Im Herbst ist Kirchweih, aber die Planung für den Erntedankschmuck beginnt bereits im Frühling. "Das erste Treffen hat schon Ende Mai stattgefunden", sagt Agnes Weber-Lorenzet. Seit mehr als fünf Jahrzehnten entwirft die ehemalige Kunsterzieherin die kunstvollen Vorlagen, aus denen jene Blumenmosaike entstehen, die weit über Hilzingen hinaus bekannt sind.

Damit der Blumenschmuck aber auch rechtzeitig zur Kirchweih fertig wird, sind 70 Helfer – vom Grundschulkind bis zur Seniorin – wochenlang im Kirchenkeller im Einsatz. Wie aus den von Agnes Weber-Lorenzet gezeichneten Vorlagen metergroße vergängliche Kunstwerke entstehen, sehen Sie in dieser Bildergeschichte.

Linda, Dennis und das Lamm

"Ich habe schon als Kind beim Blumenschmuck mitgeholfen", erzählt Dennis. Nachdem er zuletzt pausiert hat, freut sich der 24-Jährige, wieder bei der Entstehung der aufwendigen Dekorationen dabei zu sein. In diesem Jahr konnte er seine Freundin Linda motivieren, mitzumachen.

Bild: Daniel Schottmüller

Der fertige Erntedankschmuck soll zum Kirchweihsonntag in allen Farben leuchten. Damit das möglich ist, können sich Linda, Dennis und die anderen Helfer an einer langen Tafel bedienen. In Gefäßen aller Größen finden sie eine gigantische Auswahl an Blüten, Körnern und Samen. An die 500 Packungen und Päckchen stehen bereit.

Video: Ursula Schädle

Dennis und Linda haben sich bei der Motivauswahl für die Vorlage eines urchristlichen Symbols entschieden: das Lamm. Die verschiedenfarbigen Flächen ihres Kunstwerks gestalten die Beiden in mühevoller Detailarbeit. Ihr Einsatz scheint sich zu lohnen: Linda und Dennis stehen kurz vor der Fertigstellung.

Video: Ursula Schädle

Als Jakob den Stein mit Öl übergoss

In diesem Jahr hat man sich entschieden, das Thema Altar in den Vordergrund zu rücken. Eine bekannte alttestamentliche Erzählung, in der ein Altar vorkommt, ist die Geschichte von Jakob. Er war der Sohn Isaaks und der Enkel Abrahams. Auf der Flucht vor seinem Zwillingsbruder Esau musste Jakob in der Wüste übernachten und verwendete einen Stein als Kopfkissen. Nachts hatte er eine Vision, weshalb er am nächsten Morgen den Stein, auf dem sein Kopf geruht hatte, aufstellte und mit Öl übergoss. Der so entstandenen Stätte gab er den Namen Bethel.

Bild: Ursula Schädle

Seit einigen Wochen sind die Legerinnen im Hilzinger Kirchenkeller damit beschäftigt, die von Agnes-Weber-Lorenzet geschaffene Vorlage des Jakob-Bilds mit Leben zu füllen. Gerade werden die Innenflächen der Baumkronen mit grünen Grashalmen gefüllt. 

Video: Ursula Schädle

Anschließend kümmert sich eine Legerin um die Arme des dritten Erzvaters der Israeliten.

Video: Ursula Schädle

Fast fertig: Das tischgroße Altarbild ist so gut wie vollendet.

Bild: Ursula Schädle

Beim Abendmahl fehlt ein letzter Rest Altar

Die vielleicht bekannteste Altarszene der Bibel ist das letzte Abendmahl. Auch in diesem Fall hat Agnes Weber-Lorenzet eine DIN A4 große Vorlage vorbereitet, die Jesus bei der Feier der Eucharistie zeigt. Diese Vorlage hat ein Architekt vergrößert ausgedruckt. Nun machen sich drei Legerinnen daran, dem Schwarz-Weiß-Druck Leben einzuhauchen – eine Aufgabe, die sichtlich Spaß macht.

Bild: Daniel Schottmüller

Die Materialien, die in Hilzingen zum Einsatz kommen, sind kreativ gewählt. Bei diesem Bild arbeiten die Frauen unter anderem mit Milchreis, Cerealien und Beeren.

Video: Ursula Schädle

Jesus, sowie Brot und Wein sind schon deutlich zu erkennen. Jetzt gilt es nur noch, die Altarfläche fertig auszufüllen.

Bild: Ursula Schädle

Abels Opfer wird angenommen

Auch für das nächste Kunstwerk hat sich Agnes Weber-Lorenzet von der Bibel inspirieren lassen. Die Brüder Kain und Abel bringen Gott beide ein Tieropfer dar. Aber nur das Opfer Abels wird angenommen.

Bild: Ursula Schädle

Abel (vorne im Bild) ist in seinem grünen Gewand bereits gut erkennbar.

Bild: Ursula Schädle

Der letzte Schliff: Damit das Kunstwerk pünktlich zur Kirchweih fertig wird, arbeiten fünf Frauen parallel. Zwischendurch überprüfen sie, inwiefern ihr Bild auch tatsächlich der Originalvorlage entspricht.

Video: Ursula Schädle

Auch, wenn die letzten Tage vor dem großen Fest besonders arbeitsintensiv sind, kann Agnes Weber-Lorenzet Entwarnung geben: "Fertig geworden sind wir bisher immer rechtzeitig", sagt sie und lächelt. Die abgebildeten Bilder in vollendeter Form und alle anderen Bestandteile des Hilzinger Erntedankschmucks werden ab Sonntag in der Peter-Thumb-Kirche zu bewundern sein.