Zuneigung und Wein, das geht bei Fritz Keller Hand in Hand. Wenn der Präsident des SC Freiburg ausdrücken möchte, dass er sich jemandem besonders verbunden fühlt, lässt er gerne mal einfließen, wie viel man bereits zusammen gebechert hat. „Erst gestern Abend mit dem Christian Streich waren es wieder zwei Flaschen Wein“, berichtet ein strahlender Keller zu Beginn seines Auftritts beim Hilzinger Gründertag.

Kein Wunder: Der 61-Jährige ist nicht nur Fußballfunktionär, sondern auch einer der angesehensten Winzer Deutschlands. Aus diesem Grund haben ihn die Veranstalter in den Hegau eingeladen. Im Plausch mit Sportjournalist Robin Halle soll Keller den 250 Zuschauern in den Räumlichkeiten des Netzteilherstellers Inpotron vermitteln, wie sich in Sport und Wirtschaft Erfolge erzielen lassen. Und er legt gut los. Die erste Anekdote, die der Stargast mitgebracht hat, rankt sich erneut um die Beziehung zu Christian Streich.

"Bisch du noch ganz dicht?"

Der habe anfangs gar keine Lust auf den Job als Cheftrainer gehabt. "Bisch du noch ganz dicht?", soll er auf Kellers Vorschlag geantwortet haben. Schließlich überlegte es sich der damalige Co-Trainer noch einmal anders – nur um seine Zusage am Tag der Vertragsunterschrift wieder zurückzuziehen. Wie reagierte Keller? Er habe Christian Streich zunächst erzählt, wer als Alternative für den Chefposten in Frage käme: "Lauter Trainer, von denen ich wusste, dass er sie hasst", berichtet Keller und schmunzelt.

Nicht nur der Kontakt zu diesen Übungsleitern war frei erfunden. „Dann habe ich gesagt: 'Und wenn einer dieser Leute kommt, bringt er natürlich seine eigenen Co-Trainer mit.'" Die Konsequenz: Nicht nur Streich, sondern auch die von ihm geschätzten Kollegen hätten sich eine neue Stelle suchen müssen. „Er hat nur geknurrt: 'Na gut, ich mach’s.'"

Ein pragmatischer Idealist

Schlitzohrigkeit gehört für den Wein- und Fußballkenner Keller zum Geschäft dazu. Schon als Schüler habe er die Autogrammkarten seines Taufpaten Fritz Walter – auch die Verbindung zwischen der Familie Keller und der Kaiserslauterer Fußball-Legende hat übrigens mit Wein zu tun – gegen Mathe-Hausaufgaben eingetauscht.

Und doch wird im Laufe des Gesprächs deutlich, dass es dem Präsidenten um mehr geht als das bloße Geschäft. Statt kurzfristigem Erfolg will er langfristige Beziehungen aufbauen: "Das Wichtigste, was wir haben, sind unsere Mitarbeiter", betont Keller.

Und auch, wenn der Sportclub im vergangenen Jahr die 100-Millionen-Umsatz-Grenze überschritten hat, orientiert sich sein Präsident an mittelständischen Unternehmen: "Nie mehr ausgeben als man hat und in jedem Jahr als Bundesligist etwas auf die hohe Kante legen", so die Maxime.

Knausrig ist Keller deshalb nicht. Wenn der 61-Jährige davon spricht, dass ihm Vereine als demokratische Institutionen heilig sind und der Fußball eines der letzten Themen sei, das alle Menschen vereint, hört sich das erfrischend idealistisch an. "Wir haben 18.500 Mitglieder – denen gehört der Laden", schildert er seine Sicht der Dinge. Die Fans wird es freuen.

Genau wie das Versprechen, das Fritz Keller zum Abschluss seines Besuchs in Hilzingen abgibt: Auch im neuen Stadion werden die Stehplatzkarten nicht mehr als 15 Euro kosten.