Der Hilzinger Neujahrsempfang 2019 in der vollbesetzten Hegauhalle war der dreißigste seiner Art – und was die Musik und die Emotionen betrifft, einer der denkürdigsten. Und: Bürgermeister Rupert Metzler erklärte am Schluss seiner Ansprache, erneut als Bürgermeister kandidieren zu wollen. Er habe noch viel mit Hilzingen und dessen Ortsteilen vor und wolle entsprechende Ideen umsetzen. Auch in Sachen Kreistag hat Metzler Ambitionen: "Da Frau Birgit Homburger öffentlich gemacht hat, dass sie nicht mehr für den Kreistag antritt, wird es sie nicht verwundern, dass ich selbstverständlich im Mai für die FDP antreten werde."

Bürgerpreise für zwei junge Talente

Zwei junge Damen, die eine sportlich und die andere musikalisch hoch begabt, erhielten den Bürgerpreis der Gemeinde Hilzingen. Nach der launigen Laudatio von Fabian Jutt nahm Profifußballerin Meike Meßmer, die heute in der 1. Mannschaft des 1.FC Köln spielt, sichtlich gerührt ihren Preis entgegen und bedankte sich bei ihren Wegbegleitern vom FC Hilzingen, wo ihre sportliche Karriere begann, sowie bei Familie, Freunden und Förderern für die Unterstützung.

Die andere Preisträgerin heißt Sophia Freudenthaler und ist eine begnadete Querflötistin, die schon als Jugendliche beim Bundeswettbewerb "Jugend Musiziert" den ersten Preis gewann, wie von Laudator Holger Graf zu erfahren war. Derzeit studiert sie an der Hochschule für Musik in Saarbrücken und spielt als Erste Flötistin beim Sinfonischen Jugendblasorchester Baden-Württemberg.

Die Flötistin sagt's mit Musik

Statt mit Worten bedankte sie sich mit einem Querflötensolo, der Grande Polonaise, Opus 16, von Theobald Böhm, einem unglaublichen musikalischen Parforceritt, der alle spieltechnischen Schwierigkeiten enthält, die man sich vorstellen kann. Die Besucher bedachten die grandiose Leistung dann auch mit stürmischem Applaus.

Beim Neujahrsempfang wurden auch Ehrenmedaillen verliehen, die in diesem Jahr an Bernd Nägele aus Binningen und Manfred Graf aus Duchtlingen gingen (siehe Infotext). Ein weiterer Höhepunkt des Empfangs war die Neujahrsansprache von Bürgermeister Rupert Metzler, der erst einmal grundsätzlich konstatierte, dass Hilzingen optimistisch ins neue Jahr blicke, weil es der Gemeinde gut gehe und die Weichen für die Zukunft richtig gestellt seien.

Zahl der Geburten steigt an

Metzler nannte eine erfreuliche Zahl, nämlich dass 2018 in Hilzingen erstmals mehr als 100 Kinder zur Welt gekommen seien. Deshalb sei die Erhöhung der Kita-Plätze von essentieller Bedeutung. Das Bürgerhaus in Schlatt am Randen eigne sich dafür, dort einen neuen Kindergarten einzurichten. Metzler beleuchtete in seiner Rede auch die Entwicklung in Weiterdingen, wo ein neuer Kindergarten entstehen werde. Auch in Hilzingen bestehe dringendster Bedarf.

Wie hochattraktiv Hilzingen sei, zeige sich auch am immensen Zuzugsdruck, wie Metzler erklärte, denn es gebe allein für die Baugrundstücke am Steppachwiesle mehr als 200 Bewerber. Wichtig sei auch das neue, große Baugebiet in Riedheim, das langfristig, also in mehreren Abschnitten, zur Bebauung freigegeben werden soll. Themen waren auch das neue Feuerwehrhaus, das die Zukunft der Gemeinde symbolisiere und ab Mitte März in Betrieb gehen soll.

Für den Ortskern sollen Parkplätze her

In der Peter-Thumb-Schule könnten an Fasnacht vier Räume bezogen werden, sodass endlich die Container im Schulhof abgebaut werden könnten. Thema war auch die Ortskernsanierung, bei der es das Problem fehlender Parkplätze gebe, meinte Metzler. Doch leider könne man nicht wie die Singener an der Herz-Jesu-Kirche einfach eine Tiefgarage bauen.

Schüler und Dozenten der Jugendmusikschule Westlicher Hegau umrahmten den Neujahrsempfang mit sehr schönen Auftritten. Dozent Christian Gommel an der Zugposaune und der sechzehnjährige Maximilian Seeger auf der Trompete spielten eine schöne, getragene Ballade.

Bewegende Worte von der Musikschulleiterin

Ulrike Brachat, die nach 38 Jahren als Schulleiterin der Jugendmusikschule in den verdienten Ruhestand gehen wird, verabschiedete sich mit bewegenden Worten und schloss mit dem Satz: "Es war mir eine Ehre, der Gemeinde zu dienen."

Ihr war stets auch die Integration von Menschen aus anderen Nationen ein großes Anliegen. Stellvertretend für diese stellte sie die Familie Masurica aus dem Kosovo vor, deren drei Kinder alle musizieren und in der Jugendmusikschule ausgebildet werden. Die dreizehnjährige Ardonisa spielte am Klavier die "Petersburger Schlittenfahrt", begleitet von ihren jüngeren Schwestern an Tambourin und Triangel. Ein schönes Duett spielten die zehnjährige Querflötistin Katharina Baba und der zwölfjährige Pianist Philipp Schloßmann.

Engagierte Talente: Hilzingen zeichnet vier Persönlichkeiten aus

  • Bernd Nägele: Der Binninger bekam beim Neujahrsempfang die Ehrenmedaille der Gemeinde verliehen. Ulrike Maus, die ebenfalls aus Binningen stammt, beschrieb die zahlreichen Aktivitäten des Geehrten in ihrer Laudatio: Seit 1976 ist Bernd Nägele im Sportverein Binningen aktiv, übernahm dann im Jahr 1990 den Posten des Kassierers, den er heute noch innehat. In der Hudupfenbänd, die auch zum Sportverein gehört, war er drei Jahre lang als Tambour aktiv und spielt bis heute die Trompete. Im ortsansässigen Musikverein bläst Bernd Nägele das S-Horn und gehört seit vielen Jahrzehnten zum Ensemble. Über diese zahlreichen Aktivitäten hinaus arbeitet er seit 15 Jahren im Clubheim des Sportvereins als ehrenamtlicher Hausmeister und nebenberuflich als Verwalter des Clubheims.
  • Manfred Graf: Eine weitere Ehrenmedaille wurde Manfred "Manni" Graf aus Duchtlingen verliehen. In seiner Laudatio beschrieb Martin Schneble den Geehrten als Fußballer aus Leidenschaft, der sich seit vierzig Jahren beim FC Hilzingen engagiert. Bis zum zweiunddreißigsten Lebensjahr spielte in der ersten Mannschaft. 1989 machte er eine Aus- und Weiterbildung zum Schiedsrichter und pfiff dann 25 Jahre lang in der Bezirksliga. Im Jahr 2003 folgte die Ausbildung zum Jugentrainer und als solcher ist er bis zum heutigen Tage beim FC Hilzingen tätig. Seit 2011 übernahm er den Posten des Jugendleiters und ist damit für 10 Mannschaften verantwortlich. Darüber hinaus ist Manni Graf seit 43 Jahren bei der Duchtlinger Feuerwehr und dort im Range eines Hauptfeuerwehrmanns aktiv.
  • Meike Meßmer: Die Profifußballerin bekam eine Bürgermedaille. Sie begann mit sechs Jahren beim FC Hilzingen, mit den Jungs Fußball zu spielen. Schnelligkeit und Spielwitz waren damals schon ihr Markenzeichen, bevor sie 2008 mit 13 Jahren in die Damenmannschaft des Hegauer FV wechselte. Von 2007 bis 2013 spielte sie in der Südbadischen Auswahl und wurde entsprechend gefördert. Nach dem Abitur 2015 absolvierte sie ein Probetraining beim 1.FC Köln, spielte dann in der 2. Mannschaft und erzielte 15 Tore in einer Saison. 2016 gelang der Sprung inklusive Profivertrag in die erste Mannschaft. Sie ist Stammspielerin in der 2. Bundesliga. Sie absolviert parallel dazu ihr Studium an der Sporthochschule Köln und ist zudem sozial engagiert: Sie trainiert junge Frauen in der Jugendvollzugsanstalt.
  • Sophia Freudenthaler: Auch die 20-jährige Querflötistin erhielt eine Bürgermedaille. Sie begann ihre musikalische Ausbildung mit 5 Jahren an der Musikschule Westlicher Hegau e.V., wo sie zuerst Blockflöte spielte und mit sieben Jahren zur Querflöte wechselte. Ihr Talent war unverkennbar und so folgte intensiver Unterricht und entsprechende Förderung. Im Wettbewerb "Jugend musiziert" bekam sie den 1. Preis auf Bundesebene. Seit 2014 ist sie Erste Querflötistin des Sinfonischen Jugendblasorchesters Baden-Württemberg. Sophia Freudenthaler machte im Jahr 2017 ihr Abitur, bewarb sich um einen Studienplatz im Fach Orchestermusik und ergatterte schließlich einen dieser heiß begehrten Plätze. Seither studiert sie an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. (ev)