Im Hegau entstehen und wachsen an vielen Orten junge Unternehmen. Dass Existenzgründer dabei eine Vielzahl von Hürden überspringen müssen, erkannte auch Hilzingens Bürgermeister Rupert Metzler. Zusammen mit dem Unternehmensberater Winfried Küppers hat er deshalb in Hilzingen eine kostenlose Sprechstunde für Bürger ins Leben gerufen, die über eine Unternehmensgründung oder eine selbständige Tätigkeit nachdenken. „Viele Interessierte haben eine Idee, können aber nicht überblicken, was es tatsächlich bedeutet, ein eigenes Unternehmen zu gründen“, so Berater Küppers, der die Sprechstunde ehrenamtlich durchführt. Neben der kostenlosen und unverbindlichen Sprechstunde bietet Küppers darüber hinaus in Kooperation mit dem Steinbeis-Beratungszentrum Existenzgründung eine Kompaktberatung für Existenzgründer in Hilzingen an, die acht Stunden dauert und komplett vom Land Baden-Württemberg finanziert wird.

„Bei der Beratung erstellen wir eine 360 Grad-Analyse, in der wir alle notwendigen Bereiche der Existenzgründung besprechen. Dazu gehören neben anderen Themen auch die Gründerpersönlichkeit, das Marketing und natürlich der Vertrieb der Produkte“, sagt Küppers. Auch die Vernetzung des Gründers mit anderen Unternehmen, mit Behörden und der Wissenschaft werden in der Beratung thematisiert.

Ebenso zeigt Küppers Gründern die verschiedenen Fördermöglichkeiten auf. Das Thema Finanzierung werde allerdings zu oft in Medien als Problem thematisiert, meint Küppers. Denn Geld gebe es durchaus für Gründer. Unter anderem bei der L-Bank oder der KfW-Bank. Wichtiger sei laut Küppers die Frage, wie Gründer Umsatz erzielen können, dass sie die Kredite gut zurückzahlen können. „Grundsätzlich lässt sich sagen, wenn das Vertriebskonzept und die Einnahmenseite stimmen, bekommt man als Gründer zinsgünstige Kredite und Fördergelder.“

Ein Leitgedanke bei der Gründer-Beratung sei es unter anderem, mit einem Spezialisten-Netzwerk zu arbeiten, sagt Küppers: “Für jede Branche kann eine fundierte Beratung durchgeführt werden. Wenn ein Gastronom eine Biergarten-Idee hat, mit der er seinen eigenen Betrieb gründen will, so haben wir im Steinbeis-Netzwerk einen Experten vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, der sich auf Biergärten spezialisiert hat.“ Darüber hinaus arbeite das Beratungszentrum in Hilzingen in Abstimmung mit der Arbeitsagentur, der Handwerkskammer, der IHK und den Kommunen.

Angesprochen auf die Gründerkultur im Landkreis Konstanz, sieht Küppers die Situation differenziert. „Durch die Grenznähe zur Schweiz wandern viele Fachkräfte ab, sodass es im Landkreis nur eine niedrige Arbeitslosigkeit gibt“, so Küppers. „Die positive Folge ist, dass es nur wenige Gründungen aus der Not der Arbeitslosigkeit gibt. Die Gründer im Landkreis sind deshalb meistens Gründer mit Ideen und von hoher Qualität.“ Zudem könnten Handwerksbetriebe laut Küppers von der Grenznähe profitieren und in der Schweiz gutes Geld verdienen.

Je mehr die Gründungsidee im akademischen Bereich angesiedelt sei, desto mehr würden Gründer allerdings in die Metropolen abwandern. Mit den hippen Gründerzentren in Berlin oder Köln lasse sich die Situation im bodenständigen Baden-Württemberg aber ohnehin nicht vergleichen. „Dafür werden hier die Gründer vom Land extrem gefördert“, so Küppers. Baden-Württemberg und Bayern seien in ihrer Art der Gründerförderung nach seiner Beobachtung wahre Leuchttürme im deutschlandweiten Vergleich.

Praktische Tipps für neue Unternehmer

  • Die nächste Sprechstunde für Gründer- und Jungunternehmer im Rathaus Hilzingen ist am Mittwoch, 11. Januar 2017, 18 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
  • Gründertag: Informationen zum Steinbeis-Existenzgründungszentrum Hilzingen gibt es im Internet unter: www.steinbeis-exi.de. Am 21. Mai findet in Hilzingen ein großer Gründertag inklusive Workshops und Vorträgen für Gründer und Jungunternehmer statt.
  • Angebote für Gründer auch in Singen: Im Rahmen des Netzwerkes Existenzgründung von Singen aktiv finden in Singen die Impulsnachmittage statt, die es bereits seit elf Jahren gibt. Ab Februar 2017 werden wieder jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr Gründerthemen besprochen. Die Impulsnachmittage von Singen aktiv werden gemeinsam mit der IHK, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter sowie der Gründerschmiede GmbH angeboten.
  • Gründerförderung vom Land: Beim Exi-Gutschein Kompakt des Landes Baden-Württemberg gibt es bis zu acht Stunden Beratung, die zu 100 Prozent gefördert werden. Beim Exi-Gutschein-Intensiv des Landes gehören bis zu zehn Tage Beratung im Anschluss an den Gutschein Kompakt zum Programm. Das Intensiv-Coaching wird zu 80 Prozent gefördert. Teilnehmer zahlen maximal 20 Euro pro Stunde.
  • Was Gründer beachten sollten: Laut Küppers gibt es vier typische Gründe, warum Gründungen immer wieder scheitern. Punkt eins: Isolation vermeiden. Viele Gründer haben laut Küppers gute Ideen, behalten diese jedoch für sich und versuchen im stillen Kämmerlein ihr Glück. Küppers empfiehlt, sich Geschäftspartner zu suchen und Kooperationen zu schmieden. Punkt 2: Den Vertrieb nicht unterschätzen. „Viele Gründer denken, mein Produkt braucht jeder. Die Kunden werden schon kommen“, so Küppers. Doch ohne Vertrieb gehe nichts. Man müsse zum Beispiel folgende Fragen beantworten können: „Welches Problem löse ich mit meinem Produkt oder Dienstleistung beim Kunden?“ oder „Welche Kunden haben das Geld, die Dienstleistung oder das Produkt zu kaufen?“ Punkt drei: Zeit einplanen. Je früher man mit der Planung für eine Gründung beginnt, umso besser“, so Küppers. Zwölf Monate Vorlauf könnten nicht schaden. Punkt vier: Fleiß und Disziplin. Gründer müssten bereit sein, mit Fleiß, Ausdauer und Disziplin konsequent am Unternehmenserfolg zu arbeiten. Hier müsse sich jeder ehrlich selbst fragen, ob er diese Voraussetzung mitbringe. Punkt fünf: familiäres Umfeld und Privatleben. Mit einem familiären Netz, das teilweise Tätigkeiten übernehmen kann, falle das Gründen leichter. Wer dies nicht hat, müsse entsprechend klarer kalkulieren und planen.