Zum „Ritt durch die Jahrhunderte“ der Frühzeit luden Kreisarchäologe Jürgen Hald und sein Team von ArchaeoTask aus Engen-Welschingen in Hilzingen ein. Im Baugebiet „Beim Steppachwiesle„ begleiteten sie seit 2014 die Erschließungen und wurden fündig. „Wir können uns glücklich schätzen, Jürgen Hald an unserer Seite zu haben. Es ist wichtig, dass diese Funde gesichert werden und Licht ins Dunkle bringen“, so Bürgermeister Rupert Metzler beim Ortstermin.

Siedlungsreste aus verschiedenen Epochen

Das Areal lud schon in der Bronzezeit aufgrund seiner Lage an einem flachen, sonnigen Hang und einem Bach zur Bebauung ein. Die Siedlungsreste, die in den vergangenen Jahren untersucht wurden, stammen aus verschiedenen Epochen. Die ältesten Funde reichen bis zum Ende der Bronzezeit (um 1000 vor Chr.) zurück. „Ältere Gräber weisen auf eine Vorgängersiedlung hin“, so der Hinweis des Archäologen. Früh- und spätkeltische sowie alemannische Siedlungen folgten.

Vielseitige Funde

„Die Funde waren überraschend vielseitig und facettenreich. Hier ist einiges aufgetaucht“, so Jürgen Hald. Neben Gräberfeldern mit Skeletten, Urnen und Leichenbrand sticht ein Bauwerk besonders hervor: 2018 wurde eine 33 Meter lange, mit Geröllen befestigte Wegtrasse festgestellt, deren Fortsetzung 2019 überraschend wieder zutage trat. „Der spannendste Fund“, in den Augen der Archäologen. Die Straße sei mehrfach wieder abgegraben und aufplaniert worden erklärte Andreas Gutekunst von ArchaeoTask anhand des Querschnitts der Trasse. Größere Befestigungssteine und mutmaßliche Fahrrinnen sprechen für einen rege Nutzung und ständige Bearbeitung.

Nachweis eines befestigten Wegs

Mit Metallfunden wie Nägeln für die Radreifen wurde der Weg auf die frühkeltische Zeit datiert. „Bisher haben wir keine Funde, die jünger als 500 v. Chr. sind“, so Gutekunst. Noch will Jürgen Hald nicht von einem Sensationsfund sprechen. „Es ist schon auffällig, dass wir keine neuzeitlichen Materialien finden. Zwar ist der jüngste Fund frühkeltisch, kann aber durch Umlagerungen dorthin gelangt sein.“ Sollte sich das Alter bestätigen, wäre es ein sehr seltener Nachweis eines befestigten Weges aus der frühkeltischen Zeit. Ins Museum wird es die Ur-Straße nicht schaffen. Mit einem 3-D-Modell werde aber ein realistisches Abbild gemacht. Auf Handelstätigkeit weisen Reste von Amphoren hin, die von den Archäologen gesichert wurden und aus Südfrankreich stammen.

Steinkistengrab aus der Spätbronzezeit

Ein Steinkistengrab, das freigelegt wurde, lud zu Spekulationen ein. Das Alter ist klar: Ein Gefäß, in dem die Asche oder Speisen transportiert wurden, zeigt Ziermuster der Spätbronzezeit (ca. 1200 v. Chr). Auffällig ist, dass Metallbeigaben fehlen. Zeitgenössische Grabräuber, die um die Lage und Inhalt des Grabes wussten, könnten hier zugegriffen haben. „Es könnte sich aber auch um eine Umbettung handeln oder die Beigaben wurden in Notzeiten gebraucht“, so Hald. Dafür spreche, dass die Decksteine zurückgelegt wurden. Ein Ring, der noch im Grab lag, deutet auf einen männlichen Verstorbenen hin.