern. Dabei orientiert sie sich an den orthodoxen Fastenregeln. Diese erlauben nur vegane Produkte. An manchen Tagen darf es nur Rohkost sein, pflanzliche Öle sind nur an zwei Tagen pro Woche gestattet. Rüb fühlt sich in dieser Zeit deutlich fitter und aktiver. Und auch danach achtet sie verstärkt auf ihre Ernährung. Erst gegen Weihnachten hin setzt der alte Schlendrian langsam wieder ein. Aber dann ist es bis zum nächsten Aschermittwoch nicht mehr weit.

Zwei wahre Fastenprofis sind Karl-Heinz Geigges (links) und Karl-Heinz Moser aus Hilzingen. Sie sind seit Jahrzehnten Verfechter des Heilfastens nach Buchinger.
Zwei wahre Fastenprofis sind Karl-Heinz Geigges (links) und Karl-Heinz Moser aus Hilzingen. Sie sind seit Jahrzehnten Verfechter des Heilfastens nach Buchinger. | Bild: Sandra Baindl

Wahre Fasten-Veteranen sind Karl-Heinz Geigges und Karl-Heinz Moser aus Hilzingen. Geigges unternahm seine ersten Fastenversuche bereits in den 1970er Jahren. Karl-Heinz Moser startete vor 30 Jahren. Und sie sind dabei geblieben. Auch sie sind Verfechter des Heilfastens nach Buchinger. In jungen Jahren stand bei beiden das Abnehmen im Vordergrund. Im Laufe der Jahre wurde der Gesundheitsaspekt jedoch immer bedeutsamer. So ist Geigges davon überzeugt, dass er seine Gelenkschmerzen unter anderem durchs Fasten losgeworden ist. Für Moser steht der Reinigungs- und Entgiftungseffekt des Körpers an erster Stelle.

Fasten in der Gruppe oder im Alleingang

Geigges entschied sich für das Fasten in der Gruppe, Moser wählte den Alleingang. Während des Fastens auch noch für seine Frau zu kochen, scheint für den 65-Jährigen kein Problem zu sein: "Am Fasten kitzelt mich auch die Herausforderung, die notwendige Disziplin für den Verzicht aufzubringen." Und seine Frau freut sich über das leckere Gemüse, das als "Abfall" seiner Fastenbrühe anfällt.

Geigges bedauert es sehr, dass sein Kardiologe ihm seit seinem zweiten Herzinfarkt kein grünes Licht mehr fürs Heilfasten erteilt. Vielleicht wäre Basenfasten eine Möglichkeit, mit der auch der Mediziner auch einverstanden wäre, überlegt er.

Alle erfolgreich Fastenden, mit denen ich gesprochen habe, sind Wiederholungstäter. Wen das Fasten erst einmal gepackt hat, den scheint es nicht mehr loszulassen.