Die Fahrt endete am Bietinger Zoll. Denn dort kam ein Niederländer mit seinen Betäubungsmitteln im Fahrzeug nicht weiter. Zöllner wurden misstrauisch, als ein heute 56 Jahre alte Niederländer im vergangenen Jahr von der Schweiz kommend nach Deutschland einreisen wollte. Die Erklärung, dass der Mann für einen Casinobesuch in die Schweiz gefahren sei, abgewiesen wurde und nun wieder heimfahre, kam den Beamten merkwürdig vor, wie ein Zöllner vor dem Amtsgericht Singen erklärte. Also durchsuchten sie seinen Wagen und fanden in einem verriegelten Versteck auf der Rückbank rund elf Kilogramm THC-haltige Produkte, also Betäubungsmittel: THC ist der Extrakt der Hanf-Pflanze, der für eine berauschende Wirkung sorgt.

Doch so einfach war der Sachverhalt für den Verteidiger Gerhard Zahner vor Gericht nicht, denn die Drogen seien für CBD-Produkte gedacht gewesen – und die sind in manchen Ländern legal. CBD steht für Cannabidiol, das ist ein Wirkstoff der Hanfpflanze (siehe Info).

THC-Gehalt ist 13,7 Mal so hoch wie erlaubt

In einem Eimer Bircher Müsli war der CBD-Extrakt versteckt. Doch was in der Schweiz und den Niederlanden möglicherweise erlaubt wäre, ist in Deutschland verboten: Der THC-Gehalt der Betäubungsmittel war 13,7 Mal so hoch wie erlaubt, wie der Staatsanwalt erklärte. Für Verteidiger Gerhard Zahner war die Sachlage nicht ganz so eindeutig: „Ich bin der Letzte, der das banalisiert, aber es ist eine schizophrene Situation.“ Die Rechtslage sei nämlich nicht so einfach, wie es klinge – auch wenn der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft sei.

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Mehrere Vorstrafen: Immer wieder lockte ihn das schnelle Geld

Der angeklagte 56-jährige Niederländer hat laut Richterin einen Eintrag im deutschen Strafregister, dazu kommen zehn Einträge aus seinem Heimatland. Immer wieder lockte ihn das schnelle Geld, das in den meisten Fällen aber einen Haken hat. Einmal schaffte er einen Koffer von Amsterdam ins Ausland und erhielt 1500 Euro dafür – doch in dem Koffer waren zwölf Kilogramm Amphetamine. Ein anderes Mal wollte er Drogen von den Niederlanden nach Kanada transportieren, wurde dort aber schon am Flughafen festgenommen und inhaftiert.

Nach der mittleren Reife absolvierte er zwar den Wehrdienst, aber keine Ausbildung. Jahrelang arbeitete er in einem Bordell, wo er für die Reinigung und die Kontrolle von Papieren der Mitarbeiterinnen zuständig gewesen sei. Zuletzt verdiente er seinen Lebensunterhalt als Bauhelfer nahe Amsterdam, lebte mit Frau und 14-jährigem Sohn sowie einer Stieftochter zusammen. Diesen Werdegang erschließt sich das Amtsgericht teils über die vorliegenden Akten, teils über die Aussagen des Angeklagten, die von einer Dolmetscherin aus dem Niederländischen übersetzt werden.

1000 Euro sollte er für die Fahrt zwischen Amsterdam und Schweiz erhalten

Dann sei er angesprochen worden für eine Fahrt in die Schweiz, um dort CBD-Produkte abzuholen, wie der Verteidiger erklärte. „Er ist runter gefahren, hat den Schlüssel abgegeben und die haben den Wagen beladen. Der Tarif war minimal, 1000 Euro. Und dann ist er losgefahren und verhaftet worden.“ Laut Aussage des Zöllners habe er ruhig, fast teilnahmslos reagiert – selbst als ihm Handschellen angelegt wurden.

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Die Beweislage war für die Staatsanwaltschaft erdrückend, das Vorgehen zeuge auch von einer gewissen Professionalität. Deshalb lautete das Plädoyer: drei Jahre und zehn Monate Haft, außerdem die Einziehung des Fahrzeugs sowie 1600 Euro Bargeld.

Angeklagter ging von deutlich weniger THC aus – doch macht das einen minder schweren Fall?

Verteidiger Gerhard Zahner sah einen minder schweren Fall, weil der Niederländer sich zweifach geirrt habe: Er sei davon ausgegangen, dass CBD in Deutschland nicht verboten sei, und dass der THC-Gehalt geringer sei als später ermittelt. Sein Mandant sei davon ausgegangen, dass die Produkte nur 0,2 Prozent THC enthalten hätten. Tatsächlich waren es demnach 0,7 Prozent. „80 Prozent der CBD-Fälle, mit denen ich zu tun habe, haben höhere Werte als gedacht“, erwiderte die Richterin. Dennoch befand der Anwalt zwei Jahre und drei Monate Haftstrafe für ausreichend: „Er ist am Ende, vermisst seine Familie. Er ist kein Sieger, sondern ein Narr.“

Dem stimmte auch sein Mandant zu: „Ich bin ein Idiot“, sagte er in seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung. Er schäme sich für seine Tat und habe eine Strafe verdient. Dass die so hoch ausfallen soll, erschrecke ihn aber.

Ein Urteil zwischen den Plädoyers

Die Richterin fand ein Urteil zwischen den Plädoyers: Zwei Jahre und neun Monate. Denn der Angeklagte habe gewusst, dass er sich am illegalen Drogenschmuggel beteilige. Gegen einen minder schweren Fall spreche die Menge, das professionelle Vorgehen und die einschlägigen Vorstrafen. Auto und Bargeld bleiben eingezogen.

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