Herr Gebhart, wie viele Musikvereine haben Sie in den 33 Jahren dirigiert?

Meine erste Dirigentenstelle war für mich als Zimmerholzer der dortige Musikverein. Dann folgten acht Jahre beim MV Beuren an der Aach und anschließend dirigierte ich 18 Jahre den MV Friedingen. Nach einem Zwischenstopp von zwei Jahren beim MV Hilzingen bin ich nun seit 2014 in Schlatt am Randen.

Seit wann sind Sie der Blasmusik verbunden?

Ich begann 1966 im Alter von neun Jahren als Zögling des MV Zimmerholz mit der Ausbildung auf der Trompete und spielte diese in Zimmerholz bis April 1985. Im Januar 1985 habe ich die Dirigentenprüfung abgelegt und die Nachfolge des langjährigen Dirigenten Erich Kähler aus Singen angetreten.

Was war für Sie als Dirigent in den 33 Jahren eine besondere Herausforderung?

Jedes Jahreskonzert, sei es in einer Halle oder in der Kirche, ist eine Herausforderung. Eine besondere Herausforderung für einen Dirigenten ist aber auch die Teilnahme an Wertungsspielen. Mit dem MV Beuren Aach habe ich drei und mit Friedingen eines besucht. Mit den erzielten Ergebnissen war ich sehr zufrieden.

In den 33 Jahren hat sich die Musikliteratur für die Blasmusik sehr verändert. Wie stehen Sie dazu?

Die modernen Kompositionen haben die traditionelle Blasmusik mit Marsch, Polka, Walzer etwas in den Hintergrund gedrängt, insbesondere bei den Jahreskonzerten. Durch diese moderne Literatur werden die Musiker allerdings auch enorm gefordert. Ich selbst bin als etwas polkalastig bekannt. Ich habe zudem schon öfters festgestellt, dass bei Auftritten in Festzelten, bei Gartenfesten usw. die Besucher gerne traditionelle Blasmusik hören. Denn auch eine Polka will gut gespielt sein. Der Funke zum Publikum muss überspringen, dann hat man gewonnen.

In den Musikvereinen ist der Anteil der Jugendlichen sehr groß. Wie kann man diese für die Vereine gewinnen?

Das ist von Musik- zu Musikverein verschieden und hängt vom Engagement des Vereins in der Jugendarbeit ab. Viele Vereine haben bereits eine musikalische Früherziehung, eine Flötengruppe und größere Vereine, wenn es möglich ist, ein Vororchester und eine Jugendkapelle. Zu ernten gibt es nur, was man gesät hat. So hat beispielsweise der Musikverein Schlatt aktuell im Herbst zum ersten Mal ein Kinder-Mitmach-Musical mit dem Titel „Wakatanka“ geplant. Zudem spielt auch die Struktur der Gemeinde und die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde eine große Rolle.

Was ist in ihren Augen das Besondere an Musikvereinen?

Dass die Musikvereine wie ein Generationenhaus funktionieren. Die Musik gehört zu den Freizeitaktivitäten, die am besten generationenübergreifend betrieben werden können. Es ist heute keine Seltenheit, dass in einem Musikverein 60 Jahre und mehr Unterschied im aktiven Körper sind. Und das klappt!

Was ist nun das Besondere an Ihrem Konzert zum 33-Jährigen?

Ich hatte die letzten Jahre immer wieder mal den Gedanken, dass ein Konzert mit allen Musikvereinen eine tolle Sache wäre. So war es der Wunsch von mir, dass die fünf Musikvereine, die ich in den 33 Jahren leitete, gemeinsam ein Konzert geben. Dieser große Wunsch geht nun am Samstag, 21. April, in Erfüllung.

Was wird für Sie der Höhepunkt des Konzertabends sein?

Zum Schluss des Konzertes werden alle gemeinsam, also rund 170 Musiker und Musikerinnen die Polka „Wir Musikanten“ spielen. Und ich freue mich, dirigieren zu dürfen.

Fragen: Elisabeth Stauder

 

Zur Person

Erwin Gebhart hat sich beim Weihnachtskonzert 2014 erstmals mit dem Musikverein Schlatt am Randen als neuer Dirigent präsentiert. Kurz vor dem ersten Auftritt hat er im September damals den Taktstock aus den Händen seines Vorgängers Berthold Stauder übernommen. Nach den Musikvereinen Zimmerholz, Beuren an der Aach, Friedingen und Hilzingen ist der Musikverein Schlatt am Randen seine fünfte Aufgabe. Längst haben sich Klangkörper und der musikalische Leiter zusammengefunden. Dass er zum Verein passe, habe sich schnell herausgestellt. Ehrendirigent Berthold Stauder unterstreicht den positiven Eindruck: "Es war die richtige Entscheidung.“ (sta)