In Gottmadingen wird gerne mal Tacheles geredet. Luft ablassen, nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern die Dinge beim Namen nennen, lautet die Devise. Jetzt hat es Bürgermeister Michael Klinger und seine Verwaltung erwischt. Es geht um das Höhenfreibad und den Umgang mit dem gleichnamigen Förderverein. Dessen achtköpfiger Vorstand gab mit Ausnahme von Carola Fahr nach zehn Jahren Engagement entnervt auf und stellte sich in der jüngsten Hauptversammlung nicht mehr für die Ämter zur Verfügung.

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Das Kernproblem sei die gestörte Kommunikation zwischen Verein und Verwaltung sowie die Grundhaltung des Bürgermeisters gegenüber dem Freibad, erklärte der scheidende erste Vorsitzende Hermann Püthe in seinem doppelten Jahresbericht. Wegen der Corona-Pandemie konnte der Verein 2020 keine Hauptversammlung abhalten. Deshalb nun der Überblick über zwei Vereinsjahre. Corona war aus Sicht des Vereins offenbar auch dafür verantwortlich, dass bestehende Defizite in der Kommunikation mit der Verwaltung deutlicher zutage traten.

Kritik des scheidenden Vorsitzenden

In seinem Rückblick lieferte Hermann Püthe den anwesenden Mitgliedern konkrete Beispiele: So habe der Verein die Veränderung der Öffnungszeiten erst aus der Zeitung erfahren. Dass Corona keinen normalen Bäderbetrieb erlaubte, habe der Verein zwar verstanden, nicht aber die Tatsache, dass man mit 500 Besuchern deutlich unter der gesetzlich zulässigen Höchstzahl geblieben sei. Überhaupt kein Verständnis hatten die Schwimmfreunde dafür, dass die Gemeinde zunächst keine Saisonkarten mehr angeboten hat. „Die Stammschwimmer sind alle in Nachbarbäder abgewandert“, sagte Püthe. Die Sicherheitskräfte hätten mit ihrem harschen Ton ihr Übriges dazu beigetragen.

Das Höhenfreibad in Gottmadingen.
Das Höhenfreibad in Gottmadingen. | Bild: Archiv Christl Löffler

Scharfe Kritik übte der scheidende Vorsitzende auch am Buchungs- und Bezahlsystem, das häufig nicht funktioniere. Älteren Badegästen ohne Computer und ohne helfende Verwandte oder Nachbarn sei es nicht möglich gewesen, Eintrittskarten zu kaufen. „Das ist nicht menschlich und nicht gästeorientiert“, sagte Hermann Püthe. Seine schärfste Kritik richtete sich jedoch gegen die Verwaltungsspitze. „Der Bürgermeister sieht nicht die Gemeinschaft im Höhenfreibad, sondern nur die Kosten, die das Bad verursacht“, sagte er.

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4,5 Millionen Euro investierte die Gemeinde in die Sanierung des Höhenfreibades, nachdem im Jahr 2012 ein Leck im Schwimmerbecken zu hohem Wasserverlust geführt hatte. Nachdem der Bürgermeister im Dezember die geplante Schließung des Bades für 2013 bekanntgegeben hatte, organisierte der Förderverein eine Unterschriftensammlung für das Bad. 2118 Unterschriften der Gottmadinger sprachen sich für den Erhalt des Freibades aus. Es folgten zahlreiche Veranstaltungen im Bad oder auch auf dem Frühjahrsmarkt zur Unterstützung. Gleichzeitig wuchs die Identifikation mit dem Bad. An die schönen Momente erinnerte Carola Bühler in ihrem emotionalen Vereinsrückblick, angefangen bei Festen im leeren Schwimmbecken bis hin zum H2O-Spaß. Viel Arbeit sei damit verbunden gewesen. „Das hat uns Spaß gemacht, weil wir wussten, dass wir es fürs Schwimmbad machen“, sagte sie. „Es war schön, aber im Moment ist die Luft raus.“

Jan Zwingenberger nutzt als leidenschaftlicher Schwimmer das Gottmadinger Höhenfreibad regelmäßig. Jetzt wurde er einstimmig zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt.
Jan Zwingenberger nutzt als leidenschaftlicher Schwimmer das Gottmadinger Höhenfreibad regelmäßig. Jetzt wurde er einstimmig zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Zehn Jahre lang stand Hermann Püthe an der Spitze des Fördervereins. Die Arbeit habe ihm Freude gemacht. Ein Lob richtete er an das Personal, besonders an die Schwimmmeister. Zuletzt sei ihm jedoch die Lust vergangen, weil er mit seinen Vorschlägen bei der Verwaltung kein Gehör mehr fand. „Vielleicht hat eine neue Vorstandschaft einen besseren Draht zur Verwaltung“, hofft er. Er verstehe, dass er vielleicht manche Mitarbeiter mit seiner Beharrlichkeit genervt hat, räumte er selbstkritisch ein. Trotz des ernüchternden Berichtes gelang es den Mitgliedern, einen neuen Vorstand mit Jan Zwingenberg an der Spitze zu wählen. Dessen erste Aufgabe wird sein, den Kontakt zum Rathaus wieder zu verbessern.