Auf der Baustelle im Innenhof an der Hard- und Fliederstraße herrscht derzeit viel Baustellenverkehr. Die Arbeiten an der Außenanlage haben sich aufgrund der Witterung etwas verzögert. Aber nicht mehr lange, und die ersten Bewohner können dort einziehen. Manuel Englisch und Vanessa Fuhrmann sind glücklich, dass sie in eine Wohnung im Neubau einziehen können. Vera Federer, hauptamtlicher Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Gottmadingen (WBG), Joachim Blatter (nebenamtlicher Vorstand) sowie Stefan De Felice (Sachbearbeiter für Vermietungen) machten mit dem SÜDKURIER einen Rundgang und sprachen über weitere Pläne im ältesten Wohnquartier der Genossenschaft.

Alt neben neu: Links ist ein Teil des Neubaus im Innenhof zu sehen, rechts ein Gebäudeteil der Hardstraße 6. Bilder: Susanne Gehrmann-Röhm
Alt neben neu: Links ist ein Teil des Neubaus im Innenhof zu sehen, rechts ein Gebäudeteil der Hardstraße 6. Bilder: Susanne Gehrmann-Röhm

Manuel Englisch wohnt aktuell mit seiner Familie in der Fliederstraße 10, Vanessa Fuhrmann in der Fliederstraße 12. Der Block der Fliederstraße 10, 12 und 14 ist aus den 1950er Jahren und so sanierungsbedürftig, dass sich die WBG entschlossen hat, sie abzureißen, wenn die 15 Mieter ausgezogen sind. Im Innenhof finden einige der Mieter eine neue Bleibe.

Alle Mieter erhalten dafür von der WBG andere Wohnungen. „95 Prozent der Mieter wollen bei der WBG bleiben und wir ermöglichen dies natürlich, das ist unsere Aufgabe“, so Vera Federer. Die Bebauung des Innenhofs war schon 2017 grundsätzlich vom Aufsichtsrat auf den Weg gebracht worden.

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Manuel Englisch ist seit 2015 Mitglied in der WBG. „Wir wurden frühzeitig informiert, dass wir umziehen müssen“, so Englisch. Er sei sehr zufrieden und froh, bald in die neue Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss des Neubaus umziehen zu können. Auch Vanessa Fuhrmann wohnt schon fast drei Jahre bei der WBG. „Mir wurde auch eine Wohnung im Kornblumenweg angeboten, doch ich wollte lieber in den Neubau“, so Fuhrmann. Sie hat einen Wohnberechtigungsschein und zieht mit ihrem Lebenspartner und dem zweijährigen Sohn zusammen in die neue Wohnung. Das ist ein großer Vorteil bei der WBG. „Eine Kündigung wegen Eigenbedarfs gibt es nicht“, sagt Vera Federer.

6,80 Euro pro Quadratmeter

Ein Teil der neuen Wohnungen im Innenhof sind mit Mitteln der Landeswohnraumförderung gebaut und werden mit einer Grundmiete von rund 6,80 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Mittel an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in der WBG und die Zusammensetzung der Mieter im jeweiligen Wohngebäude. Vera Federer betont, dass sich der Vorstand die Zeit nehme, die Neumitglieder persönlich zu begrüßen.

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„Insgesamt hat die WBG etwa zehn Prozent Wohnungen, die mit einem Wohnberechtigungsschein gemietet werden können“, so Joachim Blatter. Alle Wohnungen entsprechen dem Energiestandard KfW 55 mit Fußbodenheizung, sind barrierearm und mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet. Außerdem haben sie entweder Balkon oder Terrasse. In der Tiefgarage stehen 48 Stellplätze zur Verfügung, acht Stellplätze haben einen E-Mobilitätsanschluss. Gemeinsam mit der Thüga wird auf den Dächern regenerativer Strom erzeugt.

In diese Wohnung zieht Manuel Englisch (2. von rechts) bald mit seiner Familie. Im Bild (von links) Vera Federer, Stefan De Felice und Joachim Blatter von der Wohnungsbaugenossenschaft Gottmadingen beim Rundgang durch den Neubau im Innenhof der Flieder-/Hardstraße. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm
In diese Wohnung zieht Manuel Englisch (2. von rechts) bald mit seiner Familie. Im Bild (von links) Vera Federer, Stefan De Felice und Joachim Blatter von der Wohnungsbaugenossenschaft Gottmadingen beim Rundgang durch den Neubau im Innenhof der Flieder-/Hardstraße. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Für den Block Fliederstraße 10, 12 und 14 und die Häuser Hardstraße 2 bis 6 hat die WBG schon weitere Pläne. „Mit dem Abriss in der Fliederstraße und dem Ersatzneubau geht die Wohnungsbaugenossenschaft konsequent nach der Entwicklung des Innenhofes den nächsten Schritt. Hier wird im Quartier neuer und hochwertiger Mietwohnraum geschaffen, das ist das, was Gottmadingen dringend braucht“, sagt Bürgermeister Michael Klinger. Joachim Blatter, für das Finanzkonzept verantwortlich, ergänzt, dass die WBG gemessen an ihrer Größe damit ein weiteres Riesenprojekt stemmt.

Nach dem Abriss folgt der Neubau

Nach dem Abriss wird dort, entlang der Fliederstraße voraussichtlich ab Sommer 2022 ein neues, dreigeschossiges Gebäude gebaut. Insgesamt sollen 19 Wohnungen entstehen mit einem Wohnungsmix aus Vier-Zimmerwohnungen bis hin zu Kleinst-Wohnungen mit einem Zimmer, die durch Verbindungstüren an die größeren Wohnungen zugeschaltet werden können. So sei es möglich, dass ein erwachsenes Kind oder ein Großelternteil mit in den Neubau ziehen könnte. Dieser Komplex, der auch die Gebäude Hardstraße 2 bis 6 betrifft, wird steilere Dächer haben und im Dachgeschoss soll auch Technik untergebracht werden. Bei der Weiterentwicklung in der Hardstraße 2 bis 6 werden zwischen 2024 und 2026 dann nochmals 20 Wohnungen entstehen.

Gemeinderat muss noch zustimmen

Dieses Bauvorhaben wird vom Gottmadinger Architekturbüro Siegenführ & Gassner geplant und der Bauantrag – mit Abrissantrag für die Fliederstraße 10 bis 12 – wird am 27. Juli in der Sitzung des Ausschusses für Technik um Umwelt behandelt. Das Projekt soll auch bei der Hauptversammlung der Genossenschaft, die voraussichtlich am 29. September ab 18 Uhr in der Fahr-Kantine stattfinden soll, vorgestellt werden erklärt Vera Federer.

Die Verortung der WBG ist fast ausschließlich in Gottmadingen. Der Schwerpunkt der Genossenschaft ist die Versorgung ihrer Mitglieder mit Wohnungen im Dorf, zu fairen Mieten. Die Vorstände Vera Federer und Joachim Blatter betonen, dass die WBG auch an der Entwicklung des Quartiers 2020 mitwirken wolle, denn in diesem Bereich hat sie auch ein Gebäude in der Roseneggstraße. Die Beteiligung der WBG an dieser innerörtlichen städtebaulichen Entwicklung sei eine wichtige zukünftige Aufgabe der Genossenschaft neben der weiteren Qualifizierung des Gebäudebestandes mit Modernisierungen, Neubauten und der notwendigen Reduzierung des CO2-Ausstoßes in den eigenen Wohngebäuden. Bürgermeister Klinger sieht in Gottmadingen einen sehr großen Wohnungsbedarf, und zwar in allen Spektren. „Ich hoffe, dass wir hier mit den Entwicklungen im Quartier 2020 am ehemaligen Schulstandort einen wesentlichen Beitrag leisten können“, so Klinger.