Mehrere Polizeiautos jagen mit Blaulicht und Signalton heran, Beamte springen aus den Fahrzeugen und schnappen sich einen Mann. Ein Großeinsatz der Polizei sorgte am Freitagmittag für Aufsehen bei Kunden und Nachbarn eines Supermarkts im beschaulichen Hilzinger Ortsteil Twielfeld am Fuße des Hohentwiels. "Gerade noch rechtzeitig konnte die Übergabe eines größeren Geldbetrags an einen 38-jährigen, aus Litauen stammenden Mann verhindert werden", erklärt Polizeisprecher Bernd Schmidt.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat gegen den Mann Haftbefehl beantragt. Entscheidend für den Fahndungserfolg sei gewesen, so Polizeisprecher Schmidt, dass die Betrugsopfer misstrauisch wurden und rechtzeitig die Polizei alarmierten. Der inzwischen Inhaftierte steht unter dem dringenden Verdacht, Mitglied einer Erpresserbande zu sein. Ein Komplize soll mit verzerrter Stimme bei einer Hilzinger Familie angerufen und sich als deren Sohn ausgegeben haben, um Geld zu erpressen.

Von wegen heile Welt im Hegau, lautet die Erkenntnis der Betroffenen nach der Tat: "Wir haben heute erleben müssen, wie schnell man zum Opfer von Kriminellen werden kann", berichtet Ernst Dreher. Für den 70-jährigen Rentner begann der Tag mit dem ungewöhnlichen Anruf aus Litauen, der ursprünglichen Heimat seiner Frau. Auf russisch sei ihr mitgeteilt, worden, dass ihrem Sohn aus erster Ehe bei einem schuldhaft verursachten Unfall Schlimmes passiert wäre.

"Dass das alles gelogen war, wussten wir zu Beginn nicht", so Dreher. Wie seine Frau erläuterte, könne nur die schnelle Übergabe von 10 000 Euro an einen Boten die polizeilichen Ermittlungen zu seinen Gunsten wenden. In Sorge um den Sohn eilte sie zur Bank, besorgte das Geld und nahm wieder Kontakt mit den Erpressern auf. Geduldig hätten sich die Betrüger die Nummern der Geldscheine vorlesen lassen, um auch sicher zu gehen, dass das Geld da ist. Dann sei ein Ort zur Geldübergabe unweit des Wohnhauses vereinbart worden.

Ernst Dreher ahnte da bereits, dass es sich um einen Trickbetrug handeln könnte. Als seine Frau zur Geldübergabe das Haus verlässt, schnappt er sich sein Handy, alarmiert die Polizei und nimmt die Verfolgung auf. Vor Ort ging er auf den Tatverdächtigen zu. "Ich beschuldigte ihn als Gauner und dann ist er davongerannt, während ich mit der Polizei verbunden war. Diese schickte sofort per Blaulicht mehrere Einsatzfahrzeuge und aufgrund meiner Beschreibung haben sie ihn noch in Twielfeld schnappen können", erzählt der 70-Jährige. Der Vormittag hat ihn geschockt: "Was hier abgelaufen ist, war hochkriminell, dabei ging ich die Gefahr ein, körperlich angegriffen zu werden."

Derzeit laufen die Ermittlungen der Polizei und die Suche nach den Hintermännern. Betrugsversuch lautet der Vorwurf. Offen ist derzeit noch, wie die Bande ihre Opfer auswählte. Aber die ermittelnde Kriminalpolizei muss noch weitere Fragen klären und hofft auf die Hilfe von Zeugen. Gesucht werden Personen, die am Freitagmorgen im Bereich Hilzingen-Twielfeld Verdächtiges beobachtet haben – zum Beispiel Fahrzeuge, möglicherweise mit litauischem Kennzeichen. Hinweise an die Polizei Singen, Tel. (07731)888-0.