Die christliche Schule im Hegau in Hilzingen setzt in jeder Hinsicht auf Wachstum: Sie ist die erste Gemeinschaftsschule im Hegau, die in diesem Schuljahr mit einer elften Klasse in die Oberstufe startet. Geplant sind insgesamt drei Lerngruppen mit je 21 Schülern für die Klassen elf, 12 und 13. Die meisten Elftklässler kommen aus der christlichen Schule, im Moment sind noch drei Plätze in der Lerngruppe frei. Außerdem wird das Gebäude erweitert. Der Anbau für die Oberstufe soll im Januar fertig werden. Er bringt 600 Quadratmeter mehr Platz und kostet 2,2 Millionen. Mit Mut und Zuversicht, Schritt für Schritt in die Zukunft zu gehen und zu erweitern, das zeichnet die Schule in freier Trägerschaft mit deren Schulleiterin Siglinde Unger schon von Anfang an aus. Die Entwicklung zeigt auch den Trend, dass immer mehr Eltern für ihre Kinder Alternativen zu staatlichen Schulen suchen.

Lehrer sollen Tutoren sein

Das Konzept des selbstorganisierten Lernens der Gemeinschaftsschulen werde in der Oberstufe konsequent weitergeführt, erklärte Unger. Deshalb sei sie auch gut für Schüler geeignet, die im Anschluss an eine andere Gemeinschaftsschule das Abitur machen möchten. Besonderen Wert legt das Team von Lehrern der Oberstufe auf die Persönlichkeitsbildung und das Coaching der Schüler. Dabei sollen Talente der Schüler gefördert und an Defiziten gearbeitet werden. "Das ist unser Schatz, das wir uns Zeit für die Schüler nehmen können, sie begleiten und beraten können", sagte die Schulleiterin. Außerdem sollen innerhalb des Kurssystems immer wieder fächerübergreifende Module eingebaut werden, so wird zum Beispiel bei einem Thema in Chemie oder Biologie der Umweltschutz einbezogen. Jeder Schüler hat sein eigenes Notebook, über das er Infos und Aufgaben bekommt, und mit dem er Themen erarbeiten kann. Die Digitalisierung positiv zu nutzen, und dadurch auch Zeit für das persönliche Gespräch zu gewinnen, sei das Ziel, so die Schulleiterin. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit eines achtwöchigen Auslandaufenthalts in den USA.

Wissen, Sein, Handeln

Die evangelische Bekenntnisschule orientiert sich an den "vier Säulen der Bildung" des UNESCO-Berichts zur Bildung für das 21. Jahrhundert. Sie lauten "Lernen, Wissen zu erwerben, Lernen, zusammen zu leben, Lernen, zu sein und Lernen, zu handeln". Die Schüler sollen sich als Teil der Schule und der Gemeinschaft begreifen und soziale Kompetenzen erwerben. Die Schüler sollen nicht nur Inhalte lernen, sondern zum Mitdenken erzogen werden und auch Verantwortung übernehmen. Das lernen sie zum Beispiel durch die Teilnahme am Würth Bildungspreis (siehe Infokasten). Sie werden in Entscheidungen einbezogen. Beim Anbau für die Oberstufe dürfen sie ihre Ideen, zum Beispiel bei der Ausstattung der Räume, einbringen. "Ich bin immer wieder überrascht, wie klug die Schüler mitdenken", berichtete Unger.

Simeon Schäfer und Tim Hofert sind erste Schüler der Oberstufe. Für sie geht es im Prinzip wie bisher weiter, denn sie waren schon vorher auf der Schule. "Für mich war klar, dass wenn es die Möglichkeit gibt, ich hier auch mein Abitur machen möchte", sagt Simeon. Er und sein Schulkamerad Tim kommen gut zurecht und tragen die Schulphilosophie mit.