Seit über vierzig Jahren setzt sich der Verein „Die Brücke der Freundschaft“ für Menschen in Afrika ein. Der Schwerpunkt der Hilfsorganisation liegt dabei in der Gesundheitsversorgung und dem Aufbau von Bildungseinrichtungen. Zu all den schwierigen Lebensumständen in Afrika ist dort nun auch noch die Corona-Krise dazugekommen.

„Die Menschen denken, Covid-19 sei eine Krankheit für Weiße“, erzählt die niederländische Ärztin Pauline Borsboom, die von der Brücke der Freundschaft bei ihrer Arbeit im Großen Hospital in Chilonga unterstützt wird. Dass dies nicht so ist, verstehen die Menschen aufgrund der fehlenden Aufklärung nicht.

„Für die Menschen ist Corona anonym“, berichtet der Ebringer Klaus Brachat, erster Vorsitzender und sinnbildlicher Erbauer der Brücke der Freundschaft.

Tägliches Ringen um Lebensmittel

Bei all den Krisen, mit denen die Menschen in Sambia leben müssten, sei Corona für sie im Moment zweitrangig. Für die Menschen auf dem Land sei es wichtiger, die Familie mit Lebensmitteln zu versorgen. Denn aufgrund starker Regenfälle im Frühjahr rechnet man mit großen Ernteausfällen.

Vermutlich nur ein Drittel der normalen Ernte wird möglich sein. „Der Hunger wird bald an die Tür klopfen“, befürchtet Klaus Brachat. Mit Corona könne man dagegen wenig anfangen, das Virus sei anonym für die Menschen, die weder betroffen noch informiert darüber seien.

In Chipushi im ostafrikanischen Sambia wird eine Pre- und Primaryschool (Vor-und Grundschule) gebaut. Drei Schulräume für 200 Kinder sind fertig, ein Verwaltungsgebäude fehlt noch.
In Chipushi im ostafrikanischen Sambia wird eine Pre- und Primaryschool (Vor-und Grundschule) gebaut. Drei Schulräume für 200 Kinder sind fertig, ein Verwaltungsgebäude fehlt noch. | Bild: Brücke der Freundschaft

Umso wichtiger sei es deshalb, medizinische Mitarbeiter von Gesundheitszentren, die ebenfalls von der Brücke unterstützt werden, zu den Menschen aufs Land zu schicken. Um die Menschen dort über die Gefahren durch das Coronavirus und dessen großes Ansteckungspotenzial aufzuklären.

Verein unterstützt Krankenhaus

Ähnliches berichtet Pauline Borsboom dem SÜDKURIER. Im Umgang mit Malaria oder Cholera-Ausbrüchen sei man vertraut, was wiederum ein Vorteil im Kampf gegen Corona sei. Deshalb sei man vor Ort mit Maßnahmen zur Infektionsprävention wie beispielsweise dem korrekten Händewaschen sehr gut vertraut.

Die Brücke der Freundschaft unterstützt den Bau eines Schulzentrums in Mulanga in Sambia für 1000 Kinder, hier ein Mädchenwohnheim kurz vor Fertigstellung.
Die Brücke der Freundschaft unterstützt den Bau eines Schulzentrums in Mulanga in Sambia für 1000 Kinder, hier ein Mädchenwohnheim kurz vor Fertigstellung. | Bild: Brücke der Freundschaft

Aktuell sei die Zahl der bestätigten Fälle an Covid-19-Erkrankten gering, es gebe nur wenig Todesfälle. Aber: „Was wir nicht testen, wissen wir nicht“, relativiert die Allgemein- und Tropenärztin diese Statistik. Die wirklichen Zahle könnten anders aussehen und den Höhepunkt der Epidemie erwarten Experten erst für August.

Sambias Bevölkerung sei vergleichsweise jung, berichtet die Ärztin. Und so hofft die Medizinerin auf möglichst milde Krankheitsverläufe.

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Die Unterstützung der Brücke der Freundschaft ist für das Krankenhaus in Chilonga sehr wichtig. Erst vor kurzem wurde ein Container mit Hilfsgütern auf den Weg geschickt, darunter gebrauchte Krankenhausausrüstungen und in Sambia schon lange nicht mehr zur Verfügung stehende Medikamente. „Diese Hilfe kommt sicher und gut bei uns an“, berichtet die Ärztin. Die Brücke der Freundschaft mit Klaus Brachat und Simone Graf an der Spitze organisiere dies mit den verlässlichen Helfern sehr gut.

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Klaus Brachat erzählt vom Alltag in Sambia, wohin er enge persönliche Kontakte pflegt: Weil es keine Versammlungen geben solle, würden Frauen und Kinder an den Wasserentnahmestellen vertrieben. Die Polizei gehe dabei rigoros und mit Gummiknüppeln vor. Auf den Märkten dürften keine Waren und Lebensmittel angeboten werden, was aber zum Bestreiten des Lebensunterhaltes dringend nötig wäre.

Für die afrikanischen Freunde der Brücke seien dies sehr schlechte Zeiten, erklärt Brachat – der Mann, zu dem die Brücke mit all den vielen Erfahrungen und Eindrücken seit über vier Jahrzehnten gehört.

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