Am Tag der offenen Tür herrschte auf dem an der alten Straße zwischen Weiterdingen und Hilzingen gelegenen Magdalenenhof der Familie Hägele schon vor Mittag ein buntes Treiben, bei dem die Kinder beider Hilzinger Kindergärten die vielen Gäste mit schönen Liedern überraschten.

Toll war der Irrgarten aus Gemüsekisten, die Frauen der Feuerwehr Hilzingen hatten Kuchen gebacken, Deftiges zum Mittagstisch gab‘s auch und natürlich verkaufte der Magdalenenhof seine Bioprodukte, wie verschiedene Apfelsorten, die an einem Probierstand gekostet werden durften. Kartoffeln in verschiedensten Sorten wurden auch verkauft und nicht zuletzt Hochprozentiges, wie etwa der Zibartenbrand aus eigener Hofbrennerei.

Magdalenenhof wurde 1956 gegründet

Der stellvertretende Bürgermeister von Hilzingen, Sigmar Schnutenhaus, hob den besonderen Wert des Apfels hervor, denn schließlich hieße es ja so treffend: „An apple a day keeps the doctor away!“, das frei übersetzt bedeutet, dass ein Apfel pro Tag den Besuch beim Doktor erspart. Er als Zahnarzt muss es schließlich wissen.

Er ging dann auf die Historie ein: dass der Magdalenenhof 1956 von Robert und Magda Hägele gegründet worden sei, die zu Beginn noch einen klassischen Ackerbau- und Tierhaltungsbetrieb mit Kühen und Schweinen geführt hätten. Thomas Hägele habe dann Mitte der 1980er Jahre den Betrieb auf Obstbau umgestellt und führe nun einen zertifizierten Biobetrieb.

Politik beim Tag der offenen Tür

Die Sonne schien zwar herrlich an diesem Altweibersommertag, und die Stimmung bei den Besuchern war ausgelassen, doch dass beim Tag der offenen Tür auch Politik eine Rolle spielte, machte sich schon bei der Begrüßungsrede von Inhaber Thomas Hägele bemerkbar, und ebenso bei Peter Graf, dem Kreisvorsitzenden des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV).

Seit 2013 seien sie, wie Thomas Hägele hervorhob, ein Drei-Generationen-Betrieb mit Oma Magda, seiner Frau Gabi, ihm selbst sowie Tochter Carina. Der Magdalenenhof werde nach den Richtlinien von Bioland, dem größten biologischen Anbauverband Deutschlands, bewirtschaftet, bei dem sie auch Mitglied seien. Ein Beispiel dafür, wie konsequent auf ihrem Hof der Umweltgedanke verfolgt werde, sei, dass sie ihren Hof CO2-neutral bewirtschafteten. Dabei werde das eigene Holz in der neuen Hackschnitzelanlage thermisch verwertet.

Hägele: Forderungen gehen zu weit

Aber auch ein nach strengen biologischen Richtlinien arbeitender landwirtschaftlicher Betrieb komme nicht ohne Spritzmittel aus, obwohl sie als zertifizierter Biolandhof auf synthetische Pestizide verzichteten. Auch ihr Bio-Obst werde von Schädlingen befallen, doch sie bekämpften etwa die Blattläuse mit Backpulver und Pilzkrankheiten mit Kupfer, und Schwefel diene der gesunden Entwicklung der Pflanzen.

Thomas Hägele sagte weiter, das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“, das nächsten Monat starte, schieße weit über das Ziel hinaus und gefährde sowohl konventionell als auch biologisch wirtschaftende Landwirte. Eines der erklärten Ziele des Volksbegehrens, nämlich das Verbot der Ausbringung von Pestiziden auf naturschutzrechtlich besonders geschützten Flächen löse in der Landwirtschaft Alarmstimmung aus, weil damit nicht mehr gegen Schädlinge und Pilzbefall vorgegangen werden könne. Betriebe seien in ihrer Existenz gefährdet.

BLHV denkt über Gegenmaßnahmen nach

Allerdings müsse, auch wenn genügend Unterschriften zusammenkämen, erst einmal im Landtag darüber abgestimmt werden, wie Peter Graf vom BLHV ergänzte. Wenn notwendig, wolle man weitere Gegenmaßnahmen ergreifen, wie etwa die Stellung eines Volksantrags. Der Kreisvorsitzende des BLHV stellte sogar die Möglichkeit einer Volksabstimmung in den Raum.

Er forderte die Anwesenden dazu auf, das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ nicht unterstützen. Nicht deshalb, weil man die Bienen nicht retten wolle oder das Insektensterben ignoriere, sondern weil dadurch eigene, schon laufende Initiativen der Bauern unterlaufen und durch das generelle Pestizidverbot Existenzen gefährdet würden.

Aktion beginnt am 24. September

Für das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ werden ab 24. September sechs Monate lang Unterschriften gesammelt. Die Formblätter gibt es auf der Internetseite der Initiative proBiene oder in den Gemeindeverwaltungen.

In Hilzingen werden die Formulare ab 18. Oktober ausliegen. Ziel der Initiatoren ist, die Sicherung der Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten durch entsprechende gesetzliche Ergänzungen und Anpassungen zu gewährleisten. Bis 2035 soll die Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen in Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaftet werden.