Eigentlich ist es ein bedrückendes Bild: Am Fuße des Hohenstoffeln mit Blick auf Weiterdingen standen einst hohe Fichten dicht an dicht, doch nun klafft hier eine große Waldbrache und sie ist leider nur eine von vielen in unserer Heimat.

Der Leiter des Forstreviers Hegau, Werner Hornstein, beobachtet die dramatische Entwicklung schon seit zwei Jahrzehnten und warnt bei seinen Waldführungen und Vorträgen vor dem Kollaps des Ökosystems Hegauer Wald. Als Beleg zeigt er Luftaufnahmen vom Waldstück am Fuße des Hohenstoffeln, das vor dem Sturm Lothar im Jahr 1998 noch keine Baumlücken aufwies. Durch Sturm, Hitze und den Borkenkäfer wurde der Baumbestand bis heute um rund ein Drittel dezimiert.

Bernhard Hake, Leiter des Kreisforstamtes Konstanz, ist jüngst im Rahmen der bundesweiten Pflanzaktion „Mein Baum für‘s Land“ auch an den Hohenstoffeln gekommen. Er nahm zu den wesentlichen Maßnahmen Stellung, die seiner Ansicht nach notwendig seien, um den Wald gegen den Klimawandel widerstandsfähiger zu machen: Der Wald müsse gegen die Extremwetterphasen mit Stürmen und langanhaltender Trockenheit vor allem breiter aufgestellt sein, erklärte er.

Monokulturen seien deshalb der falsche Weg, wie etwa die mit der zwar schnell wachsenden, aber flachwurzelnden Fichte. Sie sei durch den Wassermangel gestresst und daher ein leichtes Opfer für den Borkenkäfer. Baumartenvielfalt müsse das Ziel sein, um den Wald langfristig widerstandsfähiger zu machen und deshalb halte er auch die Pflanzaktion für wichtig und symbolträchtig.

Der Weg hin zu einem gesunden Wald sei eine Generationenaufgabe. Das Ergebnis der Pflanzaktion mit 500 Bergahornbäumchen zeige sich erst in 25 bis 30 Jahren.

Zunächst hatten nur wenige Baumpaten den Weg an den Hohenstoffeln gefunden, bei den Verantwortlichen des Kreisforstamts machte sich deshalb erst etwas Enttäuschung breit. Doch die Enttäuschung wich schon kurze Zeit später einem zufriedenen Lächeln: Wie aus dem Nichts waren auf einmal Dutzende Familien vor Ort, die mit festem Schuhwerk und mit Spaten ausgerüstet bei der Aktion mitmachen wollten. Opa, Oma, Eltern und Kinder packten gemeinsam an und pflanzten die Bergahorne unter Anleitung der Förster (siehe Infokasten).

Matthias Mohr aus Weiterdingen, neu in den Hilzinger Gemeinderat gewählt und Forstwirt mit eigenem Forst- und Baggerbetrieb, der mit seinen Mitarbeitern die Logistik übernommen hatte, hatte am Ende Mühe den Überblick zu behalten. Es kamen immer mehr Baumpaten, die die Brache bepflanzen wollten. Erstaunlicherweise waren auch Schweizer Bürger vor Ort um mitzuhelfen.

Nach erfolgreicher Pflanzaktion traf man sich zum Plausch bei warmen und kalten Getränken und holte sich noch fachmännischen Rat bei den Förstern.