Wussten Sie das? Ich bin heimliche Großunternehmerin. Die Wertschöpfung des deutschen Buchmarktes liegt bei jährlich 14,3 Milliarden Euro und der Umsatz im deutschen Buchhandel bei 9,3 Milliarden. 113.000 Menschen sind in der Buchbranche beschäftigt. Im Grunde genommen, bin ich mit meiner Kreativität also nicht nur Ideen- sondern auch Arbeitgeberin. Blöd ist nur, dass im Literaturbetrieb die Arbeitspyramide auf der Spitze steht: Unten sitzt die Autorin mit ihrer Idee.

Freiberuflich geht sie voll ins Risiko, arbeitet oft ohne Vorschuss oder Vertrag jahrelang an einem Produkt, von dem sie nicht weiß, ob der Markt es überhaupt will. Unsere Bezahlung ist prekär – und jetzt in Coronazeiten bricht auch unsere Haupteinnahmequelle weg: Die Lesungen.

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Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass wir vom Buchverkauf leben können – denn damit ernähren wir den Rest der Pyramide (nicht vergessen: wir sind Arbeitgeber!). „Kannst du nicht etwas Vernünftiges arbeiten?“, werde ich oft gefragt. Und frage zurück: Gibt es etwas Vernünftigeres, als zu schreiben?

Autoren ermöglichen einen Perspektivwechsel und Debatten

Wir Autorinnen und Autoren schaffen Ausweichräume für die Fantasie. Wir ermöglichen es, andere Perspektiven einzunehmen. Lesend kann ich in ein fremdes Leben hineinschlüpfen und mich anderen Kulturen nähern. Ich entwickle Verständnis und Empathie für Menschen, denen ich im echten Leben niemals begegnen würde – und habe auch noch Spaß dabei! Schreibende schaffen Räume für gesellschaftlich notwendige Diskussionen – ohne uns verschwindet die Basis unserer demokratischen Debattenkultur.

Aber wo sitzen wir Kreative? An der Spitze der umgedrehten Pyramide – um im Bild zu bleiben: unter der Spitze. Und das tut ganz schön weh. Deshalb fordert das Netzwerk Autorenrechte nun auch die Schaffung eines nationalen Lesefonds. Gleichzeitig werden Länder und Kommunen aufgefordert, Stipendienprogramme zu entwickeln und AutorInnen – gegen Vergütung – mehr digitale Plattformen für Lesungen zur Verfügung zu stellen. Das wäre über Bibliotheken und Schulen möglich und käme uns allen zugute. Denn ohne Kunst ...

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