Mächtig wirkte nicht nur seine Statur, der Ur-Gottmadinger hat auch Großes für seine Gemeinde und für viele Vereine geleistet. Nun ist Leopold Müller im Alter von 90 Jahren verstorben. Er war ein Unternehmer mit Erfinder- und Pioniergeist, der im gewerblichen Bereich von Gottmadingen tiefe Spuren hinterlässt. Die Gemeinde hatte ihn beim Bürgerempfang 2019 für seinen unermüdlichen Einsatz geehrt. Leopold Müller war auch Gemeinderat und Verwaltungsrat der Sparkasse Gottmadingen. Er erhielt Ehrennadeln des Landes und des südbadischen Handballverbandes und war Ehrenvorsitzender des TV Gottmadingen sowie des Deutsch-Italienischen Freundeskreises.

Bergsteigen gab ihm viel Kraft

Leopold Müller strahlte Fröhlichkeit aus, gepaart mit ein wenig Schalk im Nacken und durchaus positiv behaftetem kritischen Hintersinn. Bis kurz vor seinem Tod hat Leopold Müller privat eine Donnerstagswandergruppe geleitet. „Mein Vater war ein Menschen- und Naturfreund“, beschreibt Tochter Susanne Müller-Magro respektvoll. Er habe stets betont, wie viel Kraft ihm seine sportlichen Freizeit-Aktivitäten, wie das Bergsteigen, gegeben hätten, privat wie auch beruflich.

Kinder führen Betreibe weiter

Leopold Müller hat das Unternehmererbe seiner Vorfahren weitergeführt. Er gründete seine eigene berufliche Existenz als Inhaber einer Firma, die sich auf die Produktion von Vorhangschienen spezialisiert hatte. Er erweiterte das Unternehmen, das anschließend unter Müller Maschinen- und Apparatebau auf dem Markt agierte. Die Firma führt Sohn Andreas seit vielen Jahren, Bruder Bernhard arbeitet als Konstrukteur.

Leopold Müller hat in Gottmadingen viel geleistet.
Leopold Müller hat in Gottmadingen viel geleistet. | Bild: Biehler, Matthias

Ein eigenes Bandscheiben-Leiden war Leopold Müllers Start zur Gründung eines neuen Betriebszweiges, dem Medizinisch-Technischen Gerätebau. Er erfand einen sogenannten Extender. Ein Gerät, das schlimmen Rückenbeschwerden sanft vorbeugt. Heute führt Susanne Müller-Magro den Betrieb im Sudhaus-Areal im Herzen von Gottmadingen. Mit in der Firma arbeitet Bruder Oliver in maßgeblicher Rolle. Längst hat die Firma die Produktpalette um Rücken entlastende Möbel erweitert.

TV Gottmadingen trauert

„Wir trauern um unseren langjährigen Vorsitzenden und Vize“, schreibt der TV Gottmadingen im Nachruf. Der Ehrenvorsitzende war selbst begeisterter Handballer. In einer Zeit, in der die Sportler noch im Freien spielten, wie auf dem alten Sportplatz bei der Fahrkantine. In einem früheren SÜDKURIER-Artikel berichtete Müller darüber, dass die Handballer mal nach Singen gelaufen sind, um mit dem Bus zu einem Spiel nach Konstanz zu kommen.

Leopold Müller hat auch eine Familienchronik verfasst. Um ihn trauern Ehefrau Elisabeth, seine vier Kinder mit Familien samt fünf Enkeln, sowie viele Verwandte und Bekannte. Die Beisetzung findet wegen Corona im engsten Familienkreis statt.