Christine Greuter hat das Handy drei Mal klingeln lassen, dann entschließt sie sich, dranzugehen. Kurz darauf ist das Gespräch beendet und sie erklärt: “Das war eine Anfrage, da braucht jemand Hilfe bei der Antragstellung zur Pflegeversicherung.“ Christine Greuter aus Hilzingen koordiniert die Einsätze der ehrenamtlichen Pflegelotsen im Landkreis Konstanz. Diese besuchen in verschiedenen Wohnorten Pflegebedürftige und deren Angehörige und unterstützen mit Auskünften rund um die Pflege.

„Wir zeigen Wege auf, wo man Hilfe bekommen kann“, sagt Pflegelotsin Christa Aubele aus Tengen. Pflegelotsen können Fragen wie: „Wo finde ich praktische Unterstützung im Haushalt?“, „Wie komme ich an Dienste?“ oder „Welche Leistungen stehen mir zu?“ beantworten. „Und wir schenken Zeit“, betont Aubele. Sei es für Gespräche, einen Spaziergang oder kleine Hilfen beim Einkaufen. Für Pflegebedürftige, die allein leben, seien die Besuche besonders wichtig. Sie erzählt von einer 100-jährigen Dame, die allein lebte, von Angehörigen und Pflegedienst versorgt wurde und in ihr einen Partner gefunden hat, um zu spielen.

Viele Pflegebedürftige sind einsam

Ulrika Hirt aus Engen kam ein Jahr nach Eintritt in den Ruhestand zu den Pflegelotsen. Für sie war es keine Frage, sich ehrenamtlich einzubringen. Als frühere Leiterin der Sozialstation Engen kennt Hirt die Situation. Sie sagt: „Ich habe gesehen, wie einsam die Menschen zu Hause sind. Ihnen fehlen soziale Kontakte und sie haben Gesprächsbedarf.“ Die Mitarbeiter hätten gar keine Zeit, sich länger einzubringen. Sie weiß auch, dass Pflegebedürftige sich wünschen, durch vertraute Angehörige in gewohnter Umgebung gepflegt zu werden. Auch kann sie nachvollziehen, dass Angehörige mit der Pflege oft an ihre eigenen Grenzen stoßen und überfordert sind. Hauswirtschaftliche Aufgaben oder Fahrten zu Ärzten oder Behörden würden Pflegelotsen aber nicht übernehmen.

Ehrenamtliche Pflegelotsen sind ein kostenloser Besuchsdienst, der 2012 im Landkreis Konstanz vom Landratsamt initiiert wurde. Das Projekt ist dem Pflegestützpunkt des Amts für Gesundheit und Versorgung angegliedert und unterstellt. Hauptamtliche Mitarbeiter organisieren die Schulungen, Referate und alles Notwendige für die Pflegelotsen. Sie sind auch Ansprechpartner für Pflegebedürftige, Angehörige und alle Ratsuchenden im Umfeld der Pflege und bieten Hilfestellung.

Pflegerische Erfahrung ist nicht zwingend erforderlich

Alle Drei erfuhren über Informationsveranstaltungen von den Pflegelotsen. Christine Greuter ist seit 2013 dabei und brachte wie Ulrika Hirt pflegerische Erfahrungen mit. Christa Aubele als ehemalige Finanz- und Lohnbuchhalterin schreckte vor der Aufgabe als Pflegelotsin auch nicht zurück: „Mir haben schon so viele Leute geholfen. Ich habe auch gesehen, wie die Pflege die Angehörigen fordert.“ Sie habe keine Ahnung in diesem Bereich gehabt, aber schon die erste Schulung sei sehr gut gewesen. Zurzeit besucht Aubele eine alte Dame, die sich mit ihr bei Kaffee und Kuchen unterhalten möchte.

Die Anlaufstelle für Ratsuchende ist der Pflegestützpunkt, die Hauptamtlichen dieser Stelle kommen auf Anfrage zur Beratung auch nach Hause. „Wir Pflegelotsen sind das Zückerchen noch obendrauf“, sagt Christine Greuter, nach fünf Jahren Einsatz weiß sie, wie wertvoll der Dienst der Ehrenamtlichen ist. Das bestätigt auch Ulrika Hirt: „Mir wurde bei meinen Besuchen schon gesagt, dass die Stunden mit mir die schönsten in der Woche seien.“ Bis zu 25 Pflegelotsen waren zeitweise schon im Einsatz. Christine Greuter freut sich, dass auch Männer darunter sind und zurzeit auch zwei junge Mütter.

Jeder Pflegelotse hat einen individuellen Schwerpunkt

„Die Chemie muss stimmen“, betont Christine Greuter. Sie nehme bei der Einteilung Rücksicht auf die Vorlieben und Interessen der Pflegelotsen. So gingen einige lieber spazieren, anderen liege Ordnung in den Unterlagen oder das Ausfüllen und Anleiten von Anträgen besser. „Alle Pflegelotsen sind aber darauf geschult, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben“, erklärt Greuter. Das Betätigungsfeld sei breit gefächert, über Schulungen und Austauschtreffen mit Schwerpunktthemen seien die Pflegelotsen immer auf dem aktuellen Stand. Für die drei Pflegelotsinnen ist es eine erfüllende Aufgabe, es komme sehr viel zurück. „Wenn ich höre: 'Aber gell, Sie kommen doch wieder', dann reicht mir das“, sagt Christa Aubele, die seit Start des Projektes 2012 Pflegelotsin ist.

Infos zu Pflegelotsen: Telefon (0 75 31) 800 1783. E-Mail: annette.breitsameter-groessl@lrakn.de Telefon Christine Greuter: (0151) 22 22 48 01