Früher nannte man es Korsett, heute Shapewear. Ich meine Untendrunter-Kleidungsstücke, die eine gute Figur machen. Ich las von einem älteren Hollywood-Star, der Spanx in mehreren Schichten trug und auf dem roten Teppich umkippte. Die Taille war sagenhaft, aber die Luft blieb weg.

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Aber wohin wandern eigentlich die Pfunde, wenn man sie durch Druck bändigt? Hat man auf einmal dicke Knie? Oder einen dicken Hals? Kann man Corona-Regeln mit einem Korsett vergleichen? Ich versuche es mal, denn einen dicken Hals haben wir ja momentan fast alle. In Italien gibt es die Redewendung der „bella figura“ – und wer meint, das sei oberflächlich und beschreibe nur den äußeren Schein, hat das Prinzip nicht kapiert. Natürlich geht es um Körperpflege und das gewisse modische Extra – wer in italienischen Städten unterwegs war, weiß, was ich meine. Aber darüber hinaus geht es um eine Grundhaltung im Leben – im sozialen Miteinander in Familie und Freundeskreis genauso wie im Arbeitsleben. Kurz zusammengefasst bedeutet „far bella figura“, sich gut zu präsentieren und nicht unangenehm aufzufallen – und zwar so, dass auch die Mitmenschen niemals bloßgestellt werden.

Bild 1: Tipps, um trotz Corona eine „Bella figura“ zu machen
Bild: Picasa

Ich habe mehrere Jahre im slowenisch-italienischen Grenzgebiet gelebt und im Alltag mitbekommen, was das bedeutet. Ein paar totschicke, vollkommen überflüssige Kleider im Schrank. Viel soziale Kontrolle, viele Regeln und – ein lebendiges soziales Miteinander. Als Deutsche mit zu wenig Fingerspitzengefühl tappte ich mehrfach in Fettnäpfchen und machte sicher öfters eine „brutta figura“, aber da meine Gegenüber mich nie schlecht aussehen lassen wollten, kapierte ich es irgendwann. Ich merke grade, dass meine Erinnerung vieles schönfärbt. Wie kriege ich den Bogen jetzt zum Korsett? Ah ja: Regeln und gut aussehen. Unsere mediterranen EU-Nachbarn staunen jedenfalls, welche „brutta figura“ Deutschland in diesem zweiten Corona-Winter macht. Aber – ganz ehrlich: geht es nicht uns allen darum, irgendwie gut rüberzukommen? Niemand will sein Gesicht verlieren?

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2G-Plus und Impfflicht sind harte Regeln und sie lassen uns ächzen – aber andererseits geben sie vielen Impfgegnern, die sich schlicht verrannt haben, die Möglichkeit, aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Für die schmale Taille lassen sich Promis Rippen entfernen. 70 kg schwere Impfgegner schlucken gegen Covid eine Wurmkur für 600 kg schwere Pferde. In solchen Fällen können Regeln wirklich helfen – auch, wenn sie einen dicken Hals machen. Zum Beispiel sind Rippenentfernungen als kosmetischer Eingriff in Deutschland verboten. Eine Impfpflicht ist kein Impfzwang. Und man kann trotz aller Kontroversen darauf achten, dass der „Gegner“ gut aussieht. Ein bisschen bella figura täte uns allen gut.