Die Nachfrage nach Bestattungen im Gottmadinger Ruhewald bei den Hardtseen ist enorm. Ein Großteil der Plätze ist belegt oder vergeben. Nur fast jeder zehnte beerdigte Verstorbene kam im vergangenen Jahr aus Gottmadingen, alle anderen aus umliegenden Gemeinden. Eine von der Gottmadinger Verwaltung und dem Gemeinderat geplante großflächige Erweiterung des Ruhewaldes lässt sich aber nicht mit den Belangen des Naturschutzes vereinbaren. Dies hatte der Gottmadinger Umweltbeauftragte Eberhard Koch festgestellt. Er fungiert auch als Fraktionssprecher der Freien Wählergemeinschaft im Gemeinderat.

Schon früher als Ruhewald-Standort geplant

Aus seiner Erkenntnis heraus wird auf Initiative der Gottmadinger Verwaltung ein zweiter Standort des Ruhewalds diskutiert, wie jüngst im Gemeinderat. Es geht dabei um Waldflächen oberhalb von Randegg, in Richtung der Schweizer Nachbargemeinde Dörflingen. Dort sollte vor vielen Jahren ursprünglich der Ruhewald der Gemeinde eingerichtet werden, was aber an Vorbehalten von Bürgern scheiterte.

Von Randegg fühtr die Straße nach Dörflingen. Auf der Anhöhe liegt links der Wald, in dem künftig auch Baum-Bestattungen möglich werden könnten.
Von Randegg fühtr die Straße nach Dörflingen. Auf der Anhöhe liegt links der Wald, in dem künftig auch Baum-Bestattungen möglich werden könnten. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Früher war das Thema noch Neuland. Es gab auch ethische Bedenken. Heute hat diese Bestattungsform eine ganz andere Akzeptanz“, erklärt Eberhard Koch. Er sieht wie Bürgermeister Michael Klinger das Forstgelände bei Randegg als bestens geeignet dafür an, einen Ruhewald einzurichten. „Der Standort ist gut zugänglich und befindet sich zudem in einer schönen landschaftlichen Lage“, argumentiert Michael Klinger.

Zu großer Andrang von Besuchern befürchtet

„Eine Ausweitung des Ruhewalds bei den Hardtseen stößt wegen des Naturschutzes auf starke Bedenken. Es wird befürchtet, dass die Natur darunter leidet, wenn noch mehr Besucher in den Ruhewald kommen“, schildert Eberhard Koch. Auf dem Areal rund um den Hardtseen gebe es ein Naturschutzgebiet und Fauna-Flora-Habitat-Flächen. Solche seien europaweit besonders geschützt, zeigt Koch auf. Zudem gehe es um die Verkehrssicherungspflicht, die der steigenden Zahl der Besucher gerecht werden müsse, auch angesichts vieler älterer Baumbestände.

„Wir müssten einen großen Aufwand leisten, um nur geringe Flächen für die Erweiterung des Ruhewalds zu erhalten. Von daher macht der neue Standort Sinn. Der Trend geht immer mehr zu Baum-Bestattungen. Frühere Bedenken sind heute wohl vom Tisch“, bewertet Bernd Schöffling, Fraktionssprecher der CDU, die Situation.

Der mögliche neue Ruhewald-Standort befindet sich oberhalb von Randegg, links neben der Straße in Richtung der Schweizer Nachbargemeinde Dörflingen.
Der mögliche neue Ruhewald-Standort befindet sich oberhalb von Randegg, links neben der Straße in Richtung der Schweizer Nachbargemeinde Dörflingen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Der neue Standort ist geeignet, eine Erweiterung des bisherigen aufgrund der neuen Erkenntnisse dagegen nicht“, sagt Kirsten Graf, Fraktionssprecherin der SPD/Unabhängige Liste. Es stelle sich aber auch die Frage der Größe der Ruhewald-Flächen und ob nicht den Gottmadingern der Vorzug gegeben werden sollte. Wie Schöffling verweist Kirsten Graf auch auf die Zufahrt in den Wald auf Randegger Höhe, die gefährlich auf einer Kuppe der Dörflinger Straße liege.

Die Verwaltung will laut Auftrag des Gemeinderats eine gefahrenfreie Lösung prüfen, auch ob es rechtlich möglich ist, im eigenen Ruhewald Bestattungen nur den Gottmadingern einzuräumen. „Es gibt durchaus kontroverse Meinungen im Gemeinderat und in unserer Fraktion“, sagt Eberhard Koch.

Ruhewald keine Konkurrenz zu Friedhof

Die Belegung des Ruhewalds gehe nicht zu Lasen des Gottmadinger Friedhofs, betont Bürgermeister Klinger. Es gibt Stimmen in der Bevölkerung, die wegen der zunehmenden Baum-Bestattungen eine starke Abnahme von Grabstätten und leeren Flächen im Friedhof wähnen. „Nur ein geringer Prozentsatz der Bestattungen im Ruhewald kommt aus Gottmadingen, sondern die meisten aus dem Umland. Und wer sich für eine Baum-Bestattung entscheidet, macht dies notfalls auch in einer anderen Gemeinde, wenn dies bei uns nicht möglich wäre“, betont Bürgermeister Klinger. Eine Entscheidung über den neuen Ruhewald soll erst später fallen.

Interessante Details zu Bestattungen im Gottmadinger Ruhewald

  • 1300 Plätze verkauft: Im Gottmadinger Ruhewald bei den Hardtseen sind – Stand Januar – 1300 Plätze bereits vergeben. 179.150 Euro hat die Gemeinde im vergangenen Jahr eingenommen. Von den 103 Beisetzungen stammten nur 14 Verstorbene aus Gottmadingen, 89 kamen aus Nachbargemeinden. Laut Beatrix Zureich, die mit Mathias Kossmann bei der Gemeinde für den Ruhewald zuständig ist, wird aber nicht ausgewertet, aus welchen Gemeinden genau die Vertragspartner stammen. Bereits jetzt sind sieben Hektar Ruhewald ausgewiesen.
  • Bäume werden geprüft: Anhand einer Baumliste können Menschen sich einen Baum aussuchen und anschließend auch die Himmelsrichtung für ihre Beisetzung wählen. Dafür schaut sich Forstexperte Johann Hahnloser jeden Baum genau an. Nur wenn ein Baum gesund ist, können bis zu zwölf Urnen an seinen Wurzeln vergraben werden. So ein Baum wird mehrfach geprüft und der Standort vom Vermessungsamt genau eingetragen. Am häufigsten sind Buchen, gefolgt von Eiche und Ahorn. Linden und Kirschen gebe es nur wenige.
  • Vertrag gilt 100 Jahre: Es gibt regelmäßig Führungen im Gottmadinger Ruhewald, die wegen Corona ausgesetzt waren. Als großer Vorteil wird gewertet, dass die Bestattung schon zu Lebzeiten geregelt werden kann und die Grabpflege wegfällt. Interessenten können einen einzelnen Platz auswählen, der je nach Baum zwischen 550 und 1200 Euro kostet, oder einen ganzen Ruhebaum für 4500 bis 6000 Euro reservieren, der bis zu acht Plätze für weitere Angehörige ermöglicht. Der Vertrag für eine Bestattung im Ruhewald gilt für 100 Jahre und so lange der Vertragspartner lebt, kann er die restlichen Plätze an seinem Ruhebaum belegen oder nicht. (isa/bit)