An manchen Orten im Hegau ist es ratsam, auf die Uhr zu schauen, bevor man etwas online erledigt. Immerhin kann schon das Aufrufen einer Internetseite zu einer zeitraubenden Angelegenheit werden, wenn die Datenübertragungsrate bei gerade einmal 2 Megabit pro Sekunde liegt. Zu diesen Orten gehören auch die Gemeinde Hilzingen und einige ihrer Ortsteile.

In Binningen ist die Not am größten

Vor allem in Binningen wird die Geduld der Internetnutzer auf die Probe gestellt, wie Stefan Rill beschreibt. "Die Situation ist furchtbar, es dauert ewig, bis eine Seite geladen ist", erzählt der Binninger Ortsvorsteher. Er habe die Website des Ortes immer regelmäßig gepflegt, doch das sei mit dem bestehenden Netz kaum noch machbar. "Es ist ja schon unmöglich, ein Bild hochzuladen", schildert er verärgert. Rill ist einer von vielen Bürgern, die den 2016 beschlossenen Breitbandausbau herbeisehnen. "Ich hoffe sehr, dass es endlich vorangeht", sagt er und denkt dabei auch an die Gewerbetreibenden, die durch die Unterversorgung in ihrer Arbeit eingeschränkt werden.

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Wettbewerbs-Nachteil für Hilzinger Unternehmen durch schlechte Internet-Versorgung

Einer von ihnen ist Gemeinderats-Mitglied Holger Graf. Er führt einen Fachverlag mit fünf Mitarbeitern im Ortskern von Hilzingen und ist deshalb auf eine gute Internetverbindung angewiesen. Diese werde in der Hauptstraße allerdings nur bedingt zur Verfügung gestellt, erzählt er und erklärt, welche Auswirkungen das für sein Unternehmen hat: "Der Austausch von großen Datenmengen, der bei uns zum täglichen Geschäft gehört, kostet uns sehr viel Zeit und somit auch Geld." Außerdem sei die Verbindung nicht nur langsam, sondern auch instabil. "Beinahe regelmäßig treten Störungen auf und wir sind dann komplett von der digitalen Außenwelt abgeschnitten", sagt Graf.

Dass 75 Prozent der deutschen Nutzer mit deutlich besserem Internet versorgt werden, sieht er für Hilzinger Gewerbetreibende als enormen Nachteil im Wettbewerb. Holger Graf findet es richtig, dass die Gemeinde in puncto Breitbandausbau tätig wird. Das sei aber nur dann sinnvoll, wenn nicht nur die einfach zu erschließenden Gebiete bedient, sondern die am schwächsten versorgten Ortsteile und Straßenzüge zuerst angebunden werden.

Auch Bürgermeister Rupert Metzler ist verärgert

Hilzingens Bürgermeister Rupert Metzler kann den Unmut der Bürger gut verstehen. Auch er selbst ärgert sich darüber, dass der Ausbau des Glasfasernetzes so langsam voranschreitet. Das liege an den strengen Vorgaben des Landes, das den interkommunalen Breitbandausbau in Hilzingen und Tengen bezuschusst, erklärt er und ergänzt: "Dass jeder Schritt vom Fördergeber abgesegnet werden muss, zieht den ganzen Prozess natürlich in die Länge."

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Metzler ist jedoch zuversichtlich, dass das Ausschreibungsverfahren für den Netzbetrieb bald abgeschlossen werden und der Zuschlag im November erteilt werden kann. "Es ist viel geplant und auch schon viel passiert – aber leider noch nichts, was für die Bürger spürbar ist", sagt der Bürgermeister. Unter anderem habe man die Verlegung der Leerrohre bereits in andere Tiefbauarbeiten integriert, um Zeit und Kosten einzusparen. Jetzt werde die Infrastruktur von Tengen aus in Richtung Hilzingen gebaut und Metzler denkt, dass noch im ersten Halbjahr 2019 Glasfaser nach Binningen verlegt werden kann. Das Projekt hat für ihn Priorität, denn das Internet sei heute das, was vor 100 Jahren das Wasser war, erklärt Metzler. "Jeder sollte den Zugang zu einer zeitgemäßen und zuverlässigen Leitung haben."