Vaschang ist der letzte Ausschank vor der Fastenzeit. Wir finden ihn wieder im Wort Fasching und die Fasnet als „Fast-Nacht“ transportiert dieselbe Botschaft. Auch der lateinische Ausdruck „Carne vale“, übersetzt „Fleisch ade!“, ist selbsterklärend. Aber tauchen wir nicht gerade auf aus einer monatelangen Fastenzeit? So hart auf soziale Diät gesetzt wie durch den Corona-Lockdown waren wohl nur wenige von uns jemals im Leben. Und müssten wir nicht dringend ein paar böse Geister austreiben? Denn auch das ist die Tradition der Fasnacht.

Unsere Montags-Kolumnistin Ulrike Blatter
Unsere Montags-Kolumnistin Ulrike Blatter | Bild: Picasa

Natürlich darf aus dem Narrentreiben kein Pandemietreiben werden. Die Kappensitzung in Gangelt als „Ground Zero“ der Pandemie ist noch in lebhafter Erinnerung. Die Zunfträte mahnen zur Vorsicht und entwickelten ausgefuchste Konzepte. Aber nun entzündet sich der Streit an Symbolischem, wie dem Aufhängen der Narrenbändel (wo ließe sich Distanz besser einhalten?), was vermutlich nur noch eifrige Paragrafenreiter nachvollziehen können. Wahlplakate dürfen übrigens aufgehängt werden, aber das nur nebenbei. Man beklagt, dass die Fasnet herabgewürdigt wird zum Massenbesäufnis mit Gruppenkuscheln, und deshalb verzichten die Gottmadinger Gerstensäcke auf den traditionellen Narren-Bieranstich mit viel Publikum.

Aber wer garantiert bei all diesen Verboten, dass es nicht hinter verschlossenen Türen hoch hergeht? Etwa die Narrenpolizei? Viele Schließungen der letzten Wochen haben doch genau das bewirkt: Wer auf Teufel komm raus feiern wollte, fand ein Schlupfloch in den Verordnungen oder tat dies hinter verschlossenen Türen. Ein Sonderfall von Alefanz? Nein, Verantwortungslosigkeit. Aber die Fasnet will raus auf die Straßen und ist ein Kulturgut.

Deshalb ergeht es ihr auch genauso übel wie der übrigen Kultur im Ländle, die, trotz ausgefeilter Hygienekonzepte, systematisch runtergefahren wurde. Pauschal wurde dies alles als entbehrlicher Vergnügungsbetrieb abqualifiziert und stillgelegt. Kinos, Theater und auch die Fasnet stehen in einer Linie mit Bordellbetrieben.

Wer erinnert sich noch an das Jahr 1991, als wegen des Golfkriegs keine Straßenfasnacht stattfand? Ja, es war möglich, obwohl Vergnügen (über-)lebenswichtig ist. Aber auch 1991 fanden die KölnerInnen ihren (Zug-)Weg. 2022 werden wir andere, sichere Wege finden müssen. Aber zitieren möchte ich sie doch, die heimliche Hymne der Bläck Fööss aus dem Jahr, in dem der Karneval verboten wurde. Sie passt auch 2021: „M‘r klääve am Lääve: Uns Kölsche nimmp keiner – ejal wat och weed – dä Spaß für ze laache, dä Bock jet ze maache.“ In diesem Sinne, eine glückselige Fasnet.