Regelmäßige Arbeitseinsätze in der sitzungsfreien Sommerzeit hat sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl vorgenommen. Zwei hat sie schon absolviert. Jetzt hat sie in einem Industriebetrieb Toiletten und Werksflure geputzt.

„Gebäudereinigung ist ein Handwerk“

Thomas Conrady, Geschäftsführer des international tätigen Gebäudereinigungsunternehmens Cowa und Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee, wird nicht müde, die Anliegen des Handwerks bei der Politik zu platzieren. Auch für sein eigenes Handwerk, das in der Öffentlichkeit immer noch viel zu oft als Dienstleistung eingestuft werde.

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„Gebäudereinigung ist ein Handwerk“, betont nun auch Lina Seitzl. Die SPD-Bundestagsabgeordnete hat bei ihrem Arbeitseinsatz als Reinigungskraft nicht nur putzen gelernt, sondern auch eine kleine Aufklärung über die größten Irrtümer erhalten. Einer davon, nämlich der von der schlechten Bezahlung, werde sogar vom Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) immer noch bedient, musste sich die Abgeordnete von Thomas Conrady erklären lassen, noch bevor sie überhaupt einen Feudel schwingen konnte. Dabei habe gerade das Reinigungsgewerbe eine starke Tarifbindung und liege mit einem Stundenlohn von 13 Euro einen Euro über dem Mindestlohn.

Personalnot auch in der Reinigungsbranche

Wie in fast allen Handwerks- und Dienstleistungsberufen herrscht auch bei den Gebäudereinigern akute Personalnot. „Nur dort ist es uns nicht so bewusst, wie zum Beispiel in der Pflege oder bei den Erzieherinnen, weil wir die Reinigungskräfte wegen der anderen Arbeitszeiten meistens nicht sehen“, sagt Lina Seitzl. Nach ihrem Einsatz hat sie aber eine Ahnung davon bekommen, welche großen Auswirkungen der Mangel an Reinigungskräften auf die Wirtschaft, zum Beispiel Betriebe mit Reinraumtechnik, haben könnte.

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Bei Cowa erhielt Lina Seitzl von Joachim Schupp, Leiter Competence Center Reinraumreinigung in Freiburg und stellvertretender Geschäftsleiter Region Süd-West, eine Einführung. „So wie jeder Anfänger“, berichtet sie. „Sehr authentisch.“ Ein paar Techniken und Informationen über die Dosierung der Reinigungsmittel. Dann ging es zu den Toiletten: acht Stück und zwei Waschbecken. „Ich habe 20 Minuten gebraucht und ziemlich geschwitzt“, erzählt Seitzl. „Die Fachkräfte machen das in sieben Minuten.“ Danach ging es mit dem Reinigungswagen durch die Produktion, was etwas weniger anstrengend gewesen sei.

Einsatz für gute Arbeitsbedingungen

Mit ihren Einsätzen unter dem Motto „Lina unterwegs“ will die Abgeordnete sich für gute Arbeitsbedingungen in den unteren Berufsgruppen einsetzen. Demnächst wird sie bei der Landschaftspflege im Markelfinger Ried und im September auf einem Stockacher Obsthof mithelfen. Bei ihrem ersten Einsatz bei der Tafel habe man sie, wie sie erzählt, übrigens hinter der Theke gar nicht erkannt.