Ein bisschen gruselig sieht er schon aus in seiner dunkelbraunen Kutte und dem schwarzen Zottelgestrüpp rund ums Gesicht. Von dem offenen Lachen, dem freundlichen Gesicht des Raphael Rossa ist da nichts mehr zu sehen. In nicht einmal zehn Minuten hat sich der junge Mann im Keller des Gottmadinger St. Georgshauses in einen knurrenden Knecht Ruprecht verwandelt. Daneben erscheint Janek Plesse als strahlender St. Nikolaus mit weißem Bart, rotem Umhang und goldener Mitra auf dem Kopf. Fast hätte er den Bischofsstab und das goldene Buch in der Asservatenkammer des Jugendhauses vergessen.

Für den Nikolaus-Probeauftritt hat es sogar ein bisschen geschneit

Für den SÜDKURIER haben die beiden jungen Männer schon einmal probeweise die Kostüme angelegt. Direkt aus den Koffern sind die Kleider noch etwas knittrig. Und unter der Perücke schauen ein paar dunkle Strähnen hervor. Das muss am 5. und 6. Dezember, noch etwas perfektioniert werden. Obwohl: der Gesamteindruck auf der dünnen Schneedecke vor der Christkönigskirche kann sich schon sehen lassen.

Im Keller des St. Georgshauses in Gottmadingen stehen die Koffer mit den Kostümen für die Nikolausauftritte. Janek Plesse legt sich gleich den langen,weißen Bart an, während Raphael Rossa sich die schwarze Perücke aufsetzt.
Im Keller des St. Georgshauses in Gottmadingen stehen die Koffer mit den Kostümen für die Nikolausauftritte. Janek Plesse legt sich gleich den langen,weißen Bart an, während Raphael Rossa sich die schwarze Perücke aufsetzt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Vier Teams machen Hausbesuche diesmal nur bis zur Haustür

Seit etwa 15 Jahren organisiert die katholische Pfarrjugend am Nikolaustag die Hausbesuche für Familien mit kleinen Kindern. Mit Einbruch der Dunkelheit machen sie sich auf den Weg, um die Gesichter zum Leuchten zu bringen. Vier Teams sind an zwei Tagen unterwegs. Ehrenamtlich und auf Spendenbasis bringen sie ein bisschen adventlichen Glanz und wohliges Schaudern in die Wohnzimmer. Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach, als man sich fragte, woher der Weißbärtige mit dem Spitzen Hut so viel über die Familiengeheimnisse weiß.

Ehrenamtlich unterwegs für ein paar Spenden für die Jugendarbeit

Für die Pfarrjugend sind diese Auftritte nicht nur ein Spaß, sondern auch eine kleine Einnahmequelle für die Gruppenarbeit. Aber wie soll das bei Kontaktbeschränkungen gehen, wenn sich nur noch fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen? Die Leiterrunde wurde zur Beratung einberufen und entschied, dass die Besuche diesmal nur vor der Haustüre stattfinden können. „Die Familien stellen die Geschenke für die Kinder an einen vereinbarten Ort, legen ein Begleitschreiben mit Informationen über die Kinder dazu“, erklärt Janek Plesse. „So können wir ganz speziell auf die Kinder eingehen.“ Mittlerweile sind fast alle Termine vergeben.

Die Arbeitskleidung von St. Nikolaus passt in einen kleinen Koffer. Die Saison des Heiligen aus Myra ist nur sehr kurz.
Die Arbeitskleidung von St. Nikolaus passt in einen kleinen Koffer. Die Saison des Heiligen aus Myra ist nur sehr kurz. | Bild: Trautmann, Gudrun

Jugendlager im Corona-Sommer ohne Zeltübernachtung

Zusammen mit Alex Meißner leitet Janek Plesse die Jugendarbeit in Gottmadingen. Dazu gehören auch solche Aktionen wie die Besuche von St. Nikolaus und Knecht Ruprecht. Insgesamt organisieren 18 aktive Gruppenleiter Freizeiten, Spiele- und Bastelabende, Ausflüge und in normalen Jahren Jugendlager. „Zur Zeit ist aber alles ausgesetzt“, sagt Plesse. Und auch das Sommerlager war kein richtiges Lager, sondern fand in abgespeckter Version im Dorf statt. „Die Kinder haben zu Hause übernachtet und kamen am Nachmittag zwischen 13 und 18 Uhr zu unseren Aktivitäten.“

Rund 70 Kinder bei der katholischen Jugend

Etwa 70 Kinder und Jugendliche besuchen die verschiedenen Gruppen der katholischen Pfarrjugend in Gottmadingen. Die Organisation liegt ganz in den Händen der Jugendleitung. Für jede Altersgruppe werden eigene Programme zusammengestellt. Treffpunkt ist das St. Georgshaus.

Genügend junge Männer für die Nikolausaktion

Jetzt bleibt nur noch die Nikolausaktion. Janek Plesse und Raphael Rossa, beide 19, haben das schon ein paarmal gemacht und freuen sich auch jetzt schon wieder auf die Besuche. Zum Glück gibt es derzeit genügend junge Männer, die als biblisches Duo auftreten können. „Einmal musste eine junge Frau den Knecht Ruprecht spielen“, erinnert sich Janek Plesse. „Da hat ein Kind gefragt, warum der Knecht lackierte Fingernägel hat.“

Seltsame Gestalten vor der Gottmadinger Christkönigskirche. Für ihren Einsatz am 5. und 6. Dezember unternehmen Janek Plesse als St. Nikolaus und Raphael Rossa als Knecht Ruprecht einen Probelauf.
Seltsame Gestalten vor der Gottmadinger Christkönigskirche. Für ihren Einsatz am 5. und 6. Dezember unternehmen Janek Plesse als St. Nikolaus und Raphael Rossa als Knecht Ruprecht einen Probelauf. | Bild: Trautmann, Gudrun

Immer mehr Geschenke für die Kleinen

Und was bekommen die Gottmadinger Kinder vom Nikolaus zu hören? „Am häufigsten ist die Ermahnung, die Spielsachen aufzuräumen und auf die Eltern zu hören“, erzählt Plesse. Manchmal gehe es aber auch darum, den Schnuller abzugeben. Verwundert zeigt sich Raphael Rossa über die Fülle von Geschenken. Zum Teil seien das ganze Säcke voll. Das sei früher alles etwas bescheidener gewesen.

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