Die mittelalterliche Burg in Riedheim ist vielen Menschen aus dem Hegau und darüber hinaus bekannt von früheren Burgfesten. In den 90er Jahren hat dieses viertägige Fest Menschenmassen angezogen und galt als eines der Feste im Hegau. Seit 2002 (also in diesem Jahr zum 9. Mal) öffnen sich alle zwei Jahre die Tore der Burg jeweils am 3. Advent zu einer Veranstaltung ganz anderer Art: einem Weihnachtsmarkt.

Die Idee hierzu entstand nach einem Basar für die Kirchenrenovation in der Burghalle. Der erste Weihnachtsmarkt umfasste nur vier Stände und fand im Innenhof der Burg statt. "Wir haben sofort festgestellt, dass sich diese Kulisse hervorragend eignet" erzählt Gertrud Oßwald von der Interessengemeinschaft Weihnachtsmarkt. Als Veranstalter fungieren der Förderverein des Sportvereins und der Männerchor, aber eine Interessengemeinschaft aus verschiedenen Familien ist mit im Boot. Durch den regen Zuspruch an Besuchern wurde der Markt bald auf die ganze Burganlage ausgedehnt.

Nur lokale Vereine und Privatpersonen als Anbieter zugelassen

Nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Dekorationen tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Ulrike Maier, zusammen mit Gertrud Oßwald als die "Deko-Pferde" bezeichnet, meint: "Jede Ecke soll schön sein, jeder Stand und jedes Teil ein Unikat". Bereits im Oktober wird mit den groben Arbeiten für das Herrichten dieser besonderen Location begonnen. Viele Zweige, Kerzen, Lichterketten, Holzteile und sonstiger Schmuck werden in der Burg angebracht, damit die festliche, himmlische Atmosphäre entsteht. Deshalb auch der Name "Himmlischer Weihnachtsmarkt", wie Michael Bucher, Vorsitzender des Fördervereins erklärt.

Nur Riedheimer Vereine und Privatpersonen sind zu diesem Markt zugelassen. Von Waffeln über Flammlachs, Wildbret, Raclette, Grillwurst bis zur Gulaschsuppe der Frauen des Männerchores reicht das Angebot. Erstmals sind die Ministranten aus der Gesamtpfarrei Hohenstoffeln-Hilzingen dabei und bieten Kaffee und Kuchen an. Raum- und Kunst-Deko, Feines aus der Küche, Arbeiten aus Holz und aus rostigem Blech runden unter anderem das Angebot ab. In der Bücherecke bezahlt man einen Kilo-Preis. Der Erlös daraus geht an das Kinder-Jugendhospiz in Villingen-Schwenningen und wird von manch anderem Aussteller aufgestockt.

Christkind beantwortet Briefe mit Kinderwünschen

Kinder, welche als Engel verkleidet mit einer Kutsche vorfahren, schließen morgens die Pforten zum Weihnachtsmarkt auf und geben damit auch den Weg zum Himmlischen Postamt frei. Hier können Briefe an das Christkind geschrieben werden. Heidi Riede versichert: "Die Kinder bekommen auch Antwort". Wohlfühlen dürften sich die Kinder auch bei der Märchentante in der Lese-Ecke. Nachdem bisher eine Krippe aus Stroh zu sehen war, gibt es laut Anton Maier vom Männerchor in diesem Jahr noch eine "lebende Krippe". Der Dekorationsaufwand verlangt nach einem zweiten Tag für den Weihnachtsmarkt. Dem hält Manfred Müller vom Förderverein entgegen, "das stemmen wir personell nicht, obwohl wir von vielen, auch von Neubürgern, unterstützt werden. Wir brauchen jetzt mit Auf- und Abbau zirka 100 Helfer."