Im Rahmen meiner neuen Fahrradroutine weiten sich meine Kreise und ich radle auch mal auf Besuch zu meinen Eltern. Böswillige Zungen behaupten, dass ich das nur deshalb mache, da mein Kontingent für Tickets in Radolfzell erschöpft sei. Ja, ich gestehe, dass ich kurz nach dem Umzug meiner Eltern dort eine Art Abo für Bußgelder habe. Ärgerlich, wenn man in der 30er-Zone mit 40 erwischt wird und für das schöne Geld nur ein wenig schmeichelhaftes Foto erhält. Einmal – nachdem der gefürchtete rote Blitz mich wieder mal geblendet hatte – steckte meine Mutter mir stillschweigend 15 Euro zu. Mittlerweile fahren die beiden Bus und ich kenne alle Radarfallen in Radolfzell.

Mit Tempo 30 läuft es besser

Auf meinen nächtlichen Rückfahrten von diversen Lesungen hatte ich mich in den vergangenen Jahren sowieso dran gewöhnt, dass man entlang des Bodensees kurz vor dem Ortseingang die automatische Tempokontrolle auf 30 Kilometer pro Stunde einstellt und gemütlich weitertuckert. Früher hatte ich auf meinen Fahrten dort immer Stress, Stau und ziemlich regelmäßig gab es Umleitungen wegen Unfällen. Seit dort Tempo 30 die Regel ist, läuft‘s viel besser. Klingt erstaunlich, aber Verkehrsforscher könnten erklären, warum das so ist.

Wenn man nur einen Moment nicht aufpasst, gibt es ein Bild

Was mich allerdings kirre macht, ist die Taktik deutscher Kommunen, innerorts munter zwischen 50er- und 30er-Zonen hin und her zu wechseln und die Radarfallen so zu platzieren, dass man, wenn man nur einen Moment nicht aufpasst – Zack! – und wieder hat man beim Fotografieren vergessen, zu lächeln.

In Italien geht es fairer zu: So ein „Autovelox“ ist in der Regel knallorange und wird oft mehrere Male angekündigt, damit auch der temperamentvollste Ferrari-Fahrer eine realistische Chance hat, mit dem Fuß vom Gas- zum Bremspedal zu wechseln.

Ich finde es besser, wenn diese Geräte nicht dazu missbraucht werden, nach Art der Wegelagerer Geld in kommunale Kassen zu spülen, sondern tatsächlich dem dienen, was die wichtigste Aufgabe ist: dass alle staufrei und gesund weiterkommen.

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In Gottmadingen wehrt man sich gegen eine stationäre Geschwindigkeitskontrolle. Im Gottmadinger Ortsteil Randegg habe es ja kaum Raser gegeben, als der Radar dort probeweise installiert war. In meinen Augen ist das eine Erfolgsmeldung! Auch in Rielasingen sieht man, dass es funktioniert. Falls Gottmadingen mit Radartickets zu wenig Geld einnehmen sollte, schlage ich als Alternative den Bau eines Kreisels mit angeschlossenem Riesenparkplatz vor.

Für die radfahrende Jugend der Dirt Track und für Auto-Poser und -Tuner ein Betonkreisel im Industriegebiet, wo es niemanden stört. Wäre doch eine feine Sache, zum Poser-Schwerpunkt des Südens zu werden. Dafür könnte man Eintritt verlangen. Und über die CO²- Bilanz reden wir später – wie so oft.

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