Diesmal sind es 70 Brötchen. Regelmäßig verschenkt die Bäckerei Stemke Backwaren für die Vesperpause an die Eichendorff-Realschule. „Manchmal bekommen wir auch Brot“, sagt Hildegard Weidlich. Während sie die Brötchen aufschneidet und mit Butter bestreicht, hat sie nicht viel Zeit zum Erzählen. Seit 2015 kümmert sie sich auf Mini-Job-Basis im Auftrag der Gemeinde um die Pausenbrote. Fürs herzhafte Vesper klemmt Hildegard Weidlich jetzt ein Salatblatt und eine Scheibe Wurst zwischen die beiden Hälften. Auf die anderen Brötchen kommt ein dicker Klecks Marmelade. Schnell noch verstreichen, zusammenklappen und ab in die Tüte.

40 Vespertüten sind schon gerichtet

40 solcher Vespertüten hat sie um 12.30 Uhr bereits vorproduziert, weil sie weiß, dass gleich nach der Schulglocke um 12.45 Uhr der große Andrang kommt. Aber wie viele Schüler sich an den drei Tagen der Woche mit Hausaufgabenbetreuung hier jeweils in der Mittagspause verpflegen, kann sie nie genau vorhersagen. Deshalb belegt sie auf Bestellung, sobald der Vorrat verkauft ist.

Ein Pausenbrot kostet einen Euro

Einen Euro zahlen die Schüler fürs Vesper und müssen sich in eine Liste eintragen. „Fünfmal Marmelade, mit viel Marmelade“, ruft Noah. Hildegard Weidlichs Enkel geht selber hier zur Schule und hilft seiner Großmutter gerne an der Theke. „Ich mach‘ alles für euch“, ruft sie von hinten und schmiert im Akkord. Die Kinder dürfen für den einen Euro so viele Brote essen wie sie wollen. „Manche essen vier Brötchen, weil es ihnen in der Gemeinschaft so gut schmeckt“, erzählt Hildegard Weidlich. Dann sagt sie in einer kleinen Verschnaufpause: „Ich hab‘ mich in dieser wunderschönen Schulküche in einem kleinen Eckchen eingerichtet.“

Wenn es beim Broterichten schnell gehen muss, hilft Hildegard Weidlichs Enkel Noah gerne. Er nimmt bei seinen Mitschülern Bestellungen auf und bringt danach die fertigen Brote dann zu ihnen.
Wenn es beim Broterichten schnell gehen muss, hilft Hildegard Weidlichs Enkel Noah gerne. Er nimmt bei seinen Mitschülern Bestellungen auf und bringt danach die fertigen Brote dann zu ihnen. | Bild: Gudrun Trautmann

Mensabetrieb vorerst verschoben

Bei dieser Aussage schwingt eine Portion Bedauern mit, denn eigentlich sollte in der Profi-Gastro-Küche ja richtig gekocht werden. Und eigentlich sollten in dem geräumigen Foyer Schüler und Lehrer an Tischen sitzen und gemeinsam speisen. Doch jetzt sind die Tische und Stühle gestapelt. Weil die Gemeinde trotz intensiver Suche seit einem Jahr keinen Pächter für den Mensa-Betrieb gefunden hat, ist die Schule wie schon am alten Standort auf die Vesperbrote angewiesen. Die sollen auch gar nicht verteufelt werden, aber sie sollten nicht das einzige Essensangebot bleiben.

Schulleiterin will gesundes Essen für die Kinder

Schulleiterin Cosima Breitkopf berichtet von Testessen und vom Anspruch der Schule, den Kindern richtige, warme und gesunde Mahlzeiten anzubieten. Alexander Kopp von der Gemeindeverwaltung, der den gesamten Schulhausbau von Anfang an intensiv betreut hat und gerade zufällig vorbeischaut, weiß ebenfalls um die Problematik. Es hätten sich etliche Interessenten gemeldet. Zu einem Vertrag kam es aber nicht. Die Gründe sind unterschiedlich. Entweder war das Essensangebot dem Schulträger nicht hochwertig genug oder den möglichen Kantinenbetreibern war die wirtschaftliche Lage unter Corona-Bedingungen zu unsicher. Aus Angst vor einem erneuten Lockdown schrecken Interessenten vor Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt zurück.

Dabei sind die Voraussetzungen für den Mensa-Betrieb in der Eichendorff-Realschule vermutlich besser als in anderen Schulen. Cosima Breitkopf berichtet von mehreren Umfragen bei den Eltern: „4,50 Euro würden die Eltern für ein Essen bezahlen.“ Geht es nach der Schulleitung, so sollen die Gerichte regional und gesund sein und natürlich den Schülern schmecken. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder etwas zu essen bekommen“, sagt die Chefin. „Wir wollen ihnen auch Esskultur vermitteln.“ 40 bis 50 Kinder würden das Angebot sicher nutzen, ist sie überzeugt. „Wenn das Essen gut schmeckt, nehmen die Kinder das auch an.“

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Solange der Mensa-Betrieb nicht angelaufen ist, wird Hildegard Weidlich weiter Brote richten. Die Arbeit macht ihr Spaß. Sie kennt alle Kinder. Sie kann sich auf sie verlassen, wenn die Arbeit überhand nimmt. „Es hilft mir immer ein Kind“, sagt sie und versorgt die Reste.