Sucht man im Internet auf der offiziellen Gottmadinger Seite nach Grundstücken, so bekommt man eine Antwort aus dem Jahr 2016. „Zur Zeit sind keine Bauplätze für Einfamilienhäuser zur Verfügung“ heißt es da. Bauplätze sind rar geworden, vor allem seit die Zinspolitik das Sparen so unattraktiv gemacht hat, dass immer mehr Menschen in sogenanntes Betongold investieren. Doch nicht jeder kann die explodierenden Preise auf dem freien Grundstücks- und Immobilienmarkt bezahlen. Um auch weniger begüterten Durchschnittsverdienern die Chance auf ein Eigenheim zu ermöglichen, verkaufen viele Kommunen ihre knapper werdenden eigenen Grundstücke zu günstigeren Preisen. Allerdings kommt hier nur zum Zuge, wer eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt.

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Zahlreiche Gemeinden im Hegau haben in den vergangenen Jahren das sogenannte Einheimischenmodell angewandt. Danach werden Bauwillige aus dem eigenen Dorf bei der Vergabe von Bauplätzen durch die Gemeinde bevorzugt. Bewerber mit minderjährigen Kindern konnten zusätzlich punkten. Engagement, Arbeitsplatz und soziale Verhältnisse wurden ebenfalls bewertet. So auch in Gottmadingen. Die Gemeinde ist Zuzugsgemeinde und hat mehr Anfragen von Häuslebauern als Grundstücke zur Verfügung. Da war der Vergabekatalog ein wichtiges Hilfsmittel.

Start oder nur trügerisches Zeichen? Der Erdaushub auf dem Gelände der alten Eichendorff-Realschule ist wohl nur zwischengelagert. Die Debatte über die Entwicklung des Quartiers 2020 ist noch gar nicht abgeschlossen. Hier soll jede Menge neuer Wohnraum enstehen. Ob aber private Häuslebauer auf dem Gelände zum Zuge kommen, ist noch völlig offen.
Start oder nur trügerisches Zeichen? Der Erdaushub auf dem Gelände der alten Eichendorff-Realschule ist wohl nur zwischengelagert. Die Debatte über die Entwicklung des Quartiers 2020 ist noch gar nicht abgeschlossen. Hier soll jede Menge neuer Wohnraum enstehen. Ob aber private Häuslebauer auf dem Gelände zum Zuge kommen, ist noch völlig offen. | Bild: Trautmann, Gudrun

Im Prinzip ändert sich daran auch nicht viel. Um auch in Zukunft unangreifbar zu bleiben und Unschärfen auszumerzen, hat sich die Verwaltung zusammen mit dem Gemeinderat nun an die Herkulesaufgabe herangemacht und die Vergaberichtlinien überarbeitet. Dabei ging es vor allem darum festzulegen, wieviel ortbezogene oder soziale Punkte die einzelnen Bewerber durch Biographie oder Engagement einsammeln können. Dabei wiegen soziale Kriterien schwerer. Wichtig ist das neue Regelwerk im Hinblick auf die nun anstehende Entwicklung eines neuen Wohngebietes im Quartier 2020. Dort werden nämlich nach dem Abzug der alten Eichendorff-Schule Flächen frei. Ein anderes Thema, die Mehrgenerationenhäuser im Eschenweg, wurde in der jüngsten Ratssitzung ausgeklammert. Hier ging es ausschließlich um die Neufassung der Vergabesatzung: Ein Mammutwerk.

Die vorliegende Bewertungsskala könnte auch noch einmal überdacht werden.“Michael Klinger, Bürgermeister
Die vorliegende Bewertungsskala könnte auch noch einmal überdacht werden.“Michael Klinger, Bürgermeister | Bild: Trautmann, Gudrun

Dass es in nur einer Sitzung gelingen sollte, sich im Grundsatz auf das neue Regelwerk zu einigen, wollten nicht einmal Bürgermeister Michael Klinger und Kämmerer Andreas Ley glauben. Letzter hatte die Beratung exzellent vorbereitet. Anhand dieses Leitfadens beriet das Gremium zunächst, welche Kriterien bei der Vergabe von Bauplätzen überhaupt eine Rolle spielen sollten. Im zweiten Schritt entschieden die Räte, wie viele Punkte das jeweilige Kriterium bekommen soll. Offensichtlich hatten sich auch die Fraktionen sehr gut auf die Debatte vorbereitet, denn es herrschte in vielen Fragen breiter Konsens. Das Angebot des Bürgermeisters, die Bewertungsskala noch einmal zu überdenken, wurde nicht angenommen. Die Räte wollten Nägel mit Köpfen machen.

Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Beste Chancen, ein Grundstück von der Gemeinde Gottmadingen zu erwerben, haben gebürtige Gottmadinger (maximal 20 Punkte), die hier arbeiten (maximal 15 Punkte), ein oder mehrere Ehrenämter ausüben (maximal 15 Punkte), minderjährige Kinder haben (maximal 30 Punkte), selber beeinträchtigt sind und oder Menschen mit Behinderungen pflegen (maximal 20 Punkte). Wer bereits Wohneigentum in Gottmadingen hat, dem können maximal 20 Punkte abgezogen werden. Wer sich schon früher um ein Grundstück in der Gemeinde beworben hat, aber leer ausging, kann nochmal maximal sechs Punkte einsammeln. Bei der Bewertung der einzelnen Kriterien orientierte sich die Versammlung sowohl an der bestehenden Satzung, als auch an den Vorschlägen der Verwaltung.

„Nicht nur Vorstände, sondern alle aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sollten mit je acht Punkten bewertet werden.“Bianca Fleischmann, FWG
„Nicht nur Vorstände, sondern alle aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sollten mit je acht Punkten bewertet werden.“Bianca Fleischmann, FWG | Bild: SK

Man war sichtlich darum bemüht, möglichst transparent und unbürokratisch zu bleiben. Nur bei der Gewichtung und Dauer des ehrenamtlichen Engagements, dem Alter der minderjährigen Kinder (auch Pflegekinder) und der Betriebsansässigkeit eines selbstständigen Unternehmers wurde im Detail diskutiert. So regte Bianca Fleischmann (FWG) an, nicht nur Vorstände, sondern aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr mit je acht Punkten zu bewerten. Bei einer Familie mit zwei oder drei Feuerwehrleuten würde das Ehrenamt aber trotzdem bei 15 Punkten gedeckelt. Die jeweiligen Deckel sorgen dafür, dass die mögliche Gesamtpunktzahl eingehalten wird und objektive Entscheidungen möglich sind.

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Eine wichtige Erklärung hat Kämmerer Ley in seiner Vorlage noch formuliert: Die Gemeinde handle beim Verkauf von nicht subventionierten Grundstücken im Privatrecht. Da es aber keinen weiteren nennenswerten Markt für Baugrundstücke im Dorf gebe, komme der Gemeinde eine marktbeherrschende Stellung zu. Die Bauplatzvergaberichtlinien erhöhten die Transparenz und Rechtssicherheit und schütze vor dem Vorwurf willkürlicher oder diskriminierender Vergabe.