Herr Zipperer, warum der Name Scheunenfest? Das Fest findet doch auf der Bahnholzstraße und den angrenzenden Hofflächen statt.

In den ersten Jahren war es ein richtiges Scheunenfest. In der Scheune saßen die Besucher, dort spielten die Musikkapellen, dort wurde getanzt und gefeiert. Durch den immer größer werdenden Besucherandrang hatten wir in der Scheune bald keinen Platz mehr und mussten auf die Straße ausweichen. Irgendwann spielten auch die Musikvereine auf der Straße vor der Scheune. Mit dem Bau der Bühne 2001 wurde es dann endgültig zum Fest vor der Scheune. Heute sind in der Scheune noch Theke, Küche, Kaffeestube und einige Sitzplätze.

Herr Jäckle, der Bau der Bühne soll ein spontaner Kraftakt gewesen sein?

Mehr oder weniger schon. Man hat etwa zwei Jahre lang immer wieder von einer Bühne gesprochen. Aber es blieb beim darüber sprechen. Am Freitagabend vor dem Scheunenfest 2001, wir waren mit den Aufbauarbeiten gut in der Zeit, standen wir vor der Scheune und plötzlich ging die Diskussion wieder los. Das Ergebnis war, dass wir am Samstagmorgen um 5 Uhr begannen, über den gegenüberliegenden Garten eine Bühne zu bauen. Zwölf Stunden später waren wir fertig und das Fest konnte pünktlich mit Bühne beginnen. Die Bewährungsprobe hat die Bühne bestanden, als am Montagabend beim Bierabend Michael Mayer mit der Stettener Trachtenkapelle zu Hochform auflief.

Herr Stauder, Sie sollen am Scheunenfest ein gefragter Mann sein?

Ja, ich bin Elektromeister und höre seit 35 Jahren am Scheunenfest laufend den Satz: "Berthold ich brauch' Strom". In der Scheune haben wir zwar einige Leitungen erneuert, aber dennoch ziehe ich mit Hilfe meines Sohnes Frank noch viele Meter Kabel. Über das ganze Festgelände verteilt wird an vielen Stellen Strom benötigt.

Herr Jäckle, musste an der Scheune vieles verändert werden?

In den ersten Jahren waren wir ständig damit beschäftigt, die Infrastruktur zu verbessern. Ver- und Entsorgungsleitungen wurden fest installiert, ein, in der Scheune stehendes Hochsilo abgebrochen, das Gebälk teilweise erneuert, der gesamte Fußboden auf der „Obede“ verstärkt und vor der Bar und der Scheune gepflastert. Alles mit Einverständnis und Unterstützung des früheren Besitzers Eugen Sauter.

Herr Zipperer, wie hat sich das Programm in den 35 Jahren geändert?

Es ist notwendig, mit der Zeit zu gehen. In den ersten 20 Jahren wurde am Samstagabend das Tanzbein zu herkömmlicher Tanzmusik geschwungen. Jetzt gibt es drei Stunden stimmungsvolle Blasmusik und dann für die jungen Gäste eine Partynight. Der Seniorennachmittag am Montag mit anschließendem Handwerkervesper wurde erst 1996, also nach zwölf Jahren, eingeführt. Das Sonntagsprogramm wurde vielfältiger und abwechslungsreicher.

Herr Stauder, mit Auf- und Abbau sowie drei Tage Fest eine Woche Lärm und Belästigung in der Bahnholzstraße – und das seit 35 Jahren. Was sagen die Anwohner?

Mit denen gibt es überhaupt keine Probleme. Sie sind äußerst verständnisvoll und unterstützen uns, wo sie nur können. Alle feiern mit uns sehr gerne drei Tage Scheunenfest. Darüber sind wir mehr als froh und dankbar.

Meine Herren, meinen Sie, dass die nachfolgende Generation von Musikern bereit ist, den einwöchigen Einsatz mitten in der Ferienzeit zu bringen, und das Scheunenfest weiterführt?

Paul Jäckle: Wir drei hoffen es. Unsere Kinder sind alle aktiv im Musikverein. Sie und viele ander Musiker sind mit dem Scheunenfest aufgewachsen, verbunden und auch ein wenig stolz.

Berthold Stauder: Zudem ist das Scheunenfest das wirtschaftliche Standbein des Vereins. Und so ein Standbein braucht jeder Verein. Was Neues aufzubauen ist schwieriger als etwas Bewährtes fortzuführen.

Herr Zipperer, Eugen Sauter hat die Scheune an seine Enkelin übergeben. Was bedeutet das fürs Scheunenfest?

Die Enkelin Nadja ist seit 20 Jahren bei uns aktiv, ihr Mann Sandro unterstützt sie bei der Ausübung ihres Hobbys und ist ebenfalls ein Vereinsmensch. Somit stehen die Zeichen gut, dass es mit dem Scheunenfest an diesem Ort weitergeht.

Fragen: Elisabeth Stauder