Die Landwirte sind diejenigen, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Doch Wetterextreme haben nicht auf jeden Landwirt die gleichen Auswirkungen. Eine lang anhaltende Trockenheit im Frühjahr und im Sommer wie in diesem Jahr bedeutet nicht für alle Bauern eine schlechte Ernte. Deshalb differenziert Peter Graf, Landwirt und BLHV-Kreisvorsitzender (Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband) auch, wenn er über die Ernte 2018 spricht. „Es war sehr unterschiedlich. Die Getreideernte war insgesamt gut, auch die Obstbauern sind zufrieden“, erklärt Graf. „Am meisten gelitten haben die tierhaltenden Betriebe“, so der Landwirt, der 120 Milchkühe und 100 Stück Jungvieh im Stall stehen hat. Der Grund: Es wuchs aufgrund der Trockenheit nicht genug Heu und Gras auf den Feldern und Weiden und dadurch wird das Futter knapp. Viele Landwirte mussten ihre Futtervorräte für 2018 bereits angreifen. Wenn kein Futter mehr da ist, müssen sie zukaufen und weil wenig da ist, wird das teuer. Die Grafs haben noch Vorräte vom vergangenen Jahr und hoffen, dass sie damit über die Runden kommen.

Die Familie Graf trägt dafür Sorge, dass es ihren Tieren gut geht. 120 Milchkühe haben sie im Stall.
Die Familie Graf trägt dafür Sorge, dass es ihren Tieren gut geht. 120 Milchkühe haben sie im Stall. | Bild: Tesche, Sabine

Wetterextreme sind nicht die einzige Herausforderung, die ein viehhaltender Betrieb meistern muss. Die Platzvorgaben, die ein Landwirt im Bezug auf die Haltung der Tiere erfüllen muss, setzen meist voraus, dass er einen neuen Stall baut. Diese Vorgaben gelten aber nur in Deutschland. „Wir haben Weltmarktpreise, die Stallstandards sind aber nicht überall auf der Welt die Gleichen“, erklärt Graf. Auch sei im Ausland zum Beispiel die Hormonmast zugelassen, in Deutschland nicht. „Die Verbraucher fordern bestimmte Standards, kaufen aber an der Fleischtheke ein Steak aus Argentinien, ohne sich zu fragen, wie das Tier gehalten wird“, gibt der 62-Jährige zu Bedenken. Für den Bauer bedeutet ein neuer Stall eine Investition in Millionenhöhe. Weil ein großer Stall viel Platz braucht, muss er meist außerhalb des Dorfs gebaut werden. Das hat zur Folge, dass es kaum mehr Bauern mit Vieh in den Dörfern gibt. Auch die Familie Graf hat vor 17 Jahren einen neuen Stall gebaut, damit die Viehhaltung eine Zukunft hat. Jetzt zieht die Familie, Vater und Sohn bewirtschaften gemeinsam den Hof, zum Stall. Sie baut dort ein Wohnhaus mit zwei Ferienwohnungen. Denn die meisten Landwirte müssen sich zusätzliche Einnahmequellen, wie die Direktvermarktung erschließen, um überleben zu können.

Doch die Entwicklung geht in eine bestimmte Richtung: „Es gibt keine Tiere mehr“, so Graf. Die Mehrheit der Landwirte bewirtschaften Flächen, dort müsse nicht immer wieder investiert werden und sie könnten flexibler auf Veränderungen reagieren. Das sei früher anders gewesen, als noch 20 bis 30 Bauern in Duchtlingen Vieh gehalten hätten. Doch ein Stallneubau lohne sich für 30 oder 40 Kühe nicht. Das hat einen weiteren Trend zur Folge: Mehrere Bauern schließen sich zusammen und planen einen Megastall, wie jetzt bei Sigmaringen mit 1000 Milchkühen. „Das läuft so lange gut, wie finanziell alles stimmt, wenn es nicht gut läuft, und einer vielleicht mehr eingebracht hat als der andere, wird es schwierig“, so die Beobachtung des Landwirts.

Für Peter Graf ist sein Beruf in gewisser Weise Berufung und Bestimmung. Deshalb denkt er trotz vieler Frustrationen und ständig neuer Vorgaben nicht ans Aufgeben. „Ich bin da reingeboren worden. Ich arbeite schon von Kindesbeinen an und jetzt seit mehr als 50 Jahren in der Landwirtschaft“, sagt Graf. Der Betrieb wurde über Generationen weitergegeben. Diese Tradition will er gemeinsam mit seiner Familie fortsetzen.