Gut gelaunt, interessiert an den aktuellen Entwicklungen beim SÜDKURIER, die ihnen Redakteur Matthias Biehler erläuterte, und sehr gesprächsbereit fanden sich über 20 Hilzinger im Café am Schlosspark ein. Es war eine durchwegs muntere Runde, die sich da zusammenfand. Es wurde viel gewitzelt, aber auch viel ernsthafte Kritik an dem angebracht, was derzeit in Hilzingen geschieht oder auch nicht geschieht. Am neu gestalteten Dorfplatz zum Beispiel. Über Geschmack lässt sich eigentlich ja trefflich streiten. In diesem Fall fiel das Urteil aber einstimmig aus. "Nein", lautete die Antwort der durchwegs älteren Gesprächsteilnehmer auf Biehlers Frage, ob das neugestaltete Herz der Gemeinde ihren Bürgern gefalle.

"Schön ist es bisher nicht."Robert Helfrich, zur Ortskerngestaltung
"Schön ist es bisher nicht."Robert Helfrich, zur Ortskerngestaltung | Bild: Tesche, Sabine

Robert Helfrich ist der Dorfplatz zu betonlastig, zu wenig grün, zu leer und ungenutzt. Es fänden dort bisher keine Veranstaltungen statt. Die ganze bisherige Planung nimmt er als bruchstück- und schleierhaft wahr. Wo stünden darin zum Beispiel die Radfahrer? "Schön ist es bisher nicht", beendete der ehemalige Gemeinderat unter viel Zustimmung aus der Runde seine Ausführungen. Die schicken Bänke? Die seien so unbequem, die müssten aus einer Justizvollzugsanstalt stammen, frotzelte Klaus Rieger.

Die schicken Bänke? Die sehen so unbequem aus, als kämen sie aus <br />einer Justizvollzugsanstalt.“Klaus Rieger, zur Gestaltung der neuen Hilzinger Ortsmitte
Die schicken Bänke? Die sehen so unbequem aus, als kämen sie aus
einer Justizvollzugsanstalt.“Klaus Rieger, zur Gestaltung der neuen Hilzinger Ortsmitte | Bild: Tesche, Sabine

Für Menschen in ländlichen Flächengemeinden wie Hilzingen mit jeweils mehrere Kilometer auseinanderliegenden Teilorten sowie Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten nur im Kernort, spielt das Auto eine wichtige Rolle. So ist es auch vor allem die Parkplatzfrage, die die Hilzinger bei der Ortskernsanierung beschäftigt. Laut bisheriger Planung sollen Parkmöglichkeiten abgebaut, neue anderswo angelegt werden – die Bevölkerung befürchtet, dass es insgesamt weniger geben wird.

„Was hab’ ich von so einem Dorfplatz, wenn ich ihn mangels nahegelegener Parkplätze nicht aufsuchen kann?“Kurt Homburger, zur Erreichbarkeit von Einrichtungen im Ort
„Was hab’ ich von so einem Dorfplatz, wenn ich ihn mangels nahegelegener Parkplätze nicht aufsuchen kann?“Kurt Homburger, zur Erreichbarkeit von Einrichtungen im Ort | Bild: Tesche, Sabine

"Was hab' ich von so einem Dorfplatz, wenn ich ihn mangels nahe gelegener Parkplätze nicht aufsuchen kann? Was mach' ich, wenn ich ins Ärztehaus muss oder in die Kirche will", fragte Kurt Homburger, einst stellvertretender Bürgermeister in der Gemeinde, und kritisierte zu wenig Rücksichtnahme auf Senioren. Andrea Baumann, SPD-Gemeinderätin, griff beschwichtigend ein: Die Parkplatz-Problematik sei beim Gemeinderat angekommen. Das Gremium bemühe sich, so viele Parkplätze wie möglich zu schaffen.

„Die Parkplatz-Problematik ist beim Gemeinderat angekommen.“Andrea Baumann, antwortet Kurt Homburgers als Rätin
„Die Parkplatz-Problematik ist beim Gemeinderat angekommen.“Andrea Baumann, antwortet Kurt Homburgers als Rätin | Bild: Tesche, Sabine

Baumann bekam als rührige Vertreterin der örtlichen SPD beim Thema geplanter Kiesabbau im Dellenhau dickes Lob ab. Die Hilzinger SPD war lange Zeit die einzige Partei in der Gemeinde, die sich gegen das Vorhaben engagiert hat. "Wir bleiben weiter dran, gell, Frau Baumann?", lautete denn auch das Versprechen des Initiators der Abbau-Gegner- Bürgerinitiative Peter Waldschütz.

Auch eines der zukünftigen Themen des SÜDKURIER kristallisierte sich an dieser Veranstaltung heraus. Evelyn Schweizer schilderte die ungenügende Kanalisation in großen Teilen der östlichen Wohngebiete in Hilzingen als großes Problem für die Anwohner. Bei jedem Starkregen sei hier "Land unter".

"Bei jedem Starkregen heißt es bei uns 'Land unter'."Evelyn Schweizer, zur ungenügend dimensionierten Kanalisation
"Bei jedem Starkregen heißt es bei uns 'Land unter'."Evelyn Schweizer, zur ungenügend dimensionierten Kanalisation | Bild: Tesche, Sabine

Von der Gemeinde seien die Schweizers und die anderen betroffenen Anwohner seit zehn Jahren mit ihren überschwemmten Kellern im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen worden. Der SÜDKURIER hat darüber bereits 2009 berichtet und wird dies sicher weiterhin tun: "Dieses Thema nehm' ich mit", versicherte Redakteur Matthias Biehler.